Erinnern Sie sich noch an die frühen Autos mit Dieselmotoren? Man musste vor dem Starten eine kleine Ewigkeit vorglühen, sie waren laut, schmutzig und hatten die Spritzigkeit von abgestandenem Bier. Oder die ersten Automatikgetriebe? Sie kosteten Motorleistung, gönnten sich Schaltpausen von gefühlt mehreren Sekunden und konnten sich oft nicht so recht entscheiden, welcher Gang nun der richtige ist.

Heute ist das alles anders: Diesel haben sich zu sparsamen Leistungssportlern entwickelt und die Fähigkeiten moderner Automatikgetriebe machen es nicht gerade einfach, überhaupt noch Gründe für eine manuelle Schaltung zu finden. Möglich wurde dies und vieles andere durch technologische Neuentwicklungen. Manche sind offensichtlich, manche arbeiten eher im Verborgenen und sind dennoch nicht weniger revolutionär – wie zum Beispiel der vollintegrierte Ladeluftkühler von MANN+HUMMEL.

Was macht ein Ladeluftkühler? Moderne Motoren erreichen dank Turboaufladung höhere Leistungen bei geringerem Verbrauch. Hierfür komprimiert der Turbolader die Verbrennungsluft, bevor sie in die Brennkammer strömt. Dabei erwärmt sich die Luft allerdings auf bis zu 200 Grad Celsius, was die Verbrennung ineffizient machen würde und im schlimmsten Fall sogar Motorschäden zur Folge haben könnte. Die Lösung? Nach der Komprimierung muss die Luft wieder gekühlt werden. Bislang wurde dies meist durch eine direkte Ladeluftkühlung erreicht, die dafür den Fahrtwind nutzt. Nachteil: Bei geringen Geschwindigkeiten, im Stau oder bei besonders hohen Außentemperaturen reduziert sich die Wirksamkeit. Die Folge: Das gesamte Motormanagement muss so angepassst werden, dass es auch mit höheren Lufttemperaturen zurecht kommt. Das geht natürlich auf Kosten von Effizienz und Leistungsstärke.

Aus diesem Grund beschäftigen sich immer mehr Autohersteller und Zulieferer mit der indirekten Ladeluftkühlung. Hier übernimmt ein eigenes Kühlwassersystem die Kühlung, was wesentlich dazu beiträgt, dass die komprimierte Luft der Verbrennung mit einer gleichbleibenden Temperatur zur Verfügung steht. Das ermöglicht wiederum, Motoren exakt auf diese Parameter einzustellen, was wiederum mehr Effizienz, höhere Leistung und ein insgesamt harmonischeres Ansprechverhalten des Motors bedeutet. Dies wiederum senkt den CO2-Ausstoß je nach Fahrweise um bis zu drei Prozent.

Bereits vor fünf, sechs Jahren habe ich mit meinem Team über das Thema gesprochen und erste Überlegungen dazu angestellt. Wir wollten unbedingt mehr über die Möglichkeiten lernen und erstellten Konzepte, führten Voruntersuchungen durch und näherten uns technologischem Neuland. Unser Ziel: Wir wollten nichts kopieren, sondern etwas gänzlich Neues schaffen.

Und so ist MANN+HUMMEL bei seinem vollintegrierten Ladeluftkühler noch einen Schritt weitergegangen als alle bislang existierenden Angebote: Für den neuen Sechs-Zylinder-Motor eines süddeutschen Premiumherstellers haben wir das gesamte System aus Saugrohr und Ladeluftkühlung in einem einzigen Bauteil zusammengefasst. Im Gegensatz zu alternativen Einschraublösungen, in denen Ladeluftkühler und Saugrohr zwei verschiedene Bauteile sind, ist bei uns der Kühler komplett von den Saugrohrschalen umschlossen. Das gesamte System wird letztlich mittels Heißgasschweißen verschlossen und kann so direkt verbaut werden. Was sind die Vorteile? Unser vollintegrierter Ladeluftkühler verfügt über eine höhere Festigkeit und hat keine Dichtungen nach außen.

Ladeluftkühler von MANN+HUMMEL

Auch die „inneren Werte“ überzeugen: Besonders kleines Ladeluftvolumen, optimale Strömungsführung, geringer Druckverlust und eine Temperaturdifferenz von maximal zwei Kelvin über alle sechs Zylinder sorgen für bestes Ansprechverhalten des Motors und die Möglichkeit, ihn perfekt auf Leistung und Effizienz abzustimmen. Ich bin wirklich stolz auf unser Endprodukt, das wir zusammen mit unserem Kunden entwickeln durften. Noch stolzer macht mich aber die Entwicklungszeit und die Art und Weise, wie wir das Saugrohr zur Serienreife gebracht  haben.

Ich habe selten in einem so motivierten und engagierten Team gearbeitet. In der heißen Phase standen wir alle jeden Morgen um 7.30 Uhr bereit, manchmal noch ein bisschen müde vom Vorabend, aber dennoch voller Tatendrang und mit neuen Ideen. Denn natürlich hat manches nicht so funktioniert wie geplant oder Simulationensergebnisse am Rechner konnten sich in der Realität nicht behaupten. Wir bauten viele Muster und erprobten jede Änderung, bis unsere zugegebenermaßen hohen Ansprüche erfüllt waren. Dann tauchten Herausforderungen auf, wo wir sie eigentlich nicht vermutet hatten. Ein schönes Beispiel ist die Bypassabdichtung zwischen Kühler und den Saugrohrschalen. Bewährtes funktionierte nicht so wie gedacht und am Ende war es gar die einfache Montagefähigkeit, die uns beschäftigte. Die Lösung war schließlich eine Zwei-Komponenten-Dichtung.

Sie sehen also: Jedes neue Produkt hat seine ganz eigene Geschichte. Der vollintegrierte Ladeluftkühler ist mit Sicherheit eine meiner liebsten.