Von Mitte April bis Ende Juni 2018 habe ich mein Auslandssemester bei MANN+HUMMEL BA in Tešanj verbracht… – Moment mal, Sie kennen Tešanj nicht? Das müssen wir ändern, denn die Kleinstadt im Norden von Bosnien und Herzegowina ist einen Besuch wert. Sie ist vor allem durch seine Festung bekannt, deren Darstellung übrigens vor zwei Jahren Eingang in die Jubiläumsausstellung von MANN+HUMMEL fand.

Aber lassen Sie mich der Reihe nach erzählen: Ich heiße Jasmin Slupina, bin 22 Jahre alt und studiere Wirtschaftsingenieurwesen an der DHBW in Mannheim. Das ist ein duales Studium, in dem sich Praxis- und Theoriephasen abwechseln. Seit 2015 arbeite ich in den Praxisphasen bei MANN+HUMMEL in Speyer. Derzeit bin ich im 6. Praxissemester. Im Rahmen dieses Studiums ist es üblich, dass man eine Zeit im Ausland verbringt. Über die Einkaufsabteilung, in der ich zu Beginn des Semesters war, hatte ich die Möglichkeit, sechs Wochen in Tešanj zu verbringen. Ich habe gleich spontan zugesagt.

Filterproduktion in Bosnien

Auch wenn es ungewöhnlich erscheint: Bosnien hat sich für mich von Anfang an gut angehört, denn ich bin schon mehrfach mit diesem Land, besser gesagt mit seinen Menschen, in Berührung gekommen. Seit 2012 bin ich als Gruppenleiterin bei der Malteser Jugend aktiv. Diese pflegt eine mehrjährige Auslandspartnerschaft mit Bosnien. Wir hatten also einige Male bosnische Jugendliche auf unseren Zeltlagern zu Besuch – von daher ist mir die Mentalität der Menschen dort bekannt.

Tesanj Stadt in Bosnien

Wie erwähnt ist Tešanj der Ort, in dem das MANN+HUMMEL Werk liegt. Genauer gesagt im dortigen Industriegebiet. MANN+HUMMEL hat hier seit 2005 ein Produktionswerk, in dem vor allem Filter für den Automotive-Bereich hergestellt werden; teilweise werden aber auch Industriefilteranwendungen produziert. Insgesamt arbeiten in Tešanj etwa 650 Mitarbeiter.

Bei der Aufgabe, die ich für den Einkauf vor Ort übernommen habe, war ich auf die Unterstützung von Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen Abteilungen angewiesen. Die Zusammenarbeit hat trotz der sprachlichen Barriere gut funktioniert. Alle waren motiviert, mich bei der Erfüllung meiner Aufgabe zu unterstützen. Die deutsche Sprache ist in Bosnien ohnehin sehr verbreitet. Ich konnte mich mit etlichen Kollegen auf deutsch unterhalten. Lustigerweise enthält die bosnische Sprache viele deutsche Ausdrücke wie zum Beispiel „rückwärts“ oder „Schminke“.

Land und Leute kennenlernen

Obwohl ich schon viel mit Menschen aus Bosnien zu tun hatte, war ich selbst das erste Mal im Land. Was mich am meisten überrascht hat, ist die prachtvolle Natur in Bosnien. Wälder wechseln sich mit kargen Bergrücken ab. Es gibt unglaublich viele Flüsse und Wasserfälle. All‘ dies wird unterbrochen von malerischen Städtchen und Dörfern. Da es kaum Autobahnen in Bosnien gibt, fuhren wir bei unseren Ausflügen und natürlich bei der Anreise überwiegend auf Landstraßen – und sahen entsprechend mehr von der Landschaft.

Mostar und der Fluss Neretva

Das Bild von Mostar zeigt den Fluss Neretva und die Landschaft Bosniens

Neben meiner Projektarbeit habe ich viel vom Land gesehen. Mit zwei Kolleginnen habe ich die freie Zeit am Wochenende genutzt und einige tolle Orte in der näheren und weiteren Umgebung besichtigt. Neben der berühmten Brücke in Mostar und der Quelle der Flusses Buna, durfte ein Besuch in der Hauptstadt Sarajevo natürlich nicht fehlen.

Mit Locals unterwegs zu sein, hat mir zahlreiche Einblicke ermöglicht, die mir als klassischer „Touri“ entgangen wären. Generell habe ich die Menschen in Bosnien als sehr gastfreundlich wahrgenommen. So wurde ich zum Beispiel gleich zu Beginn des Auslandsaufenthalts zum Barbecue am 1. Mai eingeladen, ein Feiertag, der in Bosnien sehr zelebriert wird. Natürlich wurden in den sechs Wochen auch einige Unterschiede in der Mentalität deutlich: Bosnier überlegen zum Beispiel nicht lange, sondern „machen“ lieber, während wir Deutsche gerne alle Details gründlich durchplanen  ;-).

Buna-Quelle

Das Foto zeigt mich und meine Kolleginnen in Blagaj, einem Ort in der Nähe von Mostar, mit der Buna-Quelle als eine der schönsten und größten Quellen Europas im Hintergrund.

In Bosnien wird gerne Kaffee getrunken. Der traditionelle bosnische Kaffee wird oft in einem handgemachten, kupfernen Kaffeeset serviert. Generell hat die bosnische Küche einiges an kulinarischen Schmankerln, vor allem Deftige, zu bieten. Eine der Lieblingsgerichte sind Ćevapi (hier bekannt als Cevapcici), die in einem Brot (Lepina) mit Zwiebeln und Ketchup serviert werden. Übrigens, die besten Ćevapi gibt es in der Hauptstadt Sarajevo 🙂

Zu guter Letzt möchte ich mich ganz herzlich bei meinen Kolleginnen und Kollegen in Tešanj bedanken. Ohne Eure Unterstützung und Freundschaft wäre mein Auslandssemester nicht so schön geworden!