In meinem 2. Blogbeitrag zum 75-jährigen Bestehen von MANN+HUMMEL möchte ich heute die Geschichte der Innenraumfilter fortsetzen.

Wachsende Herausforderungen

Feinstaub, immer knappere Bauräume, wachsende Anforderungen an die Performance und Kostendruck: Die Herausforderungen an Innenraumfilter sind im letzten Jahrzehnt weiter gewachsen.  Zunehmend bedient sich MANN+HUMMEL der Computersimulation bei Designoptimierungen von Filtermedien, um neben einer effizienten Entwicklung die Markteinführung neuer Medien zu beschleunigen.

Neben der Performancesteigerung stellen kleiner werdende Bauräume und eine kompliziertere Montage der Filter in modernen Fahrzeugen eine weitere Herausforderung dar. Aus diesem Grund entwickelt MANN+HUMMEL auch Elemente mit komplexen Geometrien bis hin zu sehr flexiblen Elementen, die dank flexibler und voluminöser Seitenbänder weiterhin zuverlässig abdichten. Diese Technologien ermöglichen Innenraumfilter, die flach und so biegbar sind, so dass die Werkstatt sie über eine 90 Grad-Krümmung montieren und wieder demontieren kann (siehe Abbildung 1 und Abbildung 2).

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Abbildung 1: Ansicht eines flexiblen Filterelements

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Abbildung 2: Ansicht eines Filterelements mit komplexer Bauform

 

Add-ons für Kombifilter: Antibakteriell und antiallergen

Auch bei den Kombifiltern ging über Jahre hinweg der Trend zur Leistungssteigerung. Im Fokus stand dabei anfangs vor allem das Thema unangenehme Gerüche und Schadgase. Mittlerweile gibt es jedoch ein anderes Thema, das die Weiterentwicklung der Innenraumfilter maßgeblich prägt: Filter mit anti-allergener Wirkung.

Laut Berichten der Weltgesundheitsorganisation zählen Allergien zu den vierthäufigsten chronischen Erkrankungen weltweit; alleine in Deutschland sind etwa 20 bis 25 Prozent der Bevölkerung davon betroffen. Belastungen durch Feinstaub gefährden besonders Bewohner größerer Städte und Industriestandorte und auch das milde Klima macht Allergikern immer mehr zu schaffen. Je nach Witterung gibt es im Laufe eines Jahres kaum noch Phasen ohne Pollenflug.

In Fahrzeugen sorgen Pollen und dabei die in den Pollen befindlichen allergiewirksamen Bestandteile, Bakterien und andere Kleinstpartikel für allergische Reaktionen bei anfälligen Fahrzeuginsassen. Über die Frischluftzufuhr oder die Klimaanlage gelangen diese Partikel bis in den Fahrzeuginnenraum und können so die Unfallgefahr erhöhen.

Im Straßenverkehr sind Niesanfälle nicht nur unangenehm, sondern auch gefährlich, weil sich dabei die Augen reflexartig schließen, legt der Fahrer bei Tempo 80 km/h etwa 22 Meter im Blindflug zurück. Der beste Schutz gegen derlei Beschwerden und Verkehrsrisiken ist es, den Kontakt mit Allergenen zu vermeiden. Bei Autofahrten bieten entsprechende Innenraumfilter spürbare Entlastung.

Hier reiht sich auch der neue MANN-FILTER FreciousPlus, dessen Aufbau in Abbildung 3 dargestellt ist, in das bestehende Angebot ein und geht sogar noch einen Schritt weiter: Seine Partikelfilter-Lage scheidet neben groben Partikeln wie Staub, Pollen und Reifenabrieb auch kleinste, lungengängige Partikel wie beispielsweise Feinstaub ab. Die nächste Schicht enthält eine hocheffiziente Aktivkohle.

Diese adsorbiert Schadgase wie z.B. SO2, NOx, unangenehme Gerüche sowie Ozon aus der durchströmenden Luft. Durch seine zusätzliche dritte Schicht, eine innovative biofunktionale Spezialbeschichtung, wirkt er sowohl antiallergen, als auch antimikrobiell. Fahrer und Insassen werden damit vor Allergenen, Bakterien und Schimmelpilzen geschützt. Der neue Innenraumfilter reduziert Allergene um mehr als 90 Prozent. Das Wachstum von Schimmelpilzen wird um mehr als 95 Prozent verringert.

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Abbildung 3: Aufbau Frecious Plus

Ihre anti-allergene Funktion erhält die neue Filterschicht durch eine innovative Polyphenolbeschichtung. Polyphenole sind Naturprodukte mit entzündungshemmenden Wirkungen und gelten als gesundheitsfördernd. Sie kommen in verschiedenen Pflanzen wie grünem Tee, Granatapfel und vielen weiteren vor und haben die Fähigkeit, Allergene zu binden und damit unschädlich zu machen.

Innenraumfilter nicht nur in Automobilen gefragt

Standen in den 1990iger Jahren bis etwa 2012 die automobilen Anwendungen im Vordergrund, sind MANN+HUMMEL Filter, seien es Partikel- oder Kombifilter, inzwischen längst nicht mehr auf den automobilen Bereich, auf Pkw, Busse und Lkw beschränkt. MANN+HUMMEL hat die Innenraumfilter–Technologie so weit entwickelt, dass sie beispielsweise die Anforderungen erfüllt, um die Fahrerkabine von Landmaschinen von Pestiziden freizuhalten.

MANN+HUMMEL nutzt seine Expertise aus den automobilen Anwendungen beispielsweise auch in Fernverkehrszügen und Straßenbahnen oder für stationäre Applikationen wie Brennstoffzellen, Dunstabsaugungen von Industrieküchen, in der Luftfiltration von Reinräumen und weiteren Segmenten. Dies zeigt: Es gibt viele Anwendungsfelder, die MANN+HUMMEL mit der Technologie in Zukunft noch erschließen kann.

Weltweit, in allen Ausführungen und für fast alle Fahrzeuge

In Deutschland profilierte sich der Standort Himmelkron in Oberfranken, der aus der 2008 erfolgten Akquisition der Helsa Automotive hervorging, als Leitwerk für Innenraumfilter. Darüber hinaus gibt es heute weitere Produktionsstätten für Innenraumfilter in Marklkofen (Niederbayern), in Tschechien, in Mexiko, in den USA sowie in China und in Indien. Damit kann MANN+HUMMEL seine sehr global agierenden Kunden in den wesentlichen Märkten beliefern und Produkte dort produzieren, wo sich die Kunden befinden.

In der NAFTA-Region mit USA und Mexiko sind ebenso wie in Indien nach wie vor Partikelfilter gefragt, wohingegen China sich immer mehr und sehr schnell zu einem Kombifiltermarkt entwickelt. Europa ist ein Kombifiltermarkt, wobei die Kunden bei den Klimaanlagen grundsätzlich zwischen den verschiedenen Elementausführungen wählen können.

Das MANN-FILTER-Produktprogramm bedient über 99 Prozent des europäischen Fahrzeugparks. Weltweit hat das Unternehmen über 6.500 Filtertypen für mehr als 90.000 Anwendungen im Angebot. Für die hohe Produktqualität sorgen 1.000 Forscher und Entwickler der MANN+HUMMEL Gruppe, die mit 166 Patentanmeldungen auch 2015 wieder zu den 50 aktivsten Patentanmeldern in Deutschland gehört – und das bereits zum fünften Mal in Folge. MANN+HUMMEL hält über 3.000 Patentanmeldungen, Patente und Gebrauchsmuster und stellt seine Innovationskraft damit regelmäßig unter Beweis.