Ich bin seit 2006 Mitglied des ISO-Normenausschusses. Die neue ISO 16890 wurde Anfang 2017 eingeführt, und ich möchte diese Gelegenheit nutzen, einige Erläuterungen zu dieser Norm und ihrer Bedeutung für die Endverbraucher und das Gesundheitswesen zu geben.

Falls jemand mit dem Kürzel „ISO“ nicht vertraut sein sollte: „ISO“ steht für „International Organization for Standardization“ oder zu Deutsch „Internationale Organisation für Normung“. Diese Nichtregierungsorganisation erarbeitet und propagiert weltweit Standards und Normen für Industrie und Wirtschaft. Aus der Vorgabe weltweit gültiger Normen und Standards ergeben sich deutliche Erleichterungen im internationalen Handel, und gleichzeitig werden Produktsicherheit und Verbraucherschutz gestärkt.

ein Prüfstand für Filter

Wozu eine neue Norm?

Zu Beginn dieses Jahrtausends wurde eine neue Europäische Norm – die EN 779:2002 – eingeführt. Diese Norm fungierte jedoch einzig und allein als Bewertungssystem zur Unterscheidung der verschiedensten Filter und wies, meiner Meinung nach, keinen offensichtlichen Bezug zum Betriebsverhalten in der Realität auf.

In der Norm EN 779:2002 wurde das Betriebsverhalten von Filtern ausschließlich für Partikel der Größe 0,4 μm bewertet. Dies erschwerte Aussagen über Betriebsverhalten und Abscheidevermögen ein Luftfiltervon Filtern bezüglich des gesamten Spektrums von Partikeln in unserer Umgebungsluft. Infolgedessen wurden gelegentlich über- oder unterdimensionierte Filter verbaut, nur um diese Norm einzuhalten. So mancher Filter wurde daher nicht wirklich optimal auf seine eigentliche Aufgabe ausgelegt.

Im Laufe der Zeit sind unsere Kenntnisse über die Partikel in der Luft enorm gewachsen, und wir haben immer bessere Filtrationstechnologien entwickelt, die uns vor gesundheits- und umweltschädlichen Verschmutzungen schützen. Der Begriff „Raumluftqualität“ trat immer mehr in den Vordergrund, und auch die Bedeutung saubererer Luft sowohl in Gebäuden als auch im Freien trat immer deutlicher hervor. Es wurde klar, dass es einer neuen Norm bedarf, die sich als hilfreicher für die Verbesserung der Raumluftqualität erweisen müsste.

Was ändert sich mit der ISO 16890?

Nach der Norm ISO 16890 wird das Betriebsverhalten von Filtern bei Partikelgrößen von 0,3 μm bis zu 10 μm bewertet. Dieser Messbereich spiegelt das Größenspektrum der in der Luft vorhandenen Partikel besser wider. Außerdem überwinden Feinstaubpartikel (PM), die kleiner als 10 μm sind, unsere biologischen Abwehrmechanismen und können so in unseren Körper gelangen. Über die Atemwege lagern sie sich in der Lunge ab. Partikel mit einem Durchmesser kleiner als 1 μm können es sogar bis in die Blutbahn schaffen.

Die Filter werden geprüft und anhand der Prüfergebnisse in sogenannte „Effizienzklassen“ eingeteilt:

Prüfergebnisse in sogenannte „Effizienzklassen“ eingeteilt

Die Gruppen geben Aufschluss über den von einem Filterprodukt erreichten Abscheidegrad bei Partikeln mit Durchmessern kleiner als 10 μm; 2,5 μm und 1 μm (PM10, PM2,5, PM1).

Das „e“ in der Bezeichnung der Gruppe steht für „Effizienz“. Damit ein Filter in eine bestimmte Gruppe eingeordnet werden kann, muss er eine Effizienz, also einen Abscheidegrad, von mindestens 50 % der Partikel der entsprechenden Gruppe erreichen. Ergänzend wird für die Filter eine differenziertere Effizienzbewertung, gerundet auf die nächsten 5 %, ausgewiesen. Hier einige Beispiele:

  • Ø  ePM10 80% – Dieser Filter weist für PM10 einen Abscheidegrad von 80 % auf
  • Ø  ePM1 65% – Dieser Filter weist für PM1 einen Abscheidegrad von 65 % auf

Welche Vorteile bringt die ISO 16890?

Durch die Klassifizierung von Filtern in vier Gruppen bringt die ISO 16890 deutlich mehr Gewissheit und Klarheit in die Filtrationstechnologie. Unsere Kunden können nun die Raumluftqualität deutlich genauer vorausberechnen und sich dann für denjenigen Filter entscheiden, mit dem die, z. B. von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorgegebenen, Richtwerte bezüglich der Luftqualität optimal eingehalten werden können. Zudem können unsere Kunden genau den für ihre konkrete Anwendung am besten geeigneten Filter bestimmen und somit Kosten und Energie sparen – beispielsweise durch den Verzicht auf Energie verschlingende Hochdruckventilatoren.

Warteraum mit Luftfiltern

Bei der nächsten Auswahl eines Filters empfiehlt es sich also, die neuen Klassifizierungen nach ISO 16890 zu beachten. Anhand dieser Filtergruppen können Sie den Filter, der die für Ihr konkretes Projekt erforderliche Luftqualität sicherstellt, schnell und treffsicher bestimmen.