Tankwart Egon würde stauen, wenn er sehen könnte, was aus den Stopf- und Schlauchfiltern der Wirtschaftswunderjahre geworden ist. Dr. Harald Banzhaf, Produktchampion für Öl- und Kraftstofffiltration, und Marcel Hofmeister sprechen im 2. Teil ihres Blogs über den aktuellen Stand bei Öl- und Kraftstofffiltern.

Hofmeister: Wo stehen wir heute bei den Öl- und Kraftstofffiltern?

Banzhaf: Heute machen beide Produktsegmente zusammen über ein Drittel des Umsatzes von MANN+HUMMEL aus. Wir produzieren mittlerweile im Jahr eine beeindruckende Anzahl von 350 Millionen Ölwechselfiltern weltweit, für den VW Polo genauso wie für die Trucks von Volvo. Wir haben viele Neuprojekte für die Erstausrüstung in der Pipeline und gehen ständig mit neuen Produkten in Serie.

Harald Banzhaf

Hofmeister: Wie sehen diese Produkte aus?

Banzhaf: Die Ölfilter und Kraftstofffilter haben sich zu sehr komplexen Systemen entwickelt. Hinter diesen Systemlösungen steht die Idee, platz- und kostensparend weitere Funktionen zu integrieren, in Ölmodule zum Beispiel Ölkühler, Thermomanagement und Ventillösungen. In unseren modernen Kraftstofffiltersystemen übernehmen wir beispielsweise Aufgaben des komplexen Kraftstoff-Fluid-Managements. Dabei wird die Zirkulation des Kraftstoffs zwischen Tank, Pumpe, Verbrennung, Common Rail und zurück durch komplexe Schaltungen, Ventile, Zu- und Abflüsse unterstützt.

Inline-Kraftstofffilter mit Heizung

Inline-Kraftstofffilter mit Heizung

Hofmeister: Welche Anforderungen stellen die modernen Motoren an die Filterfeinheit?

Banzhaf: Klar ist, dass wir heute immer feinere und leistungsfähigere Filter brauchen. Moderne Dieseleinspritzsysteme arbeiten mit Einspritzdrücken bis zu 2.700 bar, Tendenz steigend. Dafür muss der Kraftstoff sehr rein sein. Der für die Filterfeinheit maßgebliche Beta-Wert liegt bei vielen gebräuchlichen Kraftstofffiltern bei 20 bis 50. Das heißt, von 20 oder 50 Partikeln kommt nur einer durch den Filter. Bei den feinsten Filtern am Markt ist es nur noch ein Teilchen pro 500, und wir arbeiten derzeit an Lösungen, bei denen nur noch eines von 10.000 Teilchen den Filter passiert.

Ölfilter für Automatikgetriebe

Ölfilter für Automatikgetriebe von Ford, USA

Hofmeister: Was hat sich bei den Filtermedien getan?

Banzhaf: Hier haben wir einen ganz starken Trend von Zellulose-basierten Filtermedien hin zu vollsynthetischen Medien. Damit können wir die steigenden Anforderungen besser realisieren, das heißt, die Filtrationsleistung besser einstellen und bei Ölfiltern die zusätzlichen Ansprüche an chemische und Temperaturbeständigkeit besser erfüllen. Gleichzeitig entwickeln wir die nach wie vor dominierenden Cellulose-Produkte in punkto Abscheideleistung und Staubaufnahmekapazität permanent weiter.

Filterprogramm MANN+HUMMEL

Bei Filtern bietet MANN+HUMMEL das volle Programm

Hofmeister: Harald, zum Schluss interessiert mich noch, was Du an Deinem Arbeitsgebiet eigentlich am Spannendsten findest.

Banzhaf: Ganz klar dem Kunden eine Lösung zur Verfügung zu stellen, die er heute noch nicht hat. Die Kunden kommen zu uns, nicht weil sie ein bestimmtes Produkt haben wollen, sondern weil sie einen Bedarf haben und dafür eine Lösung brauchen. Oft helfen wir ihnen, diesen Bedarf zu identifizieren, vielleicht auch klar zu definieren, was sie benötigen, und dafür eine Lösung zu entwickeln und das in ein Produkt zu überführen, das den Hersteller und den Autofahrer überzeugt.