Das Saugrohr ist mein Lieblingsprodukt von MANN+HUMMEL. Ich komme ursprünglich aus der Motorenentwicklung. Mich fasziniert alles, was mit Drehmoment, Leistung und Kraftstoffverbrauch zu tun – und da ist das Saugrohr einfach am nächsten dran. Meine Diplomarbeit habe ich Ende der 80er Jahre über das Tuning einer 125er Rennmaschine geschrieben und dabei auch einige Zeit im Rennsport verbracht. Das war eine faszinierende, aber auch anstrengende Erfahrung. In der Zweitakterklasse der 80er und 125er Motorräder war ich als Mechaniker und Betreuer auf Rennstrecken unterwegs. Das Budget des Teams war nicht besonders groß – umso größer waren dafür unsere Motivation und unsere Leidenschaft.

Teamfoto Saugrohr

Später hatte ich das große Glück, die Leidenschaften meiner Hobbies auf das Berufsleben übertragen zu können. Kürzlich war ich beispielsweise für MANN+HUMMEL in Japan und hatte mir auf dem Rückflug den Film „Rush“ über die Rivalität zwischen Niki Lauda und James Hunt in der Formel-1-Saison 1976 angeschaut – da habe ich nochmals gemerkt, dass die Faszination für Motoren, Geschwindigkeit und Leistung immer noch so frisch ist wie am ersten Tag.

Den Kraftstoffverbrauch reduzieren

Bei MANN+HUMMEL bin ich Product Champion zum Thema Saugrohre und gleichzeitig weltweiter Entwicklungsleiter für diese Produkte. Dazu gehören auch die Ergebnisverantwortung und die strategische Ausrichtung. Derzeit beschäftigen uns zum Beispiel Themen wie das Downsizing, also die Umstellung von Saug- auf Turbomotoren, die integrierte Ladeluftkühlung, Ladungsbewegungs- und Längenschaltklappen – allesamt Maßnahmen, um den Kraftstoffverbrauch der Motoren zu reduzieren. Zudem optimieren wir laufend unsere Fertigungsverfahren, um effizient und mit möglichst wenig Materialeinsatz unsere Produkte fertigen zu können.

Wenn ein Produkt bereits vor mehr als 130 Jahren erfunden wurde, wie es beim Saugrohr der Fall ist, ist es natürlich schwieriger, Innovationen zu erzielen. Wir suchen den Bedarf des Kunden und überlegen, welchen Mehrwert wir ihm zum Beispiel beim CO2-Verbrauch generieren können. In einer Studie haben wir kürzlich aufgezeigt, dass man mit einer relativ günstigen Technik wie dem aktiven Saugrohr die CO2 -Emissionen um bis zu ein Gramm/ Kilometer reduzieren kann. Diese Erkenntnis diskutieren wir aktuell mit unseren Kunden.  Weiterentwicklungen müssen exakt auf den Bedarf des Kunden abgestimmt sein, wenn man sie erfolgreich in den Markt einführen will. Als Product Champion ist dies exakt meine Aufgabe. Schließlich wollen wir mit unserer Technik dem Kunden einen Mehrwert zu effizienten Kosten generieren und damit erfolgreich sein.

Deshalb aktualisieren wir derzeit auch unsere Produktstrategie für das nächste Jahrzehnt. Dank unseres engen Kundenkontakts wissen wir, dass sich das Produkt Saugrohr wieder stärker in Richtung des Modulgedankens entwickelt. Es wird immer wichtiger, Zusatzfunktionen zu integrieren, beispielsweise die integrierte Ladeluftkühlung,  Ladungsbewegungsklappen, Abgasrückführsysteme usw.

Wir glauben, dass sich im Motorenmarkt künftig die Anzahl der Typen reduzieren wird. Dafür wird es mehrere verschiedene Varianten eines Modells geben, welches dann global eingesetzt werden kann. Mit unserem weltweiten Netzwerk entwickeln wir zum Beispiel Saugrohre für einen japanischen Kunden, die wir dann später in Asien und NAFTA fertigen; koordiniert und kontrolliert aus unserem Kompetenzcenter in Ludwigsburg. Diese Koordination bedarf großen Einsatz. Morgens lese ich schon die Mails der Kollegen aus Asien, während des Tages gibt es genügend in Ludwigsburg abzustimmen und Abends sind dann die Kollegen in den Americas noch dran. Ganz schön anstrengend, man kann aber auch extrem viel bewegen, was der Lohn für die harte Arbeit ist.

Zum Glück kann ich dabei auf ein funktionierendes Team setzen. Wir sind weltweit rund 40 Entwickler und arbeiten erfolgreich zusammen. Durch Austauschprogramme und regelmäßige Abstimmungen haben wir engen Kontakt untereinander und eine große Identifikation mit unserem Produkt. Als kleines Symbol habe ich vor einigen Monaten Softshell-Jacken mit unserem aufgedruckten Teamnamen und unseren Werten besorgt und an jeden Einzelnen mit seinem Namen auf der Jacke verteilt. Das schafft eine große Verbindung und bringt uns weiter zusammen.

Erst kürzlich habe ich die Mail eines chinesischen Kollegen erhalten. Er hat mir seine Grüße zum chinesischen Neujahrsfest geschickt und sich für die tolle und erfolgreiche Team-Zusammenarbeit bedankt. Das ist ein Feedback, das mich natürlich sehr stolz macht.