Wie haben sich Öl- und Kraftstofffilter bei MANN+HUMMEL in den letzten 75 Jahren entwickelt, fragten sich Dr. Harald Banzhaf, Produktchampion für die beiden Segmente, und Marcel Hofmeister bei einem Rundgang durchs Filtermuseum.

Hofmeister: Harald, wie ging es bei MANN+HUMMEL los mit der Produktion von Öl- und Kraftstofffiltern?

Banzhaf: Bei den Ölfiltern hatten wir am Anfang, das war in den 1940er und 1950er Jahren, noch Stopffilter, die ganz ohne die heutigen High-Tech-Materialien auskamen.

gestopfter Oelwechselfilter fuer Ford_B

Gestopfter Ölwechselfilter für Ford mit einer Kombination aus Haupt- und Nebenstrom (1940er und 1950er Jahre)

Wie der Name schon sagt, stopfte man Baumwolle in gelochte Dosen und ließ das Öl durchströmen. Für unseren Tankwart Egon sind das bestens bekannte Produkte, auch die Nebenstrom-Ölfilter, bei denen ein Schlauch aus Baumwollstrick über eine Feder gezogen wurde. Beim Service konnte Egon das Ganze schön gekringelt in eine Wechselfilterdose legen. Das Öl floss von außen nach innen und wurde durch den Baumwollstrumpf gefiltert.

Egon erlebte damals auch, wie in den 1950er Jahren die deutsche Automobilindustrie in Fahrt kam und das deutsche Wirtschaftswunder ankurbelte. MANN+HUMMEL war mit am Start und legte mit Luft-, Öl- und Kraftstofffiltern den Grundstein für den Aufstieg zum bedeutendsten Filterhersteller in Deutschland.

Filterelement aus Filz für die Kraftstofffiltration

Filterelement aus Filz für die Kraftstofffiltration

Hofmeister: Was für Filter wurden damals gebraucht?

Banzhaf: In dieser Zeit kamen viele neue, leistungsfähigere Motoren auf den Markt, für die man immer mehr individuelle Filterlösungen benötigte. Schon 1950 lief in Ludwigsburg die Produktion der ersten Filter mit auswechselbaren Feinfilterelementen an. Auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) im Jahr 1951 zeigten wir die ersten Papier-Feinfilter, und die ersten Serienaufträge kamen ins Haus.

Hofmeister: Welche Änderungen gab es damals bei den Öl- und Kraftstofffiltern?

Banzhaf: Anstelle der bisher gebräuchlichen Filtermedien aus Filz setzen sich, zuerst in der Ölfiltration, hochwertige Papiere als Filtermedium durch. Man konnte sie in unterschiedlicher Feinheit und gleichmäßiger Qualität herstellen und hatte durch die Sternfaltung mehr Filtrationsfläche im Gehäuse. Auf den Wunsch nach schneller Wartung und geringen Kosten reagierten wir mit Ölwechselfiltern mit Papierfilterelement. Diese lösten schon bald die traditionellen Gehäusefilter ab, die bei der Wartung gereinigt werden mussten. Auch bei den Kraftstofffiltern begannen sich die feinen Papierfilterelemente durchzusetzen. Sie verdrängten die groben Siebe und Plattenfilter und schützten Pumpen, Düsen und Ventile besser vor Verschleiß.

Kraftstofffilter mit Papierfilterelement. Der umschaltbare Doppelfilter ermöglicht eine Wartung ohne Betriebsunterbrechung

Kraftstofffilter mit Papierfilterelement. Der umschaltbare Doppelfilter ermöglicht eine Wartung ohne Betriebsunterbrechung

Hofmeister: Wie ging es in den 1960er Jahren weiter?

Banzhaf: In den 1960ern legte der Fahrzeugbestand kontinuierlich zu und kurbelte bei uns die Bereiche Erstausrüstung und Filter-Ersatzteilverkauf an. Es war die Zeit, in der sich der VW Käfer zum Exportschlager entwickelte. Manche erinnern sich vielleicht noch an den berühmten Werbeslogan: „Er läuft und läuft und läuft…“. Viele Autos hatten schon die modernen, mit Zellulose-basierten Papiereinsätzen bestückten Wechselfilter an Bord, die bei der Wartung ausgetauscht werden. Noch einfacher wurde der Filterwechsel durch Lösenocken, die MANN+HUMMEL 1964 zum Patent anmeldete. Gleichzeitig wurden die Papierfiltermedien für Ölfilter immer feiner und aufnahmefähiger.

Ölfilter-Kombination: Spaltfilter und Papier-Feinfilterelement

Ölfilter-Kombination: Spaltfilter und Papier-Feinfilterelement

Hofmeister: Im Museum sehen wir viele Komponenten aus Kunststoff. Wann kamen die eigentlich ins Programm?

Banzhaf: Es begann in den 1980er Jahren, in denen wir Ölfiltergehäuse aus Kunststoff entwickelten, die den thermischen und dynamischen Belastungen standhalten. Mit diesem hochflexiblen Werkstoff begann auch die Entwicklung von Modulen, die Ölfilter und Ölkühler in einer Einheit kombinieren. Bereits 1984 wurde der erste Ölfiltermodul aus Kunststoff erprobt, kam allerdings nicht auf den Markt. Das war erst 2003 der Fall.

Dazwischen liegt ein halbes Jahrhundert: Harald Banzhaf mit dem weltweit ersten Kunststoff-Ölmodul (2003) (rechts) und dem Stopfölfilter aus den 1950ern

Dazwischen liegt ein halbes Jahrhundert: Harald Banzhaf mit dem weltweit ersten Kunststoff-Ölmodul (2003) (rechts) und dem Stopfölfilter aus den 1950ern

Hofmeister: Das hört sich nach einer Abfolge von Innovationen an.

Banzhaf: In der Tat, und so ging es weiter. Aus diesem Grund feierten wir letztes Jahr ja auch 75 Jahre Pure Innovation. Die 1990er standen stark im Zeichen der Umweltverträglichkeit. In der Mitte des Jahrzehnts entwickelten wir Ölfilterkonzepte mit einem metallfreien, voll veraschbaren Filterelement, das die Umweltbelastung vermindert. Gleichzeitig ermöglichten verbesserte Filtermedien längere Wechselintervalle. Danach kamen aufschraubbare Wechselfilter hinzu, die Entwicklung neuer Filtermedien (MULTIGRADE) zum Schutz hochempfindlicher Dieseleinspritzsysteme und wenige Jahre später neue, noch effizientere Kraftstofffiltersysteme mit Vorfilter und integrierter Wasserabscheidung.

Ölfilter für Mercedes-Benz Transporter

Ölfilter für Mercedes-Benz Transporter