Es war Donnerstag, der erste Tag der Sommerferien. Für viele Schüler der Tag, an dem sie in den Urlaub starten. 15 von ihnen, alle im Alter zwischen 13 und 16 Jahren, hatten sich aber etwas anderes vorgenommen. Sie gesellten sich, anlässlich des Firmensommers 2018, zu den Azubis in die Lehrwerkstatt und arbeiteten dort gemeinsam mit ihnen eine Woche lang fleißig an einem Projekt.

Der Firmensommer, oder treffender die „Schnupperwoche“, fand bereits zum 6. Mal statt – und das jedes Jahr mit einem ganz neuen Projekt. Standardprogramm ist bei uns nämlich nicht und das ist auch gut so, denn der ein oder andere Schüler ist bereits zum 4. Mal mit dabei. Dieses Jahr bauten die Jungs ihr eigenes Fahrzeug, das sogar mit einer App vom Handy aus gesteuert werden kann. Programmierung, Steuerungstechnik sowie Metall- und Kunststoffverarbeitung waren dabei die Bereiche, die die Schüler kennenlernten.

die letzten Schritte der Gruppenarbeit

Ausgedacht haben sich das Projekt die Azubis im 1. Lehrjahr – Pascal Strohäcker, Slim Boughdira, Kilian Seelbach, Kadir Cakir, Robin Pflugfelder, Jannis Dilling, Michael Krauter – zusammen mit den Ausbildungsleitern Ursula Fritz, Armin Holzinger und Nils Kranich. Über mehrere Wochen hinweg knieten sie sich richtig rein, um alles vorzubereiten, fertigten die technische Zeichnung an, bauten einen Prototyp, tüftelten die Programmierung aus und erstellten einen Zeitplan für die Schnupperwoche. Auch die Betreuung und Unterweisung der Schüler fiel unter ihre Aufgaben: In dieser Woche waren ganz klar die Azubis die Ausbildungsleiter!

Auf die Plätze, fertig, los!

Nachdem alle mit dem richtigen Schuhwerk ausgestattet und gründlich über die Sicherheitsregeln aufgeklärt worden waren, ging es los. Jeder erhielt seinen Bausatz mit all den nötigen Teilen, darunter das Grundgestell, eine Platine, der Motor und Räder. Die ersten drei Tage der Schnupperwoche verbrachten die Jungs grüppchenweise an vier verschiedenen Stationen, an denen sie Schritt für Schritt ihr Fahrzeug bauten.

Besonders viel Spaß hat den Jungs die Arbeit an den großen Maschinen gemacht. Von der Bohr- über die Drehmaschine bis hin zum Höhenanreißer war einfach alles dabei. Gerade für die Grundplatte des Fahrzeugs – die zwar schon im Bausatz enthalten war, allerdings an die nötigen Maße angepasst werden musste – konnten sie eigenständig viel bohren und fräsen. Einige der Schüler beherrschten das auch bereits durch ihren Technikunterricht, daher ging es ihnen ganz locker von der Hand. An der Drehmaschine, wo sie Abstandshalter für den Heckspoiler drehten, kam dann doch ein bisschen Frust auf. Weil die Teile nämlich so winzig waren, flutschten sie ihnen beinahe ständig aus den Fingern.

Schüler in der Lehrwerkstatt

Auch wenn es dem ein- oder anderen Azubi beim Zusehen in den Fingern kribbelte, betonten sie alle, wie wichtig es ihnen ist, dass die Schüler die einzelnen Arbeitsschritte selber ausführen. Deswegen sind die nämlich auch da – um ein bisschen zu basteln und zeitgleich zu schauen, ob ihnen ein Beruf in einer allgemein-technischen Richtung denn zusagen würde. Für die meisten ist die Schnupperwoche daher die perfekte Gelegenheit, die eigenen Interessen auszuleben und vielleicht sogar neue kennenzulernen. Da hilft es auch so eng mit den Azubis im 1. Lehrjahr zu arbeiten, denn die können die ein- oder andere Frage beantworten und ein bisschen von ihren eigenen Erfahrungen berichten.

Auszubildende helfen Schüler

Neben Lötarbeiten kümmerten sich die Elektroniker mit den Schülern um die „Herzstücke“ des Fahrzeugs, die Platine und die Software. Richtig klasse ist hierbei, dass die Platine nicht speziell auf dieses eine Projekt angepasst werden musste und dadurch später noch für andere Dinge benutzt werden kann. Wenn die Schüler also Interesse haben, können sie die Platine für eigene Projekte weiterverwenden.

Was sich übrigens für die Elektroniker als größte Herausforderung erwies, war die Vorbereitung. Die war nämlich ein langwieriger (und teils doch nervenaufreibender) Prozess, da Software für sie selber ein relativ neues Fachgebiet darstellte. Mit einem Lehrbuch, vielen Übungen und dem ein-oder anderen YouTube Tutorial war das dann aber bald auch kein Thema mehr.

Reinschnuppern ins Berufsleben

Auf der Zielgeraden

An Tag vier wurden die letzten Schritte der Gruppenarbeit in Angriff genommen. Dabei ging es größtenteils um letzte Verbesserungen und die Montage. Damit sich das Fahrzeug später aber auch bewegt, fehlte noch die Programmierung – und das ist nicht unbedingt jedermanns Sache. Trotzdem hing sich jeder Schüler ins Zeug, als Azubi Kilian Seelbach eine Einführung in die Programmiersprache C gab und ihnen die nötigen Grundfunktionen des Tools erklärte. Mit der Hardware und einem Einblick in die Software haben die Schüler also alle nötigen Tools in die Hand bekommen, um selbst daheim weiter basteln zu können.

Schüler bauen ein Fahrzeug

Nachdem sie das Programm auf das Auto gespielt haben, bereitete der Motor allerdings Schwierigkeiten: Bei vielen der Fahrzeuge stellte sich nämlich jetzt heraus, dass der falsch herum angeschlossen war. Damit hatten die Azubis aber gerechnet, weil man im Voraus nie sagen kann, in welche Richtung der Motor nun laufen wird. Das Problem wurde aber schnell behoben und an Tag fünf waren dann alle Autos funktionstüchtig und konnten live in Betrieb genommen werden. Was natürlich auch nicht anders zu erwarten war 😉

Probefahrt in der Lehrwerkstatt

Für ein bisschen zusätzlichen Nervenkitzel bei Schülern und Azubis sorgte Montagnachmittag ein Team des SWR. Das schaute nämlich mal vorbei, um einen Beitrag für die Abendnachrichten SWR Aktuell am nächsten Tag zu drehen und holte sich dafür auch gleich zwei willige Schüler vor die Linse.

der SWR filmt in der Lehrwerkstatt

Zum Abschluss…

…bereiteten die Azubis noch eine kurven- und hindernisreiche Rennstrecke vor – darf ja nicht zu einfach sein! – um die Woche gebührend ausklingen zu lassen.

Und das ist ihnen auch gelungen: