Endlich erwachsen, endlich unabhängig – die Gedanken an das erste eigene Auto wecken einige Erinnerungen und die Versicherung ERGO Direkt ruft in ihrer Blogparade  dazu auf, diese zu teilen. Ein tolles Thema, zu dem auch mir die eine oder andere Anekdote einfällt.

Meinen Führerschein – die „graue Pappe“ – habe ich 1982 gemacht und wie bei vielen anderen Menschen sind auch meine Erinnerungen an den Beginn meiner individuellen Mobilität mit meinem ersten Auto verknüpft. Das war ein wunderschöner weißer Renault 4. Ein R4 oder für die Frankophilen unter uns ein „Quatre L“. Der Wagen kam aus erster Hand. Seit seiner Erstzulassung im April 1969 befand er sich in der geübten Hand einer Französin, die damit rund 13 Jahre zuverlässig und unfallfrei unterwegs war und den Wagen liebevoll „Lulu“ genannt hatte. „Es“ war natürlich eine „Sie“ und zwar eine Dame mit einigen schrulligen Gewohnheiten.

Führerschein Harald Kettenbach

Die 6 Volt-Anlage wollte weder bei Kälte noch bei Nässe den Wagen elektrisch starten. Wie oft habe ich die Karre angeschoben oder – unter großem Erstaunen der Umstehenden – angekurbelt! Ja, das war bei dem Modell noch möglich und natürlich ein echter Hingucker. Es brauchte zwar viel Kraft, aber die hatten wir in der Jugend. Was wir nicht hatten, war Geld – weshalb ich auch die Umrüstung auf 12 Volt bis zum allzu frühen Ableben meiner geliebten Lulu hinausgeschoben hatte. Wenn die 26 Pferdchen aus dem 741 Kubik Motor so richtig anzogen, war bei abschüssiger Straße durchaus daran zu denken, auf der Autobahn mit 110 Sachen auch mal einen Lastwagen zu überholen. Drehmoment hatte man damals noch nicht erfunden, jedenfalls konnte man es bei meinem Auto nirgendwo messen. 🙂

Renault 4

Der größte Feind dieser unvergleichlich praktischen Blechkiste war der Rost. Die Mechanik war einfach und haltbar, ebenso die Motoren: 300.000 km war kein Problem, eher die Regel. Und wenn nichts mehr ging, gab es ab 50,- Deutsche Mark einen kompletten Austauschmotor vom Schrotthändler des Vertrauens – zu dem Preis natürlich nur zum Selbstausbau.

(K)eine Spur von Luxus

Übrigens hat vor drei Jahren auch Papst Franziskus einen bekommen. Einen Renault 4, Baujahr 1984, 300.000 Kilometer auf der Uhr. Wie die Online-Ausgabe der italienischen Wochenzeitung „Famiglia Cristiana“ meldete, wurde der Oldie dem Kirchenoberhaupt von einem Dorfpfarrer geschenkt. Dieser hatte dem Papst per Brief den R4 angeboten, der seit einiger Zeit ungenutzt in seiner Garage stand. Papst Franziskus geht mit gutem Beispiel voran, verzichtet auf Luxus und fordert auch seine Kirchenleute auf, keine Luxusautos zu fahren. Nun, da macht man sich mit dem R4 nicht wirklich verdächtig.

weißer Renault 4

Vom päpstlichen Wohlwollen hatte meine Lulu damals noch keine Ahnung: eines Tages schwebte mir (unverschuldet) ein viel zu schneller Luxuswagen einer deutschen Premiummarke entgegen und hauchte Lulu das Leben aus. Da half leider auch kein Austauschmotor für 50,- Mark, sie war nicht mehr zu retten.

Ich bin heute noch froh, dass ich meiner geliebten Blechkiste nur leicht verletzt entstieg. Vielleicht war das ein angemessenes Ende für unsere stürmische Beziehung?