„Ich wollte einfach so weitermachen wie davor“, sagt Hans-Peter Benzinger, freigestellter Betriebsrat und Vertrauensmann für Kollegen mit Schwerbehinderung, bei MANN+HUMMEL. Nach einem Autounfall im Juli 1986, verlor der heute 53-jährige seinen linken Arm und das Schlüsselbein, doch das hielt ihn nicht davon ab sein Leben so gut wie möglich fortzuführen. Sein größter Traum war es selbstständig zu werden und eine eigene Bäckerei in Finnland zu eröffnen. Für dieses Ziel arbeitete Herr Benzinger hart, doch eine Herausforderung stellte ihn vor eine schwerwiegende Entscheidung: die Meisterprüfung! Da er nun eine Prothese trug, durfte er aus hygienischen Gründen nicht mehr in der Backstube arbeiten – die Meisterprüfung konnte also nicht absolviert werden und der Traum von der eigenen Bäckerei war geplatzt. Ab diesem Tag war für ihn eines klar: Er wollte nie wieder diese Prothese tragen! Denn sie brachte ihm trotzdem nicht die Gleichberechtigung, die er sich davon erhofft hat.

Man muss stark bleiben

„Ich wollte mich trotzdem nicht unterkriegen lassen und habe Eigeninitiative ergriffen“, da er zwei Jahre auf einen Umschulungsplatz warten musste, bewarb er sich eigenständig bei diversen Firmen, unter anderem auch bei MANN+HUMMEL. Am 09.11.1987 fing er als Pförtner an zu arbeiten. „Das Tolle an dieser neuen Arbeit war die Anerkennung, die ich bekommen habe. Man hat mich alles selbst erledigen lassen. Dieses Gefühl ist das schönste, das man einem Menschen mit Behinderung geben kann.“, meint er.

Hans-Peter Benzinger

Auch im sportlichen Bereich wollte Herr Benzinger weiter seinem Lieblingssport treu bleiben – dem Billard. Seitdem er 13 Jahre alt war faszinierte ihn diese Sportart. Sein Unfall war für ihn kein Grund seine sportliche Karriere an den Nagel zu hängen und so versuchte er einen geraden Stoß einarmig zu meistern. Dies klappte nach einigen Wochen einwandfrei. Heute ist er mehrfacher Landesmeister in verschiedenen Bundesländern und Deutscher Vize-Meister, bei den gehandicapten. Bei den „gesunden“ Sportler hat er es bis zu den ersten 5 Nachrückern zur Deutschen Meisterschaften gebracht.

Trotz Einschränkung voll im Leben

Zahlreiche Jahre war Herr Benzinger im Vorstand diverser Billardvereine tätig. Am 01.01.2009 gründete er den BC Ludwigsburg, wo die erste Mannschaft heute in der 2. Bundesliga spielt. Seit zwei Jahren fungiert er sogar im Billardverband Baden-Württemberg als Vize-Präsident Breitensport und Behinderten-Sportbeauftragter. Ihm liegen das Wohl und die Anerkennung von körperlich behinderten Menschen sehr am Herzen. Aus diesem Grund finden jedes Jahr Landesmeisterschaften für gehandicapte Menschen statt, bei denen Sportler aus ganz Deutschland zusammen kommen, um gegeneinander aber auch miteinander zu spielen. Die letzten Meisterschaften wurden im Februar 2016 in Ludwigsburg ausgetragen und MANN+HUMMEL hat bei dieser Veranstaltung als Sponsor mitgewirkt.

„Durch solche Events entwickeln sich natürlich auch Freundschaften“, stellt Herr Benzinger fest, „So sind wir auch auf die Idee gekommen, zu sechst eine Mannschaft zu gründen, die nur aus gehandicapten Sportler besteht und die gegen gesunde Mannschaften antritt“.

Billiard Gruppe

Am 18.9.2016 fiel der Startschuss für das europaweit einmalige Experiment und die bisherige Bilanz ist überwältigend: Bis zum heutigen Tag wurde nur ein einziges Spiel der Liga verloren– 5 Siege und ein Unentschieden. Dieses Ergebnis bringt den gehandicapten Teilnehmern Anerkennung und Respekt und sorgt für große Augen bei den anderen Mitspielern. Genau das ist es, was Herr Benzinger damit erreichen will. „Ich möchte allen körperlich behinderten mit auf den Weg geben, dass sie trotz ihres Handicaps den gleichen Stellenwert in der Gesellschaft haben wie alle anderen. Sie sind immer noch in der Lage mit gesunden Menschen mitzuhalten und dürfen niemals den Glauben an sich verlieren“, betont Benzinger.

Eine gemeinsame Zukunft

Sein persönliches Ziel für die Zukunft ist es auch international spielen zu dürfen. „ Bis heute dürfen das nur Rollstuhlfahrer. Das ist genaugenommen eine Diskriminierung unter körperlich Behinderten“, betont Benzinger, „das muss dringend geändert werden!“. Ein weiteres Ziel von ihm ist es einen Billardtisch in der Öffentlichkeit aufstellen zu lassen, an dem Gesunde und Gehandicapte miteinander Billard spielen können. „Ich möchte damit beide Parteien näher zusammen bringen und den körperlich eingeschränkten Menschen zeigen, dass sie sich nicht verstecken müssen“, meint Benzinger mit einem hoffnungsvollen Lächeln.