Als wir von der Idee erfahren haben, anlässlich des 75-jährigen Bestehens von MANN+HUMMEL einen für unseren Standort repräsentativen Gegenstand zu spenden, mussten wir erst einmal ein wenig in uns gehen. Bei unserem Brainstorming-Meeting stellten wir uns die Frage, was typisch für Marklkofen ist. Schnell wurde uns klar: Marklkofen liegt mitten in Bayern, und was ist markanter für diese Region als bayerische Trachtenkleidung? Also entschlossen wir uns kurzerhand, zwei Porzellanpuppen landestypisch zu kleiden und der Zeitkapsel für die Ausstellung im neuen MANN+HUMMEL-Technologiezentrum zur Verfügung zu stellen. Ein „Entweder-oder“ kam für uns übrigens nicht infrage. Lederhose und Dirndl gehören einfach zusammen.

Wussten Sie eigentlich, wie es zum Brauch der Trachtenkleidung überhaupt gekommen ist? Die Geschichte der Lederhosen und Dirndlkleider reicht weit zurück – noch viel weiter, als es unseren Zweigstandort seit 1962 in Marklkofen gibt. Wo genau der Ursprung der Lederhose oder des Dirndls liegt, kann heute nicht mehr genau gesagt werden. Fakt ist, dass sie jeder kennt und stets mit Bayern in Verbindung bringt. Und nicht nur das: Sowohl die Lederhose als auch das Dirndlkleid, die es in unzähligen Farben und Varianten gibt, lösen in den letzten Jahren wahre Begeisterungsstürme aus. Und das nicht nur bei Landsleuten.

Die Kirche war gegen die Lederhose

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts jedenfalls gab es die ersten Lederhosen, so viel steht fest. Allerdings war die Kirche von dieser Kleidung alles andere als angetan – im Gegenteil: Sie lehnte sie strikt ab. Begründung: Für den Kirchgang wird in Lederhosen viel zu viel Bein gezeigt. Es war König Maximilian II., der die Lederhose in Bayern salonfähig machte, indem er sie selbst gern zur Jagd trug. Heute gibt es die Lederhosen in verschiedenen Längen mit ganz unterschiedlichen Accessoires wie Haferlschuhen, speziellen Socken, Trachtenhemd, Gamsbarthut und Hosenträgern.

Dirndl können den Familienstand der Frau verraten

Etwas anders ist die Geschichte des Dirndls. Abgeleitet vom Wort „Dirn“, im 19. Jahrhundert ein gängiger Begriff für „Magd“, trug diese das einfache Kleid mit Schürze zur täglichen Arbeit. Die Schürze konnte gewechselt werden, ohne dass praktischerweise gleich das komplette Kleid ausgetauscht werden musste. Später war es in den oberen Schichten schick, sich sogenannte Dirndlkleider für den Sommer zuzulegen.

Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Dirndl auch in den Mittel- und Unterschichten gern getragen. In der Regel haben sie bis heute eine weiße Bluse, einen meist eckigen Ausschnitt, ein sehr eng anliegendes Mieder und einen Rock mit darüber getragener Schürze. Oft wird dazu noch das passende Schuhwerk und eine aufwendig geflochtene Frisur mit Blumen im Haar oder ein spezieller Hut getragen. Eine Besonderheit stellt die Schürze dar. Diese wird mit langen Bändern meist vorn gebunden. Ist die Schleife vorne links, bedeutet dies, dass die Trägerin noch ledig ist. Wird die Schleife dagegen rechts gebunden, deutet das auf eine schon verheiratete Frau hin.

Marklkofen

Tradition ist ein Muss in Bayern

Auch das Dirndlkleid ist, ähnlich wie die Lederhose, derzeit beliebt wie nie. Die Gratwanderung zwischen echter, bodenständiger Tracht und Kitsch verschwimmt leider jedoch dadurch immer mehr. Die vielen Trachtenvereine in Bayern und im Voralpenland versuchen, mit den ursprünglichen und traditionsgebundenen Kleidungsstücken diesem Trend entgegenzuwirken. Natürlich sind Lederhose und Dirndl an unserem Standort in Marklkofen keineswegs Dienstkleidung.

Wer uns am Tag der offenen Tür, bei einem Familientag oder einem sonstigem Festakt einen Besuch im Werk abstatten will, kann den ein oder anderen dann aber doch in den traditionellen Trachtenkleidern bewundern. Ein bisschen Tradition gehört eben einfach dazu. Umso mehr freuen wir uns, dass wir dem Technologiezentrum von MANN+HUMMEL in Ludwigsburg ein Mädchen im Dirndl und einen Burschen in Lederhose stiften konnten. Bei diesen beiden Puppen wissen vermutlich die meisten Besucher – ob aus Südamerika oder China – sofort, aus welcher Region das schicke Paar nur stammen kann. Oder wetten Sie dagegen?