Seit inzwischen fast 15 Jahren gebe ich Werksführungen für unser MANN+HUMMEL Werk in Marklkofen. Liest man diese Zahl, könnte man vermuten, dass dies inzwischen Routine geworden ist und ich die Führungen im Schlaf durchführen könnte, jeden Tag derselbe Weg, jeden Tag derselbe Text. So ist es vielleicht im Museum – doch sicher nicht bei uns!

Verschiedene Besucher – verschiedene Führungen

Werksführungen zu geben ist vielmehr eine sehr spannende und abwechslungsreiche Tätigkeit.

Bei jeder Führung lerne ich Menschen von überall auf der Welt kennen, die zu uns kommen, um sich unser Werk anzusehen. Ich treffe auf Menschen verschiedenen Alters, verschiedener Nationalitäten und auch aus verschiedensten Bereichen: Vom Laien bis zum Spezialisten, vom Arbeiter bis zum Geschäftsführer, vom Schüler bis zum Professor habe ich schon alle herumgeführt.

Keine zwei Führungen sind gleich, sie können gar nicht immer gleich ablaufen. Denn die Mentalitäten, das Vorwissen, die Interessen und auch die Erwartungen an so eine Führung variieren von Besucher zu Besucher. Manche stellen viele Fragen, wollen immer mehr wissen und sehen. Andere interessieren sich für ganz spezielle Bereiche, die für die nächsten Besucher wiederum völlig nebensächlich sind. Einige Besucher wollen einfach überall mal reinschauen, andere ganz intensive und detaillierte Einblicke erhalten. Auch wenn ich unser Werk in- und auswendig kenne, ist das für mich jedes Mal aufs Neue eine spannende  Herausforderung. Denn jede Frage kann ich natürlich auch nicht beantworten. Zum Glück begegnen wir fast überall Produktionsmitarbeitern, die gerne mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Flexibilität und Spontanität statt Routine

Je nach Prioritäten laufe ich daher ganz unterschiedliche Routen. Diese ändern sich manchmal mehrmals während der Führung, weil sich viele interessante Aspekte für die Besucher oft erst im Verlauf der Führung ergeben.

Die Route variiert natürlich auch nach den Zeiten. Unser Gelände ist ja 200.000 Quadratmeter groß – das ist unmöglich innerhalb einer Führung zu schaffen. Manche haben nur eine Stunde Zeit, andere drei oder noch länger. Je nach Uhrzeit ist vielleicht gerade Schichtwechsel oder Pause. In diesem Fall ist der Bereich erst später dran. Spontanität darf also auf keinen Fall fehlen – man sollte immer einen Plan B in der Tasche haben. Auch der Gesamtüberblick darf nicht verloren gehen: Für die Werksführungen ist es nötig, die Abläufe zu kennen und immer über aktuelle Ereignisse informiert zu sein.

Dazu kommt, dass Führungen für unsere internationalen Besucher natürlich auf Englisch ablaufen. Für mich als deutsche Muttersprachlerin ist das natürlich eine zusätzliche Herausforderung, vor allem wenn meine Besucher nicht gut englisch sprechen. Aber auch hier bekomme ich oft spontane Hilfe: Einige Produktionsmitarbeiter sind Migranten – und gesellen sich gerne mal zur Führung dazu, wenn sie im Kreis der Teilnehmer ihre Muttersprache hören. Das ist immer wieder eine sehr schöne Überraschung für die Gäste und eine große Unterstützung für mich. Es ist toll zu sehen, wenn sich interessierte Führungsteilnehmer mit unseren Mitarbeitern austauschen.

 Sicherheit geht immer vor

Das Thema Arbeitssicherheit ist natürlich auch bei den Werksführungen ein wichtiges Thema – nicht zuletzt deshalb komme ich aus diesem Bereich.

Prinzipiell gilt in der Produktion die Pflicht, Sicherheitsschuhe zu tragen. Dieser komme ich selbstverständlich immer nach, auch wenn es mal nicht so aussieht. Inzwischen gibt es nämlich sogar „Sicherheits-Pumps“. 🙂

Sicherheitspumps

Was wir jedoch nicht leisten können, ist Sicherheitsschuhe in allen Größen für all unsere Besucher bereitzustellen. Daher musste hier eine andere Lösung her: Wir haben in der Produktion feste Besucherwege eingezeichnet, die nicht verlassen werden dürfen. Zudem tragen alle gelbe Sicherheitswesten.

 

Sie sehen: Werksführungen sind eine sehr abwechslungsreiche Tätigkeit, die viel Flexibilität und Kreativität erfordert. Auch – und gerade weil – Abläufe nicht immer planbar sind, ist es für mich jedes Mal aufs Neue eine Freude, Besucher im MANN+HUMMEL Werk Marklkofen zu begrüßen.

Vielleicht darf ich Sie ja bald zur Werksführung willkommen heißen?