Mitte 2012, parallel zur Einführung von Routenzügen im Logistikbereich von MANN+HUMMEL in Sonneberg, bin ich vom Versand in den Transport gewechselt. Die neuen Aufgaben der Transportteams haben mich sofort fasziniert, so daß mir dieser Entschluß zu wechseln, leicht fiel. Gemäß unserem Fahrauftrag versorgen meine Kollegen und ich die Fertigungslinien in allen Fertigungshallen „just-in-time“ mit Komponenten,  Zwischenprodukten und Verpackungen. Auf dem Rückweg nehmen wir die fertige Ware mit ins Lager.  Wir haben also kaum Leerfahrten.

Ein Routenzug besteht aus einem Elektroschlepper und bis zu vier rahmenförmigen Zugelementen, die mit Trolleys bestückt werden. Wir bringen die Trolleys beladen mit Materialien zu den Fertigungslinien, klinken sie dort aus und nehmen die bereitstehenden Trolleys mit der fertigen Ware wieder mit zurück. Das Routenzug-Handling ist einfach und ergonomisch, auch deswegen, weil man weniger sitzt als auf dem Stapler.

Damit wir die Linien „just-in-time“ mit dem benötigten Material versorgen können, verwenden wir im gesamten Werk E-Kanban. Das ist ein SAP-gestütztes Materialbestellsystem, über das die Fertigungsmitarbeiter ihren Nachschub ordern. Im Lager werden die Aufträge ausgedruckt, kommissioniert und auf Trolleys beladen. Dann wissen die Mitarbeiter an den Linien, dass ihre Bestellung bereits an unterwegs ist, farblich sichtbar auf den Displays innerhalb der Montageanlagen.

MANN+HUMMEL Sonneberg

Wir stellen den Nachschub bedarfsgerecht in festen Intervallen bereit. Dadurch gibt es nicht nur weniger Stillstände, auch der Materialbestand in der Fertigung hat sich reduziert. Und im Gegensatz zu früher werden die fertigen Waren heute auch nicht mehr an den einzelnen Linien, sondern zentral im Lager verpackt. Dort wurde 2014 ein neues Verpackungssystem eingeführt, das sehr gut zu bedienen ist.

Insgesamt ist durch die Routenzüge vieles effizienter geworden: Pro Fahrt können wir beispielsweise doppelt so viel Material und Fertigwaren hin und her transportieren wie früher mit den Gabelstaplern. Dadurch hat sich die Zahl der Stapler reduziert, was sich wiederum positiv ausgewirkt hat auf Wartungshäufigkeit, den Stromverbrauch, die Zahl der Batterien bis hin zum Brandschutz, weil weniger Ladegeräte und Material herumstehen. Auch die Arbeitssicherheit hat sich verbessert, denn beim Routenzug hat man eine 360-Grad-Sicht. Es gibt keinen toten Winkel. Seit ihrer Einführung hatten wir keinen einzigen Gabelstaplerunfall.

MANN+HUMMEL hat das Routenzugprojekt in diesem Jahr beim Wettbewerb „25 Jahre Responsible Care – Unser bestes Projekt“ eingereicht. Ich hoffe, dass wir gewinnen. Denn mir selbst macht das Führen eines Routenzugs sehr viel Spaß.