Wir haben auf dem Blog ja schon so einiges über das Jugendbegleiterprogramm berichtet, das jedes Jahr bei MANN+HUMMEL, in Kooperation mit der Gottlieb-Daimler-Realschule Ludwigsburg, stattfindet. Doch wer steckt eigentlich hinter der Initiative?

Acht motivierte Mitarbeiter im Ruhestand, aus den unterschiedlichsten Bereichen wie Recht, IT und Produktion, investieren ihre Freizeit, um das Programm auf die Beine zu stellen und den Schülern viele abwechslungsreiche Lerninhalte zu vermitteln. Und das obwohl sie ihren Lebensabend eigentlich auch „Cocktail schlürfend an der italienischen Riviera“ verbringen könnten.

Hans Kaiser, Ägidius Kleinhans und Horst Escher sind schon lange dabei und haben sich freundlicherweise zu einem Interview mit mir bereit erklärt:

 

Wie sind Sie damals zu MANN+HUMMEL gekommen?

Kaiser: Nach meinem Studium bin ich bei MANN+HUMMEL in der Arbeitsvorbereitung gestartet und habe verschiedene Stationen durchlaufen, unter anderem bis zum Werkleiter in Bad Harzburg. Im Rahmen meiner wechselnden Aufgaben war  ich oft im Ausland tätig.

Escher: Also ich habe fünf Betriebe vorher durchlaufen. Gelernt habe ich Automechaniker und habe im Anschluss Maschinenbau studiert. Dann bin ich noch bei einem Unternehmen in Cannstatt gelandet und war da der Disponent, das hieß damals „Terminjäger“ und war nicht gut angesehen. Für mich war der Beruf aber prima, da habe ich Menschen kennengelernt und da habe ich Führungsstil gelernt. Bei MANN+HUMMEL war ich dann im Versuch tätig und für die Freigabe der Aftermarktfilter zuständig. Dadurch hatte ich auch die Möglichkeit Schulungen an einigen Standorten im Ausland durchzuführen. So bin ich ganz schön viel herumgekommen, zum Beispiel nach Spanien, Argentinien, Brasilien und sogar nach Südafrika.

 Kleinhans: Ja und ich bin eigentlich von Beruf Industriekaufmann. Früher war IT nämlich noch kein Ausbildungsberuf. Vor meiner Tätigkeit bei MANN+HUMMEL kam ich schon während meiner Lehrzeit mit der elektronischen Datenverarbeitung, wie es damals hieß, in Berührung und kam nicht mehr davon los. Am Ende meines Wehrdienstes 1972 habe ich eine Stellenanzeige von MANN+HUMMEL gesehen. MANN+HUMMEL bot eine 3-jährige Ausbildung zum Programmierer an und so bin ich in dieses ganze IT-Geschehen reingekommen. Wir haben noch mit Lochkarten gearbeitet, aber auch schon mit Magnetbändern und Magnetplattenspeichern. Und so habe ich die ganze Entwicklung mitgemacht. Das war sehr spannend.

Kaiser: Vor meinem Eintritt bei MANN+HUMMEL war ich auch bei der Bundeswehr und hätte dort auch weiterkommen können. Ich war auf einem guten Weg, aber der Nachteil war halt beim Bund erstens das Leben und zweitens die Begleiterscheinungen. Und meine Frau hat gesagt: „Wenn du bei der Bundeswehr bleibst, müssen wir uns trennen. Sowas mache ich nicht mit, das kann ich nicht gebrauchen.“ Dann habe ich lieber die Bundeswehr verlassen.

Jugendbegleiterprogramm

 

Was hat Sie nach Ihrer Pensionierung dazu veranlasst sich noch weiterhin für das Unternehmen zu engagieren?

Kaiser: Bei der Verabschiedung wurde ich zur Seite genommen und da wurde mir gesagt: „Ich gehe davon aus, dass Sie auch hier mitmachen und ich trage Sie mal in die Liste ein.“  Ich habe es nicht bereut. Wir sind eine nette Truppe und es ist eine Abwechslung von zu Hause. Man hat wieder eine Aufgabe und hängt nicht zu Hause rum!

Kleinhans: Das ist ja auch für die Firma ein bisschen ein Aushängeschild, wenn MANN+HUMMEL etwas wie das Jugendbegleiterprogramm macht. Das ist ja auch in der Öffentlichkeit bekannt. Und das unterstützen wir natürlich gerne.

Escher: Bei mir war das so, dass ich immer viel mit Jugendlichen zu tun hatte, durch das Handball. Und meine Frau hat das mit dem Jugendbegleiterprogramm in der Zeitung gelesen und dann hat sie gesagt: „Da gehst du hin! Da kannst du dein Gehirn schulen!“ Und ich muss sagen ich muss mich schon anstrengen manchmal, um mitzumachen. Aber immer, wenn ich hier raus gehe mittwochs fühle ich mich wohl. Warum? Das ist ein De-Stress für mich.

Prozessoptimierungsplanspiel

 

Gab es auch schon Situationen, in denen Sie gerne wieder abgesprungen wären?

Kaiser: Ne also ich bin so aufgewachsen: Wenn ich was angefangen habe, dann ziehe ich das auch durch. Wir haben im Beruf schlimmere Situationen gehabt und mussten diese auch durchziehen und konnten nicht einfach alles hinwerfen. Das können Sie mir gerne glauben!

Kleinhans: Man muss bedenken, dass die Jugendlichen in einer schwierigen Phase ihres Lebens sind. Es sind Schüler/-innen der neunten Klassen im Alter von 14 oder 15 Jahren, also mitten in der Pubertät. Und dann kommt noch dazu, dass sie sich entscheiden müssen, was sie nach der Realschule beruflich machen, denn wenn das Jugendbegleiterprogramm im März zu Ende ist, müssen sie sich um eine Lehrstelle bemühen oder sie gehen auf eine weiterführende Schule. Oft haben sie aber keinen Plan, wie es weitergehen soll und damit sind sie, meiner Meinung nach, manchmal etwas überfordert. Aber das ist genau der Punkt, wo wir den Jugendlichen helfen und sie unterstützen möchten. Es ist manchmal schwierig, aber abspringen oder aufgeben kommt für mich nicht in Frage.

 

Welche Themen machen den Schülern am meisten Spaß?

Kaiser: Frontalunterricht mögen sie gar nicht. Das muss schon spannend sein, dass sie da auch bei der Sache bleiben. Aber sobald es ans Schaffen geht… Einwandfrei!

 

Und was gefällt Ihnen am meisten an der Arbeit mit den Jugendlichen?

Kaiser: Junge Leute, da bleibt man selber jung.

Kleinhans: Genau! Mehr braucht man gar nicht sagen. Das ist so.

Escher: Man wird auch mit der Zeit immer gesprächiger und kriegt auch mal eine Privatsache aus dem Leben der Schüler mit.

Kleinhans: Die sind das ja nicht gewohnt von der Schule. Da müssen sie Leistung bringen, sie werden benotet. Das ist ja bei uns nicht so. Wir haben wirklich ein offenes Verhältnis.

Vielen Dank für das Interview!

 

So viel Engagement finde ich persönlich sehr beeindruckend. Deswegen will ich auch die anderen Betreuer nicht unerwähnt lassen, die viel Arbeit in das Jugendbegleiterprogramm stecken. Das Team besteht derzeit zusätzlich zu Hans Kaiser, Horst Escher und Ägidius Kleinhans aus Günther Lohfink, Jürgen Gabriel, Dieter Kappenstein, Wolf-Hendrik Unger und Sigfrid Steiner.