Musik ist meine Leidenschaft. Das wissen alle, die mich kennen und natürlich auch meine neuen Kolleginnen und Kollegen bei MANN+HUMMEL. Seit Anfang März bin ich als Praktikant im Werk 2 tätig. Im Bereich Akustik arbeite ich an einer Erweiterung der Simulationsmöglichkeiten für Luftfilter und wirke an Kundenprojekten mit. Ebenfalls kann ich Messungen für Fragestellungen durchführen, die sich speziell auf mein Physikstudium beziehen. Das mache ich natürlich mit viel Begeisterung und auch einer großen Portion Enthusiasmus. Hier aber von Musik im eigentlichen Sinne zu sprechen, wäre etwas übertrieben. Und doch hat meine Liebe zur Musik viel mit meiner Ausbildung zum Akustik-Ingenieur zu tun.

Aufgewachsen bin ich in Asnières sur Vègre (Frankreich), einem kleinen Ort, der etwa 40 km südwestlich von Le Mans liegt. Bereits mit acht Jahren habe ich begonnen, an der Musikschule in Sablé sur Sarthe Schlagzeugunterricht zu nehmen. Dazu zählen in der klassischen Musik Pauken, Trommeln, Becken – und auch die Triangel. Mein Hauptinstrument ist das Marimbaphon, eine Verwandter des Xylophons. Seit meiner Jugend habe ich nicht nur als Solist, sondern auch in vielen Orchestern spielen können. Dabei hat mich stets fasziniert, wie viel besser der Klang in einem richtigen Konzertsaal als beispielsweise bei einer Schulaufführung in einer Turnhalle ist. Das hat in erster Linie nichts mit der Qualität der Musiker zu tun, sondern vor allem mit den unterschiedlichen akustischen Verhältnissen. Eine Turnhalle ist eben nicht für ein Konzert konzipiert, ein Konzertsaal sehr wohl.

Früh entwickelte ich deshalb ein Interesse an der Frage, wie man Geräusche, Töne und auch Vibrationen so kontrollieren kann, dass am Ende das menschliche Ohr den Klang erlebt, den man beabsichtigt. Nach meinem Abitur 2009 stand ich also vor der Frage, wie ich mich möglicherweise auch beruflich diesem Thema widmen könnte. Ein Physikstudium bot sich an. Also ging ich nach Le Mans an die dortige Fachhochschule und begann zu studieren. Das heißt aber nicht, dass ich meine musikalische Ausbildung beendet hätte. Mit Beginn meines Physikstudium habe ich die Musik- Aufnahmeprüfung in Le Mans bestanden und studierte in der Folgezeit also gleich doppelt. Es hat aber geklappt und im Juni 2011 durfte ich mich dann über zwei Diplome freuen: Eines an der Physik-Fachhochschule (DUT, Diplôme universitaire de technologie) und eines in Musik (DEM, Diplôme d’études musicales).

 

Im Folgejahr ging ich für ein Jahr nach Paderborn, um an der dortigen Universität zwei Auslandssemester zu verbringen. Natürlich nahm ich auch die Musik mit. So hatte ich Gelegenheit, sowohl im ansässigen Hochschulorchester als auch im Landesjugendorchester Nordrhein-Westfalen mitzuspielen. Im September 2012 ging es zurück nach Frankreich – ich trat in die École Nationale Supérieure d’Ingénieurs du Mans oder kurz ENSIM (frz. für Nationale höhere Ingenieurschule in Le Mans) ein, um mein Physikstudium fortzuführen. Die ENSIM war dafür perfekt, da sie sich u. a. auf die Arbeit mit Schwingungen, Akustik und Sensoren spezialisiert hat. Und nun also Ludwigsburg.

Im Rahmen des Praktikums nutze ich die Möglichkeiten, die mir MANN+HUMMEL als ein großes, internationales Unternehmens bietet. Insbesondere im Bereich der Akustik-Simulation habe ich bereits viel gelernt und mir ganz neue Methoden und Hintergründe mit meinem Betreuer Matthias Alex erarbeitet. So kann ich beispielsweise Ergebnisse aus Messungen physikalisch besser verstehen und diese Erkenntnisse gleich praktisch in die Programmierung einer neuen Simulationssoftware einfließen lassen. Mit ihrer Fertigstellung wird es dann möglich sein, den Einfluss von Bauteilen am akustischen Verhalten des eigentlichen Bauteils besser vorhersagen zu können. Dabei wird natürlich kein Luftfilter je wie Beethoven, Brahms oder Tschaikowsky klingen, aber das muss er auch nicht. Er muss aber eine Akustik besitzen, die den Kunden überzeugt. Und das ist nicht weniger anspruchsvoll als eine komplizierte Sonate.

Brahms, Tschaikowsky und Beethoven bin ich in Ludwigsburg dennoch begegnet. Unter der Leitung von Prof. Siegfried Bauer durfte ich bereits im April im Sinfonieorchester Ludwigsburg die Pauke spielen – in Werken von Brahms, Tschaikowsky und Beethoven.