Früher, als es noch keine CAD-Systeme gab, haben die Konstrukteure und technischen Zeichner sämtliche Bauteile auf Transparentpapier festgehalten. Damals wurde bei MANN+HUMMEL jedes Einzelteil mit Akribie von Hand gezeichnet, beschriftet und mit Maßeinheiten versehen. Bleistift, Tusche und Lineal waren das Handwerkszeug, Zeichnen die Sprache der Konstrukteure. Die Konstruktionszeichnungen waren international genormt, d.h. sie wurden in aller Welt verstanden.

Hier am MANN+HUMMEL Standort Speyer existieren noch viele der alten Zeichnungsoriginale. Das Älteste stammt aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs (26. März 1945) und zeigt ein sogenanntes „Unteres Spannstück“, das zum Verpressen eines Siebscheibenpakets diente.

unteres Spannstueck

Damals – es gab noch keine Wechselfilter – baute MANN+HUMMEL regenerierbare Filter, die mit Siebgeweben, mit drahtgewickelten Spaltrohren oder Plattenspaltfiltern versehen waren. Sie wurden nach Gebrauch nicht entsorgt, sondern der Einsatz wurde rausgenommen, mit Waschbenzin und Bürsten gereinigt und wieder eingesetzt. Die regenerierbaren Filter kamen in allen möglichen Getrieben und hydraulischen Anlagen zum Einsatz, in denen eine gewisse Grundreinheit des Öls benötigt wurde. Im Gegensatz zu dem Reinheitsgrad, der mit den heutigen Papierfiltern erreicht wird, filtrierten die Siebe, Spaltrohre und Plattenspaltfilter nur relativ grob, etwa 30 bis 100 µm. MANN+HUMMEL verkauft diese Filter bis heute in geringen Stückzahlen, sie werden inzwischen allerdings von einem Lieferanten produziert. Der ein oder andere Automobilzulieferer bezieht immer noch solche Filter für ältere, aber auch für neue Getriebe.

Dauermagnet

Eine weitere Zeichnung vom 28. Juni 1957 zeigt einen Dauermagneten. Den gab es früher sehr häufig bei regenerierbaren Filtern. Er wurde auf der Schmutzseite am Filtereinsatz befestigt und hatte die Aufgabe, grobe metallische Bestandteile und Späne aus dem Öl herauszufischen. Hintergrund: Bei älteren Getrieben waren die Verzahnungen noch nicht so präzise, es fehlte eine entsprechende Synchronisierung, durch die Belüftung kamen zusätzliche Partikel in das Getriebe, und, nicht zu vergessen, der Restschmutz, der beim Waschen der bearbeiteten Gussteile nicht immer zu 100% entfernt wurde. All’ das blieb dann an diesem Magnet hängen.

Ablasschraube

Eine weitere Zeichnung von 1956 zeigt eine Ablassschraube, die dazu benutzt wurde, an einem Filterbehälter das Öl abzulassen. Aus Stabilitätsgründen wurden die Zeichnungsoriginale mit einem weißen oder roten Rändelband eingefasst. Die rot eingefassten Zeichnungen waren Angebotszeichnungen, die an den Kunden gingen. Irgendwann wurden die Zeichnungen mikroverfilmt und später in die Datenbank des CIM Database übertragen.

Als ich 1988 ins Unternehmen kam, gab es eine eigene Abteilung, die die Zeichnungen verwaltete. Jede Änderung wurde genau dokumentiert, vervielfältigt und in der Organisation verteilt. Als es für jede Zeichnung eine Mikrofilmkarte gab, wurde auf ihr notiert, in welchem Teil dieses Bauteil verbaut wird.

Siebmantel

Viel hat sich seither durch die IT verändert. Heute unterstützen CAD-Systeme den Konstrukteur bei der Arbeit; sie entwerfen 3D-Modelle, leiten maßstabgetreue Zeichnungen ab, berechnen Spannungen, die durch den Betrieb auf die Bauteile wirken, und vieles mehr. Statt der technischen Zeichner gibt es heute die CAD-Fachkräfte, die den Konstrukteur unterstützen. Ihr Aufgabengebiet ist deutlich anspruchsvoller als früher, gilt es doch, mehrere CAD-Systeme zu beherrschen. Weder die alten Zeichnungen noch die Mikrofilme sind mit unserem heutigen CAD-System Catia 5 weiter verarbeitbar. So bleiben die Zeichnungsoriginale eine Erinnerung an eine (schöne) alte Zeit.

Handrad