Systemoptimierung SchneegestöberHeinz Müller war für MANN+HUMMEL in vielen Gebieten der Erde unterwegs. In diesem Blogbeitrag erzählt er, wie Schneefall bei einer Motorerprobung in Schweden zu einer innovativen Idee führte – ein weiterer spannender Erfahrungsbericht von Heinz Müller im Außendienst.

„Im Winter 1984 reiste ich mit einem Großkunden zur Motorerprobung nach Lappland. Ich war dabei für die Luftfilter verantwortlich. Während des zweiwöchigen Aufenthalts erwarteten uns durchschnittliche Temperaturen von -23 °Celsius und kontinuierlicher Schneefall.

Dieser sollte uns zwar zum Verhängnis werden, motivierte uns aber im Endeffekt zur Entwicklung des ersten „Antischneesystems“.  

Das Problem mit der eiskalten Temperatur

Nachdem wir in das Dieselfahrzeug Messinstrumente eingebaut hatten, konnte es losgehen. Kaum hatten wir mit der Erprobung angefangen, trat allerdings schon das erste Problem auf: Die Motorleistung ließ erheblich nach, das Auto beschleunigte nicht mehr richtig. Um der Sache auf den Grund zu gehen, bewegten wir das Fahrzeug in die Werkstatt – und konnten keine Auffälligkeiten am Motor feststellen. Wir fuhren also erneut auf die Teststrecke. Und bald war die Motorleistung noch schlechter als bei der vorhergegangenen Fahrt. Also zurück in die Werkstatt …

Lappland

Beim Öffnen der Luftfilterpatrone sahen wir das Problem sofort: Sie war völlig vereist. Verantwortlich dafür war der extrem feine Schnee, der auf der Fahrt in den Filter gelangt sein musste. Als das Auto zuvor in der Werkstatt gestanden hatte, taute der Schnee am Filter leicht an. Die zweite Fahrt nach draußen ließ das Tauwasser schließlich zu einem Eisblock gefrieren – das erklärte den dabei aufkommenden, noch stärkeren Leistungsverlust.

Zu der ohnehin angespannten Situation kam hinzu, dass die Versuchsleitung einschließlich des Leiters der Aggregateentwicklung eingetroffen war. Für den Leiter war alles klar: Als Filterentwickler war ich dafür verantwortlich, ich musste das Problem lösen. Es folgten drei Wochen voller Hektik, Innovationsgeist und Musteranfertigungen.

Zur Systemoptimierung auf Schneejagd

Mein „Urgedanke“ zur Systemoptimierung war es, den feinen Schnee mit einem angebauten Sieb abzufangen. Solch eine Anbringung führt zwar zu einem Leistungsverlust von etwa zwei bis drei PS. Allerdings tut das bei verschneiten und vereisten Straßen nichts zur Sache, da Vollgas fahren sowieso nicht möglich ist.

Systemoptimierung Schneegestöber

Die Versuche mit der neuen Konstruktion sollten in Östersund stattfinden. Wie jedoch testete man ein Sieb, das Schnee abfangen sollte, wenn es nicht schneite? Wir bedienten uns allen Möglichkeiten, schnallten sogar einen Tannenbaum hinter ein Fahrzeug, um den Schnee aufzuwirbeln. Letzten Endes lag die Lösung viel näher: Auf den Straßen Schwedens fahren unzählige Holztransporter, die den Schneestaub verwehten. Wir mussten nur noch hinterher fahren.

Das erste Antischneesystem war geboren

Und so kamen wir auf das Ergebnis der extrem kleinen Maschenweite (0,2 Millimeter). Zusätzlich wurde der Filter zukünftig in einer senkrechten Position eingebaut und mit einem Wasserablauf versehen, der Wasseranfall im Filtergehäuseunterteil und als Folge „Wasserschläge“ vermeiden sollte.
Aus der Not heraus entwickelten wir 1984 also das erste „Antischneesystem“, das danach noch viele Jahre zum Einsatz kam. Wir waren stolz. Für uns als Zulieferer gab es aber noch einen schönen und wichtigen Effekt: Die Leitung der Aggregateentwicklung war zufrieden!“