Das erste eigene Auto… für mich die absolute Traumvorstellung, das Nonplusultra, die Krönung! Schon im Babyalter, da bin ich mir sicher, floss nicht einfach nur Blut durch meine Adern. Es war viel mehr ein Blut-Benzin Gemisch, dass mich schon damals auf die Erfüllung dieses Traums warten ließ! Ich hatte also sehr lange Zeit, mir auszumalen, wie es sein würde, wenn an meinem 18. Geburtstag endlich mein erstes eigenes Auto vor der Tür stehen würde. Das Gefühl, als es dann endlich soweit war, war unbeschreiblich!

Übung macht den Meister

Da ich es kaum erwarten konnte, hatte ich bereits sehr früh damit begonnen, meinen Führerschein zu machen. Damals, 1966, war ich in der Abiturklasse und freute mich vier Tage vor meinem 18. Geburtstag über die bestandene Fahrprüfung. Um das mal ins Verhältnis zu setzen: Diese Prüfung erforderte damals drei Fahrstunden und ein Entgelt von 143 Deutsche Mark. Klingt wie ein Scherz, aber ich kann Ihnen versichern es stimmt. Damals war eben noch alles anders!

Natürlich wurde mir der Führerschein erst an meinem Geburtstag ausgehändigt, das waren mitunter die längsten vier Tage meines Lebens! Kaum hielt ich das wertvolle Dokument dann in den Händen, brauste ich los. Zum ersten Mal war ich legal im Straßenverkehr unterwegs. Ein tolles Gefühl! Zum ersten Mal legal, fragen Sie sich? Ich hatte vorab bereits geübt. Nicht nur einmal oder zweimal, eigentlich hatte ich mich seit meinem 12. Lebensjahr regelmäßig auf diesen Moment vorbereitet und es hat sich schließlich ausgezahlt.

Ein starker Prinz

Die Anforderungen an mein erstes Auto waren relativ schnell aufgezählt: es sollte fahren und am besten kostengünstig sein, da ich zu dieser Zeit ja noch zur Schule ging. Damit war die Auswahl schnell getroffen. Für mich als Heilbronner kam als erster eigener, fahrbarer Untersatz nur ein NSU Prinz in Frage und zwar ein Prinz 20 mit wackeren 600cm³ und 20PS, Baujahr 1958. Dieses Geschoss, zu seiner Zeit war er das tatsächlich, konnte ich mir für 450 Deutsche Mark kaufen, die ich mir in den Sommerferien dazu verdient hatte. Da ich zu diesem Zeitpunkt ja gerade frische 18 Jahre alt und damit noch nicht geschäftsfähig war, musste meine Mutter den Kaufvertrag für mich unterschreiben. Quasi die letzte Hürde, die mich von meinem Auto trennte und auch die war schnell überwunden. Danach ging es ans Eingemachte! Das Prinz’le wurde durch Demontage der Stoßstangen und das Aufstellen des Heckdeckels (zur besseren Kühlung des Motors) optimiert, na gut sagen wir es wie es ist: Das Auto wurde getuned.

Ich war damals der erste in meiner Klasse, der ein eigenes Auto fuhr und natürlich war ich sehr stolz darauf. 20 Pferdestärken und optisch ansprechend – damit konnte man schon Eindruck schinden!

NSU Prinz

Ein jähes Ende

Leider war mir die Freude an dem Prinz nur relativ kurz gegönnt. Bereits nach einem dreiviertel Jahr hatte ich auf dem Weg zur Bundeswehr bei Kassel einen kapitalen Motorschaden, der mich doch sehr nachhaltig von meinem Auto enttäuschte. Da er in Folge dieses Ereignisses auch nicht mehr fahrbereit war, stieg ich daraufhin auf den damals obligatorischen Käfer um. Bedauerlicherweise erwies sich dieses Modell als ähnlich unzuverlässig. Aber ich habe nicht aufgegeben und zur damaligen Zeit bekam man bei einem Motorschaden vom Autoverwerter einen gebrauchten VW-Motor bereits für 100-200 Deutsche Mark, der konnte dann in 30 Minuten ganz leicht gewechselt werden. Es kostete mich damals sehr viel Mühe und Zeit, aber heute ist es eine ganz lustige Geschichte und immerhin habe ich mit meinen Autos eine Menge erlebt.

Ja, die Zeiten waren damals nicht ganz so bequem wie heute, aber es hat riesigen Spaß gemacht und man war erfinderisch was die Meisterung von technischen Problemen aller Art betraf.

Eine tolle Geschichte, die schon ein Stück zurückliegt und ein weiterer toller Beitrag zur Blogparade  der ERGO Direkt. Tagtäglich sind wir hier, bei MANN+HUMMEL, im Automotive Sektor aktiv, aber mit solchen Erinnerungen haben wir uns bisher noch nicht befasst! Umso schöner, dass wir anlässlich dieser Aktion einmal wieder ins Schwelgen kommen!