North Carolina, USA, 17. Dezember 1903: An diesem Tag war der ungefähr vier Meilen von Kitty Hawk entfernte Ort mit dem unheimlichen Namen „Kill Devil Hills“ (was im Deutschen ungefähr so viel wie „Teufelstöterhügel“ bedeutet) Schauplatz eines ganz besonderen Ereignisses. Nach vielen Versuchen und Rückschlägen gelang den Brüdern Orville und Wilbur Wright hier nämlich der erste Flug mit einem motorbetriebenen Flugzeug, das schwerer als Luft war.

Von den Brüdern selbst konstruiert und gefertigt

Die Brüder Wright kannten sich aus in Ingenieurwesen und Mechanik und betrieben eine Druckerei und eine Fahrradreparaturwerkstatt, bevor sie eigene Fahrräder fertigten. Und seit ihrer Kindheit waren sie vom Fliegen fasziniert. Ende des 19. Jahrhunderts entwarfen und entwickelten sie eine Serie von Gleitflugzeugen, die sie mit ihrem Fahrradgeschäft finanzierten, und waren damit auf dem neusten Stand der Technik.

1903 bauten Orville und Wilbur mit dem Wright Flyer I ein vollkommen neuartiges Flugzeugmodell. Es bestand hauptsächlich aus Fichtenholz, das leicht und trotzdem stabil ist. Die beiden Brüder entwarfen und schnitzten eigenhändig die Holzpropeller und in ihrem Fahrradladen konstruierten sie den Motor. Mit einer Flugstrecke von 37, dann 53 und schließlich 61 Metern bei 11 Stundenkilometern waren die ersten Flugversuche noch bescheiden, aber bedeutsam. Besonders, wenn man bedenkt, wie wichtig die Luftfahrt heutzutage ist. Längst sind Touristenflüge um die Erdumlaufbahn denkbar – und das gerade einmal 100 Jahre nach dem ersten Motorflug überhaupt!

Was wir von Orville und Wilbur lernen können

Mit Gegenwind kämpfen, Rückenwind ausnutzen und ein starkes Durchhaltevermögen an den Tag legen, wenn man etwas erreichen will – das ist uns auch bei MANN+HUMMEL in Fayetteville in North Carolina nicht fremd. Immerhin waren die letzten Jahre, seit unsere Firma von MANN+HUMMEL übernommen wurde, nicht immer leicht. Das Unternehmen hat immens in Infrastruktur und Anlagen investiert. Und wir unterstützen unsere Mitarbeiter darin, ein gutes Unternehmensklima herzustellen. Neue Denkweisen und ein Kulturwechsel brauchen nun einmal ihre Zeit. Als wir gebeten wurden, einen besonderen Gegenstand als Teil der 75-Jahr-Feier von MANN+HUMMEL nach Ludwigsburg zu schicken, war mir klar, dass es etwas sein sollte, das unsere Werte und unseren Geist widerspiegelt. Denn wir mussten lernen, dass Verbesserungen mit einer Menge Arbeit, Leidenschaft, Ausdauer, Zielstrebigkeit und Innovation verbunden sind – und ein bisschen Glück nicht schaden kann. All das haben auch die Brüder Wright gebraucht, damit ihnen der erste motorisierte Flug der Geschichte gelingen konnte. Deshalb ist unser Beitrag ein Modell der Wright Flyer I – allerdings mit einem besonderen Dreh.

Vom Vorstand selbst gemacht

Dann kam der Tag, an dem ich alle unsere Vorstandsmitglieder zusammentrommelte, um über das 75-jährige Firmenjubiläum von MANN+HUMMEL und die Beiträge der einzelnen Standorte zu berichten. Unser Gegenstand soll als Teil der Ausstellung im Technologiezentrum in Ludwigsburg in einer Zeitkapsel für die Nachwelt aufbewahrt werden? Diese Idee hat sie direkt begeistert. Was die Vorstandsmitglieder damals allerdings noch nicht wussten, war, dass sie selbst Hand anlegen mussten, um diesen Plan in die Realität umzusetzen.

Meinem Geschäftsführer und mir war es tatsächlich gelungen, diesen Teil des Plans geheimzuhalten. Der Flyer existierte nämlich zunächst nur als Modell, das die Vorstandsmitglieder erst zusammenbauen mussten – und zwar an Ort und Stelle. Wie die Brüder Wright hat auch unser Vorstand einen technischen Hintergrund und Erfahrungen im Modellbau aus Kindertagen. Im Nu schwelgte man in Kindheitserinnerungen, und die Begeisterung war greifbar. Nach angeregten Diskussionen und dem Studium der Pläne nahm jeder seinen Part im Team ein. Binnen weniger Stunden war das Modell fertig und konnte auf die große Reise gehen!

Der Flug der Wright Flyer I bildet den Anfang der Pionierzeit der ersten Flieger, und die Brüder Wright legten damit den Grundstein für die moderne Luftfahrt. Von ihrer Geschichte können wir alle bei unseren eigenen Errungenschaften und unserem gemeinsamen Weg lernen.