Weltweit sind jeden Tag Millionen von Pkw unterwegs. Doch nicht in allen Ländern gibt es bezüglich der Kraftstoffqualität so strenge Vorschriften wie in Deutschland. Damit Produkte „made in Germany“ auch schwierigsten Bedingungen standhalten können, entwickelte Lukas Bock, Design Engineer und Projektleiter bei MANN+HUMMEL, eine neue und revolutionäre Version des klassischen Druckregelventils. Das Zauberwort heißt RobustPlus – ein elastomerfreies Material, welches auch stärksten Beanspruchungen standhält. Im Interview verrät der Ingenieur Details über den Entwicklungsprozess bei MANN+HUMMEL.

Herr Bock, welche Gründe gibt es für die Entwicklung des Druckregelventils mit RobustPlus-Membran?

Lukas Bock: „Ausschlaggebend war, dass unser Druckregelventil bislang immer mit einer Elastomer-Membran versehen war. Auf dem chinesischen Markt gab es mit diesem Material allerdings Probleme, was auf einen chemischen Angriff auf das Elastomer zurückzuführen war. Aufgrund der Aggressivität der Kraftstoffe hat sich das Material leider verhärtet und es kam zu Rissbildungen. Folgen waren zum Beispiel eine Ölleckage am Fahrzeug oder ein unruhiges Leerlaufverhalten des Motors. Das Problem trat allerdings nur bei einigen Benzinmotoren auf. Ob diese Membran überhaupt ausfällt, hängt auch stark von der Bauart und den Betriebsbedingungen des Motors ab.“

Lukas Bock, Design Engineer und Projektleiter

Lukas Bock, Design Engineer und Projektleiter bei MANN+HUMMEL

Gibt es noch andere Länder, in denen die Kraftstoffqualität schlechter ist als in Europa?

Lukas Bock: „Der Markt, auf dem unsere neue Erfindung am ehesten benötigt wird, ist natürlich Asien. Dort haben die Kraftstoffe – wie erwähnt – teilweise eine mindere Qualität, was auch auf schlechte Zumischungen zurückzuführen ist. Das gilt aber auch für Südamerika und teilweise für die USA. All das sind Länder mit sehr schwankender Kraftstoffqualität.“

Grund genug, um ein stabiles und langlebiges Druckregelventil zu entwickeln. Wo genau liegen die Vorteile der neuen Version mit RobustPlus?

Lukas Bock: „Wir haben nun überhaupt keine Probleme mehr mit irgendwelchen chemischen Angriffen. In unseren Laboren haben wir verschiedenste Tests durchgeführt. Das Ergebnis: Die neue Version des Druckregelventils hält auch hundertprozentigen Säuren stand. Da passiert überhaupt nichts mit der Folie. Unsere Vision war es, ein komplett elastomerfreies Druckregelventil zu entwickeln. Die Lösung haben wir in einem vollfluoriertem Polymer gefunden. Das Material ist kein Elastomer mehr, sondern ähnelt eher einem thermoplastischen Kunststoff. Es überzeugt sowohl durch chemische Beständigkeit als auch durch mechanische Widerstandsfähigkeit.“

Die Widerstandsfähigkeit von RobustPlus können Sie nach eingehenden Tests belegen. Erzählen Sie doch bitte noch ein wenig mehr über die Entwicklungs- und Testphase des neuen Druckregelventils.

Lukas Bock: „Dieses konkrete Projekt hat Ende 2014 angefangen und lief bis Ende 2016. Während der Entwicklungszeit haben wir das Design der Membran mehrmals geändert, um die optimale Bauform anbieten zu können. Zum Abschluss der Entwicklung gab es dann ein B-Muster-Design. Wir haben uns Kunststoff-Spritzguss-Werkzeuge anfertigen lassen und diese abgeprüft. Ende 2016 hat das Produkt alle unsere Tests bestanden – auch unter erschwerten Prüfbedingungen. Die Testergebnisse lagen teilweise um den Faktor zehn über den Anforderungen.“

Das klingt wirklich beeindruckend! Gibt es bereits Automobilhersteller, die Interesse an dem Druckregelventil RobustPlus angemeldet haben?

Lukas Bock: „Wir haben das vergangene Jahr genutzt, um dieses neue Produkt bei verschiedenen Kunden vorzustellen und auch einige Hersteller mit A-Mustern zu versorgen. Im September 2017 haben wir das neue Druckregelventil mit RobustPlus erstmals auf der IAA präsentiert. Bei einigen Kunden haben wir starkes Interesse wecken können. Ende des Jahres 2017 konnten wir dann tatsächlich auch den ersten Serienauftrag gewinnen.“

Können Sie sich vorstellen, RobustPlus auch für andere Produkte aus dem Hause MANN+HUMMEL zu verwenden?

Lukas Bock: „Natürlich! Wir sind ja bislang der einzige Hersteller, welcher das Material in dieser Form anbietet. Deshalb arbeiten wir schon daran, die Vorteile von RobustPlus auch auf andere Produkte zu übertragen. RobustPlus steht ja zunächst stellvertretend für das neu entwickelte Druckregelventil. Es macht aber durchaus Sinn, die Widerstandsfähigkeit dieses Werkstoffes auch für andere Artikel zu nutzen.“

Herr Bock, vielen Dank für das Interview!