„Learning by doing“-  dieser Spruch geht mir immer dann durch den Kopf, wenn ich über die frühen Staubversuche mit einem unserer Großkunden nachdenke, den ich zu meiner aktiven Zeit technisch betreute. Wie alle Fahrzeughersteller hatte er den Anspruch: Unsere Fahrzeuge müssen in allen Ländern einsetzbar sein. Das war natürlich ein hoher Anspruch, zumal in den 1960er Jahren. Ein Aspekt lag damals auf der Reinigung der Ansaugluft in besonders staubintensiven Gegenden unserer Erde.

Bereits in den Jahren um 1965 wollte mein Kunde die Wartungsintervalle der damals verwendeten Ölbadluftfilter in seinen Kleinbussen und Pritschenwagen verlängern. Und in den 1970er-Jahren, nachdem die Ölbadluftfilter durch Papierluftfilter ersetzt wurden, war das Thema erneut aktuell. Der Grund war einfach: Mit dem Umstieg auf den Papiereinsatz wurde der Wirkungsgrad, also der Staubabscheidegrad, zwar deutlich besser. Da ein Papierfilter jedoch weniger Kapazitäten als ein Ölbadluftfilter bot, wurde gleichzeitig die absolute Staubaufnahme verringert. Speziell für staubreiche Länder wie Afrika oder Südamerika mussten deshalb Lösungen her, um dieses Missverhältnis zu beseitigen.

Mit oder ohne Zyklon, der Staubanfall im Luftfilter war fast der gleiche.

Als Entwicklungspartner waren auch wir bei MANN+HUMMEL gefordert und führten im Labor zahlreiche Versuche mit freiaustragenden, das bedeutet wartungsfreien Vorabscheidern durch. Je nach Konfigurationen zeichnete sich schnell eine zwei bis zweieinhalbfache Verlängerung der Filterstandzeit ab. Es folgten ab dem Jahr 1974 diverse Versuche in Südalgerien, welche die Wirkungsweise dieser Zyklonabscheider überprüfen sollten. Das Ergebnis nach zwei Tagen war jedoch wider Erwarten ernüchternd: Mit oder ohne Zyklon, der Staubanfall im Luftfilter war fast der gleiche. Wie konnte das bloß sein?

Mit oder ohne Zyklon, der Staubanfall im Luftfilter war fast der gleiche

Wir prüften, überlegten und stellten schließlich folgendes fest: Da in den Modellen Heckmotoren zum Einsatz kamen, die vor allem den Staub angesaugt hätten, der von den Vorderrädern aufgewirbelt wurde, wurde die Eintrittsöffnung der Luftansaugung an die Front des Fahrzeugs verlegt. Lange Leitungen am Unterboden brachten sie anschließend zum Motor. Diese langen Luftleitungen waren es, die eine hohe Reduzierung der Luftpulsation und somit des Luftdrucks ergaben. Das hatten wir in den Labortests so nicht berücksichtigt. Kleine Ursache, große Wirkung: Durch den Druckverlust konnten die Zyklone an ihrem Auslass Fremdluft ziehen, was ihre Funktionsweise maßgeblich beeinträchtigte: Die automatische Entleerung des  Staubs über den Staubaustragsschlitz funktionierte nicht.

Mit oder ohne Zyklon, der Staubanfall im Luftfilter war fast der gleiche

Wir entschieden uns deshalb, Staubtöpfe an die Auslässe der Zyklone anzubauen, die das System schließen und so die Druckverhältnisse verbessern sollten. Wir bastelten die Prototypen gleich vor Ort aus ein paar Getränkebüchsen, bauten sie an und was soll ich sagen: Es sah sofort bessert aus. Am Ende des Testprogramms erreichten wir sogar das anvisierte Ergebnis und auch unser Kunde war zufrieden. Einen Nachteil unserer Lösung konnten wir aber nicht beseitigen: Ohne Wartung, also die Leerung des Staubtopfes, ging es nicht. Denn war der Staubtopf erst mal gefüllt, war die Abscheidefunktion erneut gleich null.

Mit oder ohne Zyklon, der Staubanfall im Luftfilter war fast der gleiche

In den kommenden Jahren wurden dann viele weitere Varianten für unseren Großkunden entwickelt und in staubreichen Ländern eingesetzt. Vor Bekanntgabe möglicher Optimierungen vergewisserten wir uns aber immer mit Tests vor Ort, ob unsere Ideen auch funktionierten. Denn nicht jeder Laborversuch lässt sich auch in die Praxis sinnvoll umsetzen und „Learning by doing“ hat auch in Zeiten modernster Laboreinrichtungen eine wichtige Bedeutung.