„Geschichte besteht aus Geschichten“ pflegen wir Firmenhistoriker zu sagen. Bei unserer Arbeit bei MANN+HUMMEL sind wir auf viele schöne Geschichten gestoßen. Sie erzählen von außergewöhnlichen Menschen, von beeindruckenden Erfolgen und von unerwarteten Begebenheiten. Dies ist mein letzter Blog-Beitrag und natürlich habe ich mir eine der schönsten Geschichten zum Schluss aufgehoben: die von Pamina Mann Moden.

Es war ein ganz normaler Archiv-Tag. Wir sichteten im Ludwigsburger Keller gerade die vielen Fotos, als wir auf eine Serie alter Aufnahmen stießen. Ich schaute die Fotos erst schnell durch – dann stutzte ich. Die Schwarz-Weiß-Fotos zeigten Modeschauen in den Werkshallen von MANN+HUMMEL und Bilder von Fotoshootings. Diese Zeitreise in die Welt der Mode der 1950er Jahre kam unerwartet, schließlich waren wir hier bei einem Filterhersteller. Auch die Menge der Bilder war erstaunlich. Das war keine unbedeutende Randgeschichte von MANN+HUMMEL, hier musste es sich um etwas Bedeutenderes handeln. Wir suchten nach dem Zusammenhang zwischen Mode und Filter – und fanden ihn natürlich in der Geschichte.

MANN+HUMMEL Historie

Wie MANN+HUMMEL zur Mode kam

Die Entscheidung Damenmode herzustellen war, wie alle Entscheidungen, die Adolf Mann und Dr. Erich Hummel trafen, gut durchdacht. Für die beiden Geschäftsführer war es wohl sogar ein logischer Schritt, schließlich waren Näh- und Strickmaschinen ihr Metier: Im Jahr 1938 übernahmen sie das traditionsreiche Textilunternehmen Bleyle. Im Krieg gingen die Aufträge jedoch zurück, die Mitarbeiter wurden eingezogen. Um die Firma zu erhalten, stiegen Adolf Mann und Dr. Erich Hummel in das Filtergeschäft ein. 1948 verkaufen sie die Textilsparte von MANN+HUMMEL wieder an die Familie Bleyle zurück. Doch sie blieben der Textilproduktion treu. Sie gründen „Pamina Mann Moden“ und spezialisieren sich auf Damen-Oberbekleidung im oberen Preissegment.

Hergestellt wurden die Jersey- und Stricktextilien zunächst in nicht gebrauchten Räumen des Filterwerks und in einem benachbarten leerstehenden Militärgefängnis. Später kaufte die Firma MANN+HUMMEL ein Schrebergartengrundstück und baute dort ein neues Textilwerk. Die Geschäfte liefen gut, auch im Ausland war die Mode-Linie beliebt. Bis zu 600 Mitarbeiter waren in der Blütezeit bei Pamina Mann Moden beschäftigt. Es kam auch vor, dass die Werkshalle kurzerhand zum Catwalk umfunktioniert wurde – und die Mitarbeiter zu Models.

Doch in den 1960er Jahren geriet die deutsche Textilbranche in Bedrängnis. Immer mehr Firmen verlegten die Produktion ins Ausland. Adolf Mann und Dr. Erich Hummel erkannten: Mit den Preisen der Billiglohnländer kann ein kleiner Hersteller wie Pamina Mann Moden nicht mithalten. 1971 verkauften sie ihre Textilsparte an Emella, ein Unternehmen der Schiesser-Gruppe. Es war das Ende von Pamina Mann Moden. Doch die beiden Unternehmer setzten sich dafür ein, dass kein Angestellter seine Arbeit verlor. Wer nicht weiter im Textilwerk bei Emella arbeiten konnte, bekam eine Stelle im Filterwerk.

Pamina Mann Moden

Geschichte muss man feiern!

Das alte Textilwerk ist keineswegs in Vergessenheit geraten. Einige Mitarbeiter erinnern sich an die Zeit, als MANN+HUMMEL noch eine eigene Modelinie entwarf. Pamina Mann Moden ist ein Teil der Firmengeschichte, ein Puzzlestück im großen Bild, das im Laufe unserer Arbeit bei MANN+HUMMEL immer bunter und größer wurde.

Als Historiker freut es mich, dass die Firma MANN+HUMMEL ihre Wurzeln und ihre Gründer nicht nur in Ehren halten, sondern die Geschichte und den 75. Firmengeburtstag in den Niederlassungen auf der ganzen Welt feiern. Dieses Jubiläumsjahr 2016 ist nun auch schon fast ein Puzzleteil Geschichte. Doch es wird hoffentlich noch lange in Erinnerung bleiben.