1993 habe ich als einer von drei Fertigungsbereichsleitern in der Filterproduktion bei MANN+HUMMEL in Marklkofen angefangen. Zwei Jahre später strukturierte der damalige Werksleiter die gesamte Fertigung in Center um. Die Center waren „kleine Werke“ im Werk. Man hatte viel Gestaltungsfreiraum, aber auch eine viel größere Verantwortung. Ich übernahm das neu geschaffene Center „Teile“, Heinrich Güntner, der bis dahin mein Chef war, übernahm das Center „Wechselfilter“. So wurde ich vom Mitarbeiter zum Kollegen und wir arbeiteten die folgenden Jahre sehr gut und erfolgreich zusammen.

Mit den Centern wurden eigenständige Bereiche kreiert, in denen direkte und indirekte Funktionen gebündelt wurden. Vorher waren das eigenständige, teilweise zentral geführte Abteilungen. Zu dem von mir geleiteten Center „Teile“ gehörten damals die Teilefertigung, das Teilelager, der Werkzeugbau und die Konstruktion sowie die entsprechenden Servicefunktionen. Wir waren jetzt der Lieferant für unsere internen Kunden, wie z.B. für die Center „Wechselfilter“, „Luftfilter“ und „Ölfilter/Piclone“. Die Vorgabe war, die Center kundenorientiert und vor allem wirtschaftlich zu führen.

Achim Wagner, Cornelia Rehfeldt, Heinrich Güntner

Center-Struktur bewährt sich

Die ersten Jahre nach der Umstrukturierung waren eine sehr spannende und lehrreiche Zeit für alle Mitarbeiter im Werk, da keiner richtig abschätzen konnte, ob die neue Organisationsform mit den Centern wirklich funktioniert. Es gab auch Skeptiker. Doch die Struktur hat sich bewährt und ist bis heute existent. 1999 haben Heinrich Güntner und ich unsere Verantwortungsbereiche getauscht. Heute würde man vielleicht „Jobrotation“ dazu sagen. Er übernahm das Center „Teile“ und damit die Vorfertigung, ich leitete fortan die Wechselfilterproduktion. Nun veränderten sich erneut unsere Rollen: Er war mein interner Lieferant und ich sein interner Kunde. Als Heinrich Güntner 2002 in die Freistellungsphase der Altersteilzeit eintrat, übernahm ich das Center „Teile“ wieder von ihm; es wurde in das erweiterte Center „Wechselfilter und Teile“ integriert.

Im Laufe der Jahre wurden immer wieder organisatorische Veränderungen vorgenommen. Die letzte fand 2015 statt: Hier kam die elektrische und mechanische Instandhaltung als weitere Serviceabteilung zum Center Wechselfilter hinzu. Die Wechselfilterproduktion hat in den vergangenen Jahren ein stetiges Wachstum hingelegt. Unser Portfolio im Wechselfilterbereich hat sich im Prinzip nicht grundlegend verändert. Neue Produkte, wie Hochdruckfilter, die einen Druck bis 120 bar aushalten, kommen hinzu. Auch veränderte Kundenanforderungen wie „Copy Protection“ Lösungen verändern das Design und die Herstellungsprozesse. Insgesamt hat sich die Zahl der Mitarbeiter im Werk Marklkofen seit meinem Eintritt im Jahr 1993 erhöht. Marklkofen ist heute im weltweiten Produktionsnetzwerk von MANN+HUMMEL eine sogenannte „Lead Plant“, also das führende Produktionswerk für bestimmte Produktions- und Innovationsthemen, die hier abgearbeitet werden. Im Werkzeugbau stellen wir beispielsweise Prägewalzen exklusiv für alle MANN+HUMMEL-Standorte her. Als „Center of Competence Spin-On-Filter“ unterstützen wir die weltweiten Standorte im Produktionsumfeld mit Trainings oder geben Unterstützung bei technischen Fragestellungen.

Im Wandel der Zeit

Wenn ich mich frage, wie die Arbeitswelt bei MANN+HUMMEL 1993 war und wie ist sie jetzt ist, so fallen mir spontan drei grundlegende Veränderungen ein: die Informationstechnologie , der technische Fortschritt im Produktionsprozess und die Globalisierung. Als ich hier in Marklkofen anfing, waren PCs nicht sonderlich verbreitet, Handys und Laptops nicht vorhanden. Als mich Heinrich Güntner damals bei meinem Vorstellungsgespräch durch die Fertigung führte, gab es noch die „Piepser“: Wurde er angepiepst, musste er von einem erreichbaren Hallentelefon die angezeigte Nummer anrufen. Heute hingegen sind wir weltweit überall mit Handy und Laptop erreichbar. Das Notebook wird zum Büro, von dem man sich auf der ganzen Welt ins Intranet und alle internen Systeme einwählen kann. EDV-Tools sind aus dem Tagesgeschäft nicht mehr wegzudenken. Viele Prozesse laufen nur noch online ab.

Roboter waren 1993 auch noch kein Thema und als wir im Jahr 2003 mit den ersten Robotern im Wechselfilterbereich begannen und die sogenannten Modulmontagen aufbauten besuchte uns auch Heinrich Güntner und ich kann mich noch gut erinnern – er war etwas skeptisch: „Ob das wirklich funktioniert“? Heute haben wir 50 Roboter allein in der Wechselfilterendmontage im Einsatz, ohne die wir die geforderten Stückzahlen und Herstellkosten nicht mehr erreichen würden. Stark verändert hat sich auch die globale Ausrichtung des Unternehmens. Geschäftsreisen per Auto, Bahn und Flugzeug stehen auf der Tagesordnung; die englische Sprache ist Grundvoraussetzung, um sich weltweit mit den Kollegen auszutauschen. Viele Dokumente sind nur noch in Englisch verfügbar. Diese Ausrichtung auf die ganze Welt  war damals bei weitem nicht so stark ausgeprägt.

Auch die Kommunikationsstrukturen innerhalb des Konzerns haben sich verändert. Wir kommunizieren per E-Mail, Skype oder Web-Ex, nutzen Facebook und Twitter und bloggen über unser Unternehmen. Ich selbst habe schon einen Blog inkl. YouTube-Video über die einzelnen Schritte der Wechselfilterherstellung gemacht. Sie können gerne mal „reinschauen“ :-)!

Doch ganz gleich, welche neuen Medien es auch zukünftig geben wird – eines können diese niemals ersetzen und das ist das persönliche Gespräch egal in welcher Sprache und an welchem Ort der Welt. Sie müssen Ihrem Gegenüber auch mal in die Augen schauen können.