Im November 2015 hat der 1. Tanzclub Ludwigsburg in der ausverkauften MHP-Arena zum elften Mal den Weltmeistertitel der Standardformationen gewonnen. Mit ihrer neuen Choreographie „Kontraste“ konnten die acht Paare – darunter Thomas Schmid von MANN+HUMMEL mit seiner Partnerin – die Jury überzeugen. Rund 4000 Zuschauer bejubelten den Heimsieg der Ludwigsburger.

Die Goldmedaille hängt bei mir im Wohnzimmer neben vielen anderen Pokalen und Medaillen. Ich erinnere mich gern an unseren WM-Sieg Ende November 2014: Auf dem Turnier herrschte eine Wahnsinnsatmosphäre. Wir haben ein sehr spezielles und tolles Publikum in Ludwigsburg. Die MHP-Arena war ausverkauft und glich einem Hexenkessel. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, vor heimischem Publikum zu tanzen. Ein bisschen hatte sich unser Sieg schon abgezeichnet: Wir standen auf Platz zwei in der Bundesliga, hatten Mitte November die Deutsche Meisterschaft gegen unseren langjährigen Rivalen aus Braunschweig gewonnen und zuletzt sehr hart trainiert. Dennoch war der Druck während des Turniers hoch.

Es waren insgesamt 15 Formationen am Start. Neben den beiden deutschen Mannschaften aus Ludwigsburg und Braunschweig tanzten Teams aus Belarus, der Tschechischen Republik, Ungarn, der Mongolei, den Niederlanden, Rumänien und Russland. Die Osteuropäer sind bei den Standardtänzen traditionell sehr stark vertreten.

Fünf Tänze, ein Programm

Die A-Standardformation besteht aus acht Paaren, die in klassischer Tanzhaltung ein sechsminütiges Programm, bestehend aus Langsamer Walzer, Tango, Wiener Walzer, Slow Fox und Quickstep, zeigen. Die Choreographie beinhaltet verschiedene Bilder, zum Beispiel zwei 4er-Längsreihen, zwei Quadrate oder ein Kreis, die durch entsprechende Anordnung der Paare entstehen.

Wir haben 2015 die neue Choreographie „Kontraste“ einstudiert, die sportlich und dynamisch eine Brücke zwischen Tanzsport und Tanzkunst schlägt . Die Musik stammt von verschiedenen Komponisten der Neuzeit, unter anderen von Andrea Bocelli sowie Piero Mazzochetti und wurde von Benjamin Köthe in den Ludwigsburger Bauer Studios arrangiert. Einige Teilstücke wurden extra dazu komponiert.

Bei der Weltmeisterschaft im Formationstanz vergeben die Wertungsrichter in vier Wertungsgebieten zwischen 0 und 10 Punkte. Die Wertungsgebiete sind tänzerische Qualität, die Bewegung zur Musik, Teamfähigkeit sowie Choreographie und Präsentation. Wir haben 9,74 Punkte erzielt und wurden damit Weltmeister.

Acht Paare, 16 Individuen, ein Team

Damit eine Formation Erfolg hat, ist es wichtig, dass alle Tänzerinnen und Tänzer das gleiche Verständnis für den jeweiligen Tanz, die Choreographie und die Bilder entwickeln. Wir müssen uns auf der Tanzfläche blind verstehen. Für den Einzelnen bedeutet das auch, sich unterordnen, einfügen und an Vereinbarungen halten zu können. Wenn einem mal eine Passage der Choreographie nicht gefällt, hat man nicht die Wahl. Andererseits ist es genauso wichtig, dass jedes Paar an sich arbeitet und technisch besser wird.

Zum Formationstanz gehört also sehr viel Disziplin. Man ist Teil des Teams und nicht zu ersetzen! Jedes Paar hat seine feste Position und festgelegte Laufwege. Wir tanzen zwar zur gleichen Musik, doch jedes Paar macht ein bisschen was anderes. Diese Einstellung ist auch in der Arbeitswelt hilfreich. Man lernt Teamfähigkeit, Pünktlichkeit und den Respekt vor den Teamentscheidungen. Nur so funktioniert das große Ganze – beim Tanzen wie im Job.