Anfangs stand für mich eigentlich der Geschäftsgedanke: Ich sah die Möglichkeit, unser Geschäft im Abwasserbereich zu erweitern. Multiresistente Keime, die sich im Abwasser befinden, wollten wir mit Hilfe der Membrantechnologie abtrennen. Mittlerweile ist das Thema multiresistente Keime für mich aber viel mehr als nur Arbeit.

Als ich vor einigen Jahren selbst ein paar Tage im Krankenhaus verbringen musste ist mir aufgefallen, dass Teilbereiche wegen Keim- und Infektionsgefahr geschlossen waren. Da wurde mir das persönliche Risiko für mich und meine Familie erst so recht bewusst. In dem Moment war mir klar, dass auch die Öffentlichkeit dieses Thema kennen muss. Seit 2015 leite ich den Arbeitskreis Mikroschadstoffe in der Deutschen Gesellschaft für Membrantechnik (DGMT). In dieser Position informiere ich regelmäßig auf Fachveranstaltungen und Konferenzen über multiresistente Keime, die Gefahren, die von ihnen ausgehen, und was man dagegen unternehmen kann.

Multiresistente Keime im Abwasser

Denn die Dinge, die man nicht sehen kann, sind oftmals am gefährlichsten. In der Luft sind es Schadgase und Feinstaub. Im Wasser sind es Mikroschadstoffe, multiresistente Keime und Mikroplastik. Sie sind mit bloßem Auge nicht sichtbar, können aber eine große Bedrohung für die Umwelt und die Gesundheit des Menschen sein.

Der Abwasserkreislauf ist ein entscheidender Faktor bei der Verbreitung multiresistenter Keime, denn über das Abwasser, das letztlich in Kläranlagen aufbereitet wird, gelangen Sie in die Umwelt. In Kläranlagen finden multiresistente Keime eine ideale Umgebung zur Entstehung und zur Vermehrung und die herkömmliche Verfahren zur Abwasseraufbereitung können deren Verbreitung nicht verhindern.

Mikroplastik im Meer

Aktuell setzen Kläranlagenbetreiber zur Abtrennung von Mikroschadstoffen meist Verfahren aus einer Kombination aus Aktivkohle mit nachgelagertem Sandfilter ein. Die Aktivkohle und der Sandfilter reduzieren Spurenstoffe wie Arzneimittelrückstände und Mikroplastik. Für multiresistente Keime sind sie jedoch keine Barriere. Zudem kann der Sandfilter die Aktivkohle nicht vollständig abtrennen, wodurch sie teilweise in die Umwelt gelangen und diese belasten kann.

Pilotversuch in Nordrhein-Westfalen

Seit einiger Zeit testet MICRODYN-NADIR daher in einem Pilotversuch in der kommunalen Kläranlage in Hünxe (Nordrhein-Westfalen) ein neues Verfahren aus einer Kombination von Aktivkohle und getauchter Membranfiltration. Mit positiven Ergebnissen: Durch die Kombination von Aktivkohle mit der Membranstufe können Spurenstoffe, Mikroplastik und Aktivkohle aus dem gereinigten Abwasser zurückgehalten werden. Durch die Verwendung von Ultrafiltrationsmembranen, die eine Porengröße eines Tausendstels eines Haardurchmessers besitzen, können die Forscher zudem Keime abtrennen.

Die Kombination ist eine sehr effiziente und kostengünstige Alternative zu den herkömmlichen Verfahren und zeichnet sich durch seine deutlich besseren Abtrennleistungen sowie der zusätzlichen Abtrennung von multiresistente Keime aus. Die Erprobungsphase zeigt bereits jetzt, dass unser Verfahren die hohen Anforderungen an Abwasseraufbereitung erfüllt und insbesondere in der Abtrennung von multiresistenten Keimen neue Maßstäbe setzt. Dadurch können wir einen wertvollen Beitrag zum Schutz von Mensch und Umwelt leisten.