„Endlich keine Pflichten mehr! Ich kann alles tun, was ich will. Alles ist möglich“

Solche Sätze habe ich häufig von Menschen gehört, die kurz vor dem Ruhestand stehen. Gerade im eng strukturierten Berufsalltag scheint die Freiheit des Ruhestands wie ein Schlaraffenland. Mein Erfahrung ist allerdings, dass die Euphorie schnell endet und nicht selten in eine depressive Phase umschlägt: „Das Leben im Ruhestand ist zwar wie im Schlaraffenland“, bekräftigen viele, „nur habe ich jetzt keinen Hunger mehr“.

Kreative Zukunftsplanung: das Seminar für eine neue Lebensphase

Um das zu verhindern, ist es wichtig zu verstehen, dass der Ruhestand auch strukturiert werden muss. Das Seminar “Zugehen auf eine neue Lebensphase. Vorbereitung auf den Ruhestand“ bietet die Gelegenheit, sich über die Gestaltung seines Ruhestands Gedanken zu machen und den neuen Lebenspfad bewusst zu gestalten. Das Seminar, das bei MANN+HUMMEL angeboten wird, ist auf zwei Tage konzipiert. Zunächst werden die wichtigsten Fragen, Wünsche und Ideen zusammengetragen: Was habe ich mir für den Ruhestand vorgenommen? Was sind die Träume, die ich hatte? Was sind meine Ressourcen? Was habe ich im Laufe meines Berufslebens an Stärken und Erfahrungen mitgebracht, die ich jetzt einsetzen kann? Als nächstes mache ich einen Rundumblick mit allen Teilnehmern: Wie geht es mit der Gesundheit? Was möchte ich sportlich machen? Wie gehe ich mit meiner Partnerschaft um? Was mach ich mit meiner Familie? Und ganz zum Schluss, wenn die Teilnehmer dafür offen sind, weil es ein sehr persönliches Thema ist: Wie gehe ich mit meiner Spiritualität um?

Ruhestand und jetzt? Erst mal Durchatmen oder durchstarten?

Am zweiten Tag wird es konkreter: Die Teilnehmer entwickeln Ideen, welche Beschäftigungen für sie in Frage kommen. Dabei achte ich darauf, dass es auch Dinge gibt, die einen längerfristig binden, wie etwa Ehrenämter und Mentoring-Programme. An beiden Tagen steht der Austausch von Erfahrungen im Mittelpunkt und die Teilnehmer bekommen auch ein Kommunikationstraining, das ihnen helfen soll, die eigenen Bedürfnisse auch nach außen zu vertreten. Von solchen Planungen für den Ruhestand profitieren nicht nur diejenigen, die nur eine vage Vorstellung davon haben, was sie gerne tun würden. Ich hatte neulich einen Mitarbeiter, der schon bis ins Detail wusste, was er machen wollte. Gleich mit dem Renteneintritt wollte er voll durchstarten. Nach dem Seminar kam er zu mir und meinte lachend: „Ich mach jetzt dezidiert erst mal zwei Monate gar nichts“.

Traumberuf, Reisen, Hobbies – alles ist möglich mit dem richtigen Vorlauf

Um die Weichen für einen erfüllten Ruhestand legen zu können, sollte man sich früh Gedanken machen. Ich bin jetzt 55 Jahre und habe vor drei Jahren angefangen Schlagzeug zu spielen. Ich freue mich schon heute, wenn ich im Ruhestand viel Zeit in dieses Hobby investieren kann. Jedoch sollte man sich schon zwei bis drei Jahre Vorlauf geben, um letztlich nicht in die Situation zu kommen, plötzlich ganz viel Neues anzufangen. Schön finde ich immer, wenn das Seminar Impulse gibt, auch länger begrabene Perspektiven wieder zu beleben. „Sie haben im Seminar aus mir herausgekitzelt, dass ich eigentlich immer Lehrerin sein wollte. Ich mache jetzt an Problemschulen Leseangebote für Schüler. Die Kinder helfen mir meinen Traum zu leben und ich gebe den Kindern meine Erfahrung.“ Solche Berichte freuen mich immer besonders.

Auch wenn ich noch einige Jahre bis zum Ruhestand vor mir habe, achte ich darauf, mich bereits während meines Berufsleben breit aufzustellen: Neben meiner intensiven Arbeit laufe ich, schieße Bogen und spiele Schlagzeug. Zusätzlich engagiere ich mich in einigen Projekten ehrenamtlich, unter anderem bei „Clowns im Dienst“. So bin ich zuversichtlich, dass ich mein erfülltes Leben nach dem Ende der Berufstätigkeit weiterführen kann.