Es ist relativ selten, dass mich nach mehr als 15 Jahren im Innovationsmanagement noch etwas überrascht. Aber das Engagement von MANN+HUMMEL in diesem Bereich hat mich sehr überrascht. In allen Bereichen hat das Unternehmen weit aus der Masse hervorgestochen und kann sich in einer Reihe mit Procter & Gamble, Philips und anderen namhaften Unternehmen sehen lassen. Es ist die große Entdeckung im Open Innovation Award 2015, den unser Dr. Manfred Bischoff Institut für Innovationsmanagement der Airbus Group in Friedrichshafen jedes Jahr vergibt.

Ich muss zugeben, MANN+HUMMEL ist in diesem Jahressample nur auf einer Außenseiterposition gestartet. Ich dachte, es ist wieder einmal ein Automotive-Unternehmen, das etwas besonders gut kann oder seine Lieferanten sehr gut auswählt, also einen Teil von Open Innovation gut beherrscht und alle anderen ignoriert. Uns hat MANN+HUMMEL aber dermaßen überrascht, dass wir an dem mit der Endauswahl verbundenen Workshop den Mund nicht mehr zubekommen haben. Ich glaube, wir sind gar nicht mehr groß zu Fragen gekommen, weil wir von den vielseitigen und exzellenten Aktivitäten überrascht waren, die uns das Unternehmen vorgestellt hat. So konnten wir gar nicht anders, als MANN+HUMMEL einstimmig zum Preisträger zu wählen.

Mit unserer Open Innovation Studie suchen wir jedes Jahr über Deutschland, Österreich und die Schweiz die besten Unternehmen, die kollaborative Innovationen vorantreiben. Für uns bedeutet Open Innovation alles, was mit der Integration von Kunden in die Ideengenerierung, der Zusammenarbeit mit Lieferanten und Universitäten im Entwicklungsprozess oder der gemeinsamen Kommerzialisierung mit Partnern in anderen Regionen oder Märkten zusammenhängt. Uns hat diesem Jahr ganz besonders interessiert, wie die Unternehmen sich bezogen auf Ökosysteme, auf Kommunikation, aber auch bezogen auf radikale Innovation oder ganz besondere Innovationsaktivitäten aufstellen. In diesem Rahmen haben wir um die 200 Unternehmen untersucht.

MANN+HUMMEL war in der Kategorie „Best Cultural Change“ erfolgreich, eine Kategorie, die wir eigens ins Leben gerufen haben, weil wir nicht dachten, dass ein Unternehmen, das eher in mittleren Produktionslebenszyklen unterwegs ist, den kulturellen Wandel so schnell hinbekommt. Die größte Herausforderung in Maschinenbau und Automotive ist eigentlich, dass die Unternehmen in den Köpfen ihrer Mitarbeiterschaft erst einmal die neue Erkenntnis wecken müssen, dass sie Innovation zukünftig ganz anders betreiben müssen, obwohl sie mit ihrem bisherigen Konzept immer noch erfolgreich sind.

Es ist für die Mitarbeiter in solchen Unternehmen schwierig zu verstehen, dass die Ideen oder Mitarbeiter von außen keine Konkurrenz für den eigenen Arbeitsplatz darstellen. Wir sehen aber, dass das eigene Wissen und die eigene Expertise dadurch noch viel wertvoller wird, wenn ich Wissen von außen habe, Lieferanten gezielt einbinde und mit Kunden zusammenarbeite. Oder dass ich einmal etwas ganz anderes wage, zum Beispiel ein Start-up-Unternehmen zu gründen, das Technologien und Ideen schneller kommerzialisieren kann als die Kernfirma. Das in den Köpfen der Mitarbeitern zu verankern und das gleichzeitig so positiv, dass ein gewisses Momentum, ein gewisser Drive in die Gesamtfirma überschwappt, das war bei MANN+HUMMEL absolut faszinierend zu sehen.

Gerade bei Ingenieurfirmen ist der kulturelle Wandel die größte Hürde. Sie haben eine große Mitarbeiterschaft und die denkt meist immer noch Old Fashion. Es ist faszinierend zu sehen, wie MANN+HUMMEL aus einer gesicherten Wirtschaftslage heraus sagt: „Das können wir noch besser, und wir machen das jetzt besser.“ Das ist sehr schwer, und deswegen hat das Konsortium so viel Respekt vor den Aktivitäten von MANN+HUMMEL.

Wie geht es weiter? Für die Unternehmen spielt es zukünftig keine so große Rolle, wie viel Eigenressourcen, also Mitarbeiter und Produktionsstätten sie haben, sondern es wird immer wichtiger, wie gut sie zu anderen vernetzt sind, um ganz flexibel neue Angebote für den Kunden auf Basis verändernder Bedürfnisse zu produzieren. Ich glaube, wenn die Akteure bei MANN+HUMMEL den Aufbau ihres strategischen Netzwerkes und auch eines Ökosystems  weiter voranführen, dann sind sie quasi unschlagbar in ihrer Industrie. Es gibt niemanden, der schon so weit ist wie sie.