In meiner Blogserie „Was macht eigentlich…?“ stelle ich (Arne Bauer) Berufsbilder bei MANN+HUMMEL vor. Als „rasender Reporter“ schaue ich den Mitarbeitern an den deutschen Standorten über die Schulter. In Marklkofen begleitete ich den Betriebsingenieur Thomas Sieber.

Was macht eigentlich ein Betriebsingenieur in Marklkofen?

Turin, Fayetteville, Marklkofen. Thomas Sieber ist immer auf Achse. Von der Beschaffung einzelner Maschinenteile bis zur Planung kompletter Fertigungslinien unterstützt er die MANN+HUMMEL Standorte weltweit mit seinem technischen Knowhow. Das kommt nicht von ungefähr: Sieber begann vor fast 30 Jahren eine Lehre zum Maschinenschlosser, arbeitete als Einsteller und in der Betriebsmittelkonstruktion. Seit über 15 Jahren ist er nun Betriebsingenieur und meint: „Das wurde mir in die Wiege gelegt.“

Vater und Mutter arbeiteten beide seit jeher für MANN+HUMMEL, allerdings im Wechselfilterbereich. Siebers Leidenschaft hingegen gilt dem Luftfilter: „Kleber und Polyurethan, das ist meine Welt.“ Als einer von sechs Betriebsingenieuren für Filterelemente in Marklkofen plant und entwickelt er einerseits für die Produktion vor Ort, reist andererseits auf Anfrage hin in die weite Welt, um die internationalen Kollegen zu beraten. Erfahrung spielt dabei eine große Rolle, weiß Sieber: „Durch die Arbeit in der Produktion habe ich viel Detailwissen, wie man eine Maschine einstellt. Ich bin damit aufgewachsen.“

ThomasSieber - Betriebsingenieur2

In Marklkofen hat er bei der Entwicklung und Optimierung so mancher Anlage mitgewirkt und daher zu einigen Maschinen gewissermaßen eine persönliche Beziehung. Beim Rundgang durch die Produktion bleibt er vor einer Dosieranlage stehen, stützt sich auf ein Schutzgitter und seufzt: „Die hat mich schon viele graue Haare gekostet.“ Es handelt sich um komplexe, kostspielige und vor allem maßgeschneiderte Systeme. „Das sind keine Waschmaschinen, so was gibt es nicht auf Standard“, stellt Sieber die Herausforderung überspitzt dar. Für verlässliche, funktionierende Maschinen ist die enge Abstimmung zwischen Schlosser, Elektriker, Programmierer und Ingenieuren erforderlich. Die Betriebsingenieure fungieren gewissermaßen als Projektleiter. „Es ist ein sehr kommunikativer Job, das macht es so spannend“, findet Sieber.

500 Mails sammeln sich schnell an, wenn Sieber mit seinen Kollegen in Asien über eine neue Polyurethan-Dosieranlage und eine Balgfertigungslinie diskutiert. Zu Beginn eines solchen Projekts prüfen die Planer, ob die Anschaffung überhaupt notwendig ist. In einem Lastenheft werden alle Fakten und Daten sowie Anforderungen an die Maschine zusammengetragen. Nach der Angebotserstellung durch die Lieferanten bewertet das Projektteam die Angebote gemeinsam. Nach Abschluss der Verhandlungen reist Sieber dann zur Vorabnahme zum Lieferanten. Bei der Aufstellung und Einrichtung der Maschine hat er schon das eine oder andere erlebt. „In Indien gab es vor Inbetriebnahme einmal eine Zeremonie mit einem Priester, der die Maschine geweiht hat. Dafür wurde sie mit Blumen und Früchten verziert.“

Einweihung Maschine in Asien

Die Einblicke in fremde Kulturen haben auch eine persönlichkeitsbildende Wirkung, beschreibt der Betriebsingenieur: „Wenn man in manchen Ländern die Favelas sieht, stuft man seine eigenen Probleme plötzlich ganz anders sein.“

Wenige Kilometer vom Werksgelände entfernt trainiert der fußballbegeisterte Betriebsingenieur die A-Jugend des SV Steinberg. „Das brauche ich als Ausgleich“, erzählt er. Der entscheidende Faktor am Standort Marklkofen sei „die Firmenverbundenheit und die langjährige Erfahrung“ der Mitarbeiter. Viele sind bereits seit Jahrzehnten Teil der MANN+HUMMEL-Familie. An seiner Arbeit als Betriebsingenieur liebt er das kreative Arbeiten und die Abwechslung: „Man sieht selten das gleiche nochmal.“