Mit Englisch kommt man in Changchun nicht wirklich weiter. Das wurde mir gleich zu Beginn meines Auslandspraktikums klar. Da die Menschen dort allerdings derart gastfreundlich sind, ist das nicht wirklich ein Problem.

Ich absolviere bei MANN+HUMMEL seit September 2013 meine Ausbildung zum Wirtschaftsingenieur im Rahmen eines dualen Studiums. Teil davon ist auch ein Auslandspraktikum. Schon früh wurde mir klar, dass ich dafür nach China, genauer gesagt an unseren Standort in Changchun gehen würde. Ende Mai diesen Jahres flog ich dann (von meinen Betreuern perfekt organisiert) für knapp zehn Wochen in die Sieben-Millionen-Metropole. Meine Aufgaben: das dortige Projektmanagement und den Vertrieb soweit mir möglich zu unterstützen und unsere einheitlichen Standards sicher zu stellen. Dafür habe ich mit den Kollegen vor Ort Trainings durchgeführt und an der Einführung von neuen Analyse- und Reportingtools gearbeitet. Die Vielzahl der sehr interessanten und durchaus fordernden Aufgabenstellungen hat mir sehr gut gefallen – besonders, da ich mich bei Fragen oder Problemen stets auf die Hilfe meiner Entsendungsabteilung verlassen konnte. Das Praktikum war für meine Ausbildung ein echtes Highlight. Nachhaltig beeindruckt hat mich allerdings noch etwas ganz anderes: die unglaubliche Gastfreundschaft der chinesischen Bevölkerung.

Meine chinesischen Kollegen fühlten sich verantwortlich für das Wohlbefinden des „deutschen Besucher“ und scheuten keine Mühen, mir möglichst viel von China und der chinesischen Kultur zu zeigen. Sie luden mich zum Essen ein, gingen mit mir gemeinsam zum Einkaufen auf die Märkte oder zeigten mir Sehenswürdigkeiten und Geheimtipps der Region. Diese Hilfe war meist auch dringend notwendig, denn außerhalb unseres Werkes spricht kaum jemand Englisch. Ohne „Übersetzer“ ist man dann schnell hilflos. Das musste ich auch gleich zu Beginn meines Aufenthaltes erfahren, als ich allein mit dem Taxi auf dem Weg zu einem Kollege war. Der Taxifahrer hatte etwas missverstanden und fuhr in eine mir gänzlich unbekannte Gegend. Mit Händen und Füßen haben wir dann nach mehr als der doppelten Zeit und viel Aufregung doch noch das Ziel gefunden.

Ich beschloss ob dieser Erfahrung, dass ich unbedingt einige Worte Chinesisch lernen müsse. Angefangen habe ich mit dem „1 x 1 des Taxi-Lenkens“ – und war erstaunt, wie schwierig es ist, die Worte und ihre Aussprache zu behalten. Den Chinesen muss es mit Englisch ähnlich gehen. Deshalb kann ich meinen perfekt Englisch sprechenden Kollegen im Werk nur jeden Respekt zollen. Überhaupt lernte ich viel von ihnen über die Kultur, das fantastische, chinesische Essen (Hund ist hier nebenbei eine überaus seltene Ausnahme) und ihre Art zu leben. Sie sind zu Recht stolz auf ihr Land und ihre Kultur und freuen sich, dies ihren Gästen auch zu zeigen.

Ein langes Ferienwochenende verbrachte ich beispielsweise in Dalian, einer Hafenstadt südlich von Changchun. Ich wollte es selbst organisieren, aber die Kollegin einer Kollegin fuhr auch hin und sie übernahm kurzerhand die gesamte Organisation. Wir kannten uns vorher nicht, aber sie buchte für mich alle Unterkünfte und die An- und Abreise. Zum Glück, denn in China hat man weniger Urlaub und umso voller sind die Urlaubsorte an den Feiertagen. Ich selbst hätte wohl weder Zimmer noch Zugverbindung gefunden.

Eines Abends saß ich dann zusammen mit einigen Chinesen meines Alters auf der Terrasse des Hostels. Einer sprach Englisch und übersetzte deshalb. Chinesen sind sehr an fremden Kulturen interessiert und so redeten wir über uns, unsere Länder, über berufliches, aber auch privates. Wir bauten Klischees und Vorurteile ab und hatten an diesem Abend nicht nur viel Spaß, sondern lernten auch viel Neues.

Sicher, China ist laut, die Städte platzen fast vor Menschen und die Luftverschmutzung in Großstädten ist ein echtes Problem. Doch die Menschen dort haben mich derart begeistert, dass ich bestimmt wiederkommen werde. Vielleicht sogar, um meine Bachelor-Arbeit zu verfassen.