Eigentlich begann alles mit Alfred Weber. Es war seine Idee, einen VW Passat zu nehmen und dort alle Filtrationstechnologien zu vereinen, mit denen MANN+HUMMEL dem Thema Feinstaub begegnet. Sein Ziel: Er wollte zeigen, was moderne Filtrationssysteme heute bereits leisten können. Also engagierte er sich persönlich für das Thema und trieb seine Vision „Feinstaubfresser“ voran. Schnell musste er allerdings feststellen, dass ihm als Vorsitzender der Geschäftsführung eines weltweit tätigen Unternehmens wie MANN+HUMMEL schlichtweg die Zeit fehlte, um das Projekt selbst zu führen. Es wurden also Mitarbeiter gesucht, die die Projektleitung übernehmen. Die Wahl fiel auf uns. Das war im August 2017.

Heute, über ein Jahr später, leiten wir das Projekt immer noch. Wir müssen also einiges richtig gemacht haben. Wobei die Leitung eines Projekts natürlich nur ein kleiner Teil des Ganzen ist. Was wir in den vergangenen zwölf Monaten auf die Beine gestellt haben, ist das Ergebnis einer außergewöhnlichen Zusammenarbeit von vielen Menschen aus ganz unterschiedlichen Abteilungen. Anders wäre es gar nicht möglich gewesen, den Feinstaubfresser überhaupt auf die Straße zu bekommen.

fine dust eater cars

Aber der Reihe nach. Nachdem wir also an Bord waren, bestand unsere erste Aufgabe darin, ein Team- und Arbeitsmodell für die Idee Feinstaubfresser zu entwickeln. Welche Technologien können wie eingesetzt werden, wer sind potenzielle Kunden, welche Partner können wir ins Boot holen, wie sieht die konkrete Umsetzung von Technologien in Produkte aus, sind nur einige der Fragen, die wir beantworten mussten. Wir setzten uns also zusammen, entwarfen ein Konzept, beschrieben, welche Leute mit welchen Kompetenzen wir brauchten und stellten es der Geschäftsführung vor. Wir diskutierten, sie segnete es ab und wir legten los.

Das Kernteam bestand aus vier Personen. Wir kümmerten uns dabei um Technologien und Methodiken (Stürner) sowie potentielle Interessensgruppen und mögliche Märkte, um Pilot-Projekte zu akquirieren (Raschke). Bastian Meister-Magsino übernahm die Konzeption, Planung und Elektronik der Fahrzeuge. Steffen Kroll verantwortete schließlich den gesamten Aufbau, die Messtechnik und Sensorik.

Hinzu kamen zahlreiche Experten aus unseren verschiedenen Geschäftsbereichen, die uns je nach Anforderung zwischen 50 und 100 Prozent ihrer Arbeitszeit unterstützen durften. Das betraf natürlich auf der einen Seite die konkrete Produktentwicklung. Aber auch Marketing, Informationstechnologie, Einkauf und viele weitere Fachabteilungen standen uns zur Seite. Denn bei aller Aufbruchsstimmung, hier etwas ganz Neues zu schaffen und damit dem Problem Feinstaub auf eine neue Art und Weise zu begegnen: Das Projekt war und ist keine bloße Spielwiese für kreative Köpfe, sondern soll in echte Geschäftsmodelle münden. Dies betrifft sowohl die konkreten Produkte als auch die Services, die MANN+HUMMEL damit anbieten kann.

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Auf der IAA 2017 in Frankfurt präsentierten wir unseren Feinstaubfresser einem breiten Publikum – mit hohem medialen Interesse. Denn unser Ansatz war wirklich neu: Während in der allgemeinen Meinung immer noch die Motoren – und hier vor allem der Diesel – für den Feinstaub verantwortlich gemacht werden, liegt die Wahrheit ganz woanders. Im Verkehr entsteht Feinstaub auch durch die Verbrennung von Kraftstoffen, vor allem aber durch den Verschleiß von Bremsen, Reifen und Straßenoberflächen.

Wenn man also die Motoren noch weiter optimieren würde, wirkt sich das kaum auf die Gesamtbelastung aus. Unserem Feinstaubfresser ist es hingegen egal, woher der Feinstaub kommt, er filtern ihn unabhängig von seiner Herkunft heraus. Zudem sorgt der Bremsstaubpartikelfilter, dass der Bremsabrieb – eine bislang unterschätze Emissionsquelle – aufgefangen wird, bevor er die Umwelt belasten kann. Und unser NO2-Feinstaub-Kombifilter sorgt schließlich noch dafür, dass die Innenräume von Autos frei von Belastungen bleiben.

In ihrer Gesamtheit sind unsere Feinstaubfresser-Fahrzeuge also dafür geeignet, große Mengen Feinstaub aufzusammeln bis hin zur Feinstaubneutralität, d.h. ich sammle alles auf, was ich emittiere. Unsere aktuellen Testfahrten sollen das beweisen und weitere Optimierungspotenziale aufzeigen. Zudem konnten wir mit StreetScooter, einer Tochter der Deutschen Post DHL Gruppe, bereits einen Kunden gewinnen, für den wir den Feinstaubfilter als Unterbaulösung für die neuen elektrischen Auslieferungsfahrzeugen von DHL auf Herz und Nieren prüfen. Sollten diese Tests erfolgreich verlaufen, steht einer Ausrüstung der gesamten Flotte nichts mehr im Wege.

Feinstaubfresser

Wie das nun so ist, wenn viele engagierte Menschen zusammenarbeiten und sich gegenseitig inspirieren: Wir gehen mit unseren Ideen inzwischen sogar schon über das Auto hinaus. Ein neues Einsatzszenario sind stationäre Feinstaubpartikelfilter. Eine erste Variante steht vor unserem Technologiezentrum an der Schwieberdinger Straße in Ludwigsburg. Dort wurde ein Feinstaubpartikelfilter und Ventilatoren in eine Litfaßsäule integriert. Die Ventilatoren ziehen Umgebungsluft an und der Filter fängt den Feinstaub auf.

Diese stationären Filter könnten an besonders belasteten Hotspots wie Straßenzügen, U-Bahn-Stationen oder Bahnhöfen zum Einsatz kommen, um dort die Feinstaubbelastung deutlich zu reduzieren. Zur Zeit arbeiten wir daran, am bekannten Stuttgarter Neckartor die Luft sauber zu machen. In einem Pilotprojekt mit der Landeshauptstadt und dem Land Baden-Württemberg werden wir mehrere stationäre Filtrationsanlagen aufstellen und die Luft reinigen.

Insgesamt sind die letzten zwölf Monate wie im Flug vergangen. Mehr noch: Die gewissen Unsicherheiten, die wir beide hatten, als wir für die Leitung dieses Projekts angesprochen wurden, haben sich vollständig verflüchtigt. Zum einen, weil es neben allen Herausforderungen viel Spaß macht, eine echte Vision voranzutreiben. Zum anderen aber auch, weil man sichtbarer als bisher etwas für die Umwelt tut. Als wir mit unseren Kindern über unsere neuen Aufgaben gesprochen haben, konnten sie sich endlich vorstellen, was wir den ganzen Tag so machen: „Papa macht die Luft sauber.“