Neben der Filtration bietet auch die Kunststofftechnik von MANN+HUMMEL ein enormes Potenzial, um moderne Motoren noch effizienter zu machen. Die Anfänge der Technical Plastic Parts der Ludwigsburger reichen in die 70er Jahre zurück.

Wie unser Tankwart Egon kann ich mich noch gut an die riesige Blechdose erinnern, die in meinem ersten Auto als Luftfilter eingebaut war. Sie saß oben auf dem Motor, man konnte sie aufschrauben, den Luftfilter rausnehmen, am Straßenrand ausklopfen und wieder einsetzen. 1968 präsentierte MANN+HUMMEL den weltweit ersten Kunststoffluftfilter und ging in den 1970er und 1980er Jahren dazu über, das Blechgehäuse des Luftfilters durch Kunststoff zu ersetzen. 1984 folgte der Ölfilter aus Kunststoff. Das waren die ersten Teile, die wir bei MANN+HUMMEL aus Kunststoff herstellten.

Weltweit erster Kunststoffluftfilter (1968)

Weltweit erster Kunststoffluftfilter (1968)

Gewicht, Kosten, Freiheit

Bei der Umstellung von Metall auf Kunststoff zählten vor allem drei Aspekte: Das Thema Gewicht, das Thema Kosten und, ganz wichtig, das Thema Flexibilität der Gestaltung. In Kunststoff kann man ein Produkt in fast jeder, noch so komplexen Form herstellen. Wir walzen und stanzen den Werkstoff nicht wie bei Stahlblech, sondern gießen den Kunststoff in eine Form und dabei ist es dem Material schnuppe, ob es in eine komplexe oder einfache Form fließt. Wenn wir heute in den vollgepackten Motorraum eines Autos reinschauen, sehen wir das Luftfiltergehäuse als eine völlig zerklüftete Box, die im Millimeterabstand zu anderen Teilen hineingezirkelt ist. So etwas wäre mit Metall kaum machbar.

Seit Ende der 1980er Jahre stellen wir auch die Roh- und Reinluftleitung für den Luftfilter aus Kunststoff her. Sie leiten die Ansaugluft zum Filter und gefiltert zum Motor ab. Daraus entwickelten sich komplette Ansaugsysteme. Noch einen Schritt weiter ging es mit dem Saugrohr, dem letzten Stück, das die Luft auf die Zylinder im Motor verteilt.

Luftansaugsystem für BMW und PSA

Luftansaugsystem für BMW und PSA

 

Luftfiltersystem Ford

Luftfiltersystem Ford

 

Wenn ich mir vorstelle, ein Sauerstoffmolekül zu sein, sehe ich nur noch MANN+HUMMEL Teile, bis ich am Motor ankomme. Das war echte Pionierarbeit. Wir waren 1989 weltweit die Ersten, die ein Saugrohr aus Kunststoff produzierten und 2003 auch die Ersten, die ein Ölfiltermodul in einem Vollkunststoffgehäuse darstellten.

Weltweit erstes Ölmodul mit Vollkunststoffgehäuse (2003)

Weltweit erstes Ölmodul mit Vollkunststoffgehäuse (2003)

 

Mit der Komplexität unserer Produkte stiegen aber auch die Ansprüche an Materialien und Fertigungsprozesse. Die Kunststoffe müssen resistent sein gegen Öl, Kraftstoffe oder Alkohole, selbst Kühlwasser kann sehr aggressiv wirken. Ein Saugrohr zum Beispiel muss mechanisch robust sein, um den angebauten Teilen Halt zu bieten, etwa einem Schwergewicht wie der Drosselklappe. Daher verarbeiten wir heute sehr hochwertige Kunststoffe wie Polyamide, PPA und PPS, die selbst bei Temperaturen über 200 Grad funktionsfähig bleiben.

Hohe Anforderungen

Wir wissen aus unserem Alltag, dass Kunststoffteile altern und bröselig werden, wenn man ein billiges Teil kauft. Das darf bei unseren Produkten nicht passieren. Sie müssen über lange Zeiträume in der widrigen Umgebung eines Motors einwandfrei funktionieren. Wenn es in der prallen Sonne 100 Grad heiß oder im Winter bis zu minus 40 Grad kalt wird und mitten im eiskalten Motor eine Verbrennung abläuft – all das muss der Kunststoff packen. Wir reden also nicht von einem Plastiklineal auf dem Schreibtisch, sondern von technischen Kunststoffen, die extrem hohe Anforderungen erfüllen.

Ein anderes Beispiel ist die Luftführung nach dem Turbolader. In fast allen neuen Autos steckt heute ein Turbo-Motor. Der Turbolader presst die Luft zusammen, deshalb müssen die Rohre hinter dem Turbo sehr hohe Temperaturen und hohe Drücke abkönnen. Hinzu kommt eine komplexe Führung im eng zugepackten Motorraum. Das klingt vielleicht trivial, ist es aber nicht.

Ladeluftleitung für BMW

Ladeluftleitung für BMW

 

Seit Mitte 2014 produzieren wir auch ein Kunststoff-Schaltventil, das den Kühlwasserkreislauf regelt. Hier muss der Kunststoff gegen das Glykol im Kühlwasser resistent sein und zugleich absolut stabil bleiben. Nur dann schaltet das Ventil auf Dauer mit der nötigen Präzision. Andere Hersteller verwenden dafür Aluminium, wir sind in der Lage, die Vorteile von Kunststoff zu nutzen.