Letztes Jahr um diese Zeit war ich in der hektischen Gründungsszene von Silicon Valley zugange. Im Rahmen des InCube Innovation-Programms von MANN+HUMMEL hatten wir nur sechs Monate Zeit, um eine neue Produktidee zu finden und umzusetzen. Das war durchaus eine Herausforderung, der wir jedoch gewachsen waren. Zusammen mit vier anderen MANN+HUMMEL Kolleg/-innen aus der ganzen Welt entwickelte ich qlair, eine innovative, datengesteuerte Anwendung, die aktiv die Luftqualität innerhalb von Gebäuden verbessert.

Incube

Ich bin jetzt wieder in Deutschland und qlair entwickelt sich großartig. In dieser kurzen Zeit hat das qlair Team einen funktionsfähigen Prototyp zur Marktreife gebracht und Pilotprojekte mit wichtigen Kunden auf der ganzen Welt vereinbart. Aber vor unserem Erfolg standen einige sehr schwierige Entscheidungen. Als unsere sechsmonatige Silicon Valley-Phase zu Ende ging, mussten wir bereits die nächste Phase planen. Das Team löste sich auf, da die Mitglieder in ihre Heimatländer zurückkehrten. Die erste Herausforderung war daher die Definition einer Grundlage, auf der wir unsere weitere Arbeit aufbauen konnten.

Ein Kompromiss, damit es weitergeht

Die Entscheidung für einen Standort war besonders schwierig. Aber uns allen war bewusst, dass sie getroffen werden musste. Es war offensichtlich, dass man die Arbeit nicht auf vier Büros (zwei in Deutschland, eins in den USA und eins in Südkorea) aufteilen konnte. Wir beschlossen, dass die Hauptbasis von qlair in Raleigh, North Carolina angesiedelt werden sollte, mit Ellie (die ursprünglich aus dem Büro in Raleigh kam) und Marcel, der nicht nach Deutschland zurückkehrte, sondern in den USA blieb. Ich kehrte nach Deutschland zurück und arbeitete Vollzeit für qlair mit Fokus auf den europäischen Markt. Carlo und Minsik waren nicht mehr für qlair tätig, sondern nahmen neue Positionen bei MANN+HUMMEL ein. Wir mussten also einige Änderungen auf einmal verkraften: Reduzierung der Teamgröße von fünf auf drei Personen und den Umstand, nicht mehr am gleichen Standort zu arbeiten.

Teilweise Wiedereingliederung in die Unternehmenswelt

Die Atmosphäre in dieser nächsten Projektphase war eine ganz andere. Nachdem wir bisher in Silicon Valley auf uns selbst gestellt waren, arbeiteten wir jetzt in MANN+HUMMEL Niederlassungen. Die Unternehmensdenkweise begann so langsam einzusickern. Die Erwartungen waren anders, wobei der Schwerpunkt auf der Definition von Zielen, Berichten zum Fortschritt und dem Erreichen bestimmter Ergebnisse lag. Dies ist natürlich in keiner Weise negativ gemeint, sondern erforderte lediglich eine gewisse Anpassung von mir und meinen Kollegen in den USA. Schließlich hatten wir sehr intensiv zusammengearbeitet und kannten uns auf beruflicher und persönlicher Ebene wirklich gut. Wir wussten, wie die anderen in bestimmten Situationen reagieren würden, und kannten unsere jeweiligen Stärken und Schwächen.

Eine weitere Herausforderung bestand darin, dass wir uns nicht mehr am selben Ort aufhielten und täglich persönlichen Kontakt hatten. Jetzt arbeiten wir unabhängiger und räumlich getrennt zusammen. Selbst der Zeitunterschied wurde zum Hindernis, da es einfach nicht mehr möglich war, alle strategischen und Managementbesprechungen gemeinsam abzuhalten.

Die Herausforderung eines neuen Markts

Der Verkauf von qlair an eine europäische Zielgruppe stellte sich ebenfalls als problematisch heraus. qlair erfordert die Erfassung von Daten und Analysen, um die Luftqualität in Räumen und Bereichen innerhalb eines Gebäudes zu prognostizieren. Es stellte sich jedoch bald heraus, dass potenzielle europäische Kunden eine andere Wahrnehmung von Datenschutz und Datensicherheit haben. Sie äußerten viele sehr detaillierte Bedenken bezüglich der Erfassung, dem Besitz und der Cloudspeicherung von Daten. Dies war wahrscheinlich auf die Einführung der DSGVO-Vorschriften in der EU zurückzuführen.

Nachdem wir den Markt einige Monate lang untersucht hatten, zogen wir den Schluss, dass Europa für qlair nicht geeignet war, da es weit größere Unterschiede zum US-Markt gab als erwartet. Wir konnten nicht alle Anforderungen der Kunden erfüllen und die USA waren erst einmal einfach besser für unser Produkt geeignet. Wir trafen eine weitere harte Entscheidung: uns auf den amerikanischen Markt zu konzentrieren und in Europa mit neuen Kunden nur zu arbeiten, wenn diese von sich aus auf uns zugingen. Dies wiederum führte dazu, dass ich mich dazu entschied, qlair zu verlassen.

 

Incube

Manche nennen so etwas einen Fehlschlag. Das sehe ich nicht so. Das qlair Team hat viel über die Erwartungen des europäischen Markts gelernt und wir können dieses Wissen verwenden, um das Produkt weiter zu entwickeln. Da wir außerdem wissen, dass der europäische Markt für uns im Moment nicht infrage kommt, können wir uns auf den US-Markt konzentrieren. Wir haben die Tri-Dim Mitarbeiter entsprechend geschult, damit diese besser für das Produkt werben und neue Kunden finden können. Zum ersten Mal war qlair sowohl auf der CES in Las Vegas als auch auf der AHR in Atlanta als Aussteller vertreten. Als Beweis für die Bedeutung und die Chancen auf dem amerikanischen Markt wurde qlair auch als CES Innovation Award-Ehrengast auserwählt.

Eine stolze Leistung

Ich persönlich unterstütze das Team noch bei den verbleibenden Kundenaktivitäten in Europa und einigen Marketing- und übergreifenden strategischen Fragen. qlair war für mich eine unvergessliche Erfahrung. Ich denke, qlair hat noch eine große Zukunft vor sich. Ich bin auch gespannt, was das stetig wachsende US Team noch erreichen kann.