Ich bin Auszubildender Elektroniker im 3. Lehrjahr bei MANN+HUMMEL in Ludwigsburg. Im September 2016 hatte ich die Möglichkeit für einen Monat nach England zu fliegen und dort Erfahrungen im Rahmen eines Auslandspraktikums zu sammeln. Von meiner Kollegin Ana, die im Vorjahr ein Auslandspraktikum in Birmingham absolviert hat, wusste ich schon frühzeitig von dem Angebot des BBQ, der regelmäßig Azubis ins Ausland entsendet. Unterstützt wird das ganze Projekt mit Fördergeldern aus dem Erasmus+ Programm der Europäischen Union.

Da ich selbst gerne reise und bereits ein Jahr im Ausland verbracht habe, musste ich nicht lange überlegen, sondern machte mich gleich daran meine Bewerbung zu schreiben. Die Chance, während meiner Ausbildung, in einem anderen Land zu leben, die Kultur näher kennenzulernen und quasi nebenher mein Englisch zu verbessern, wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen! Und tatsächlich hatte ich das Glück, und durfte, zusammen mit 14 weiteren Teilnehmern, die Reise antreten.

Los ging es am Sonntagmorgen, mit dem ICE von Stuttgart nach Frankfurt, von dort startete dann unser Flug nach London Heathrow. Nach der Landung wurden wir von einem Fahrer der englischen Organisation TTPL abgeholt und ins etwa 300 Kilometer entfernte Torquay gefahren. Am Parkplatz wartete bereits meine Gastmutter, typisch britisch, mit einem gelben Mini. Zusammen fuhren wir in den Nachbarort Paignton, wo ich für die nächsten 4 Wochen mein Zuhause hatte. In meiner Gastfamilie lebten noch weitere Studenten aus Deutschland, Spanien und der Schweiz, mit denen ich mich auf Anhieb super verstand.

Am nächsten Morgen fuhr ich mit dem Bus nach Torquay, dies war für mich besonders einfach, da die Bushaltestelle direkt vor meiner Haustür lag. Torquay ist eine sehr schöne Stadt, mit einer langen Hafenpromenade auf der ein Riesenrad steht, einer Einkaufsstraße mit kleinen Läden und Restaurants sowie vielen Pubs und Bars. In den Räumen von TTPL hatten wir in der ersten Woche Englisch Unterricht bei Julia und Frank in den Kursen „Cross Cultural Communication skills“ und „Conversational English“. Während Julia uns in englischer Grammatik und der Aussprache wichtiger Vokabeln schulte, war es Frank, der uns auf die erste Begegnung mit den Chefs unserer Praktikumsfirmen vorbereitete.Auslandspraktikum

Meine Praktikumsfirma war „beco energy solutions“ und hatte ihren Sitz im wenige Kilometer entfernten Totnes. Um nach Totnes zu kommen nahm ich jeden Morgen den GoldBus, der eine schmale Landstraße entlang fuhr, vorbei an grünen Wiesen auf denen Schafe weideten und Feldern mit der für Devon typischen roten Erde.

Da sich Beco den erneuerbaren Energien verschrieben hat, passte die kleine Firma geradezu perfekt in das alternativ, grüne Totnes mit seinem Hauch von Hippie. Die Firma selbst war für deutsche Verhältnisse relativ klein und sowohl die Büros, als auch Lager und Werkstatt waren in einer großen Garage, in einem Industriepark, untergebracht. Für mich und meinen Kollegen Jan war Tony zuständig. Er organisierte die Handwerkerteams, kümmerte sich um Kunden, kochte Tee fürs ganze Büro oder packte zur Not selbst mit an, weshalb wir ihn bald liebevoll TeamplayerTony nannten.

Die Arbeit bei Beco war wirklich sehr interessant. Ich habe einiges über die, durch Sonne und Wind, netzunabhängige Energieversorgung gelernt. Neben dem Zusägen von Rails auf die die Solarpanels montiert werden oder dem Bekleben und Einpacken spezieller Hochsee-Batterien, war ich auch mit der Planung neuer Solaranlagen beschäftigt. So durfte ich beispielsweise einen Tag Mathew begleiten, und ihm bei der Vermessung mehrere Dächer helfen, um später die Gesamtleistung einer Solaranlage berechnen zu können.

Auslandspraktikum   Ausbildung bei MANN+HUMMEL

In der letzten Woche durften wir dann auch endlich mit raus, um eine komplette Anlage auf einem Dach zu installieren. Dafür mussten wir die Ziegel entfernen, um darunter die Hacken für die Rails zu befestigen, auf die wiederum die einzelnen Panels geschraubt wurden. Während der Montage mussten die einzelnen Module auch noch miteinander verkabelt werden, um am Ende alles am Inverter, unter dem Dach, anschließen zu können.

Auslandsaufenthalt  Ausbildung MANN+HUMMEL

Während wir die Zeit unter der Woche in den Praktikumsbetrieben verbracht haben, so stand uns das Wochenende zur freien Verfügung. Dies war wirklich klasse, denn so hatten wir die Möglichkeit einen Motorradtrip durch Cornwall, an der Küste entlang zu machen, was wirklich wunderschön war, oder Freunde zu besuchen.

Ausbildung bei MANN+HUMMEL

Natürlich wollten wir es uns auch nicht entgehen lassen nach London zu fahren, und so verbrachten wir die letzten beiden Nächte, vor unserer Heimreise, in einem Londoner Hostel.

Auslandsaufenthalt   Ausbildung MANN+HUMMEL

Nun bin ich wieder zurück in Ludwigsburg und leider zieht einen der Alltag schneller wieder in seinen Bann als einem lieb ist.

Zurückblickend kann ich aber jedem nur empfehlen die Chance zu ergreifen und sich ebenfalls für einen solchen Auslandsaufenthalt zu bewerben. Es lohnt sich, das Land, die Menschen und die Sprache näher kennenzulernen und man kommt mit jeder Menge toller Erfahrungen und Erlebnisse im Gepäck zurück!