Letztes Jahr wurde den dualen-Studenten aus dem Werk Sonneberg ein besonderes Highlight in der Ausbildung bei MANN+HUMMEL geboten. Die Ausbildungsleitung ermöglichte meinem Kollegen Robert Fritzlar und mir in Zusammenarbeit mit der Staatlichen Studienakademie Thüringen die Teilnahme an einem 5-tägigen Englisch-Workshop an der Tschechischen Technischen Universität in Prag.

Zwei duale Studenten in Prag

I hear what you say, aber ich versteh Sie nicht

Noch vor Beginn des Workshops stellte sich uns die erste Herausforderung bereits in den frühen Morgenstunden des Anreisetages. Es galt inmitten des 24.000 Studenten fassenden Uni-Campus den richtigen Seminarraum zu finden.

Freundlich, aber vollkommen unbeeindruckt von einer englischen Fragestellung, schilderten uns die nicht zu bremsenden Empfangsdamen ausführlich  den Weg dorthin – natürlich auf Tschechisch – und untermalten ihre Ausführungen mit den entsprechenden Handzeichen. Es stellte sich zwar noch heraus, dass der Weg zum Seminarraum ausgeschildert war, allerdings idealerweise ebenfalls in tschechischer Sprache.

Nach der Ankunft in den richtigen Räumlichkeiten wurden wir auch endlich mit feinstem Englisch verwöhnt. Mit einem frischen Instant-Coffee empfing uns unser Trainer Nigel Richards in einer lockeren Runde im Flur zusammen mit anderen Studenten. Erste Lektion: Smalltalk. Sehr entspannt ging es damit in den offiziellen Beginn des Workshops über. Nach einer kurzen Begrüßung durch eine Referentin des Direktorats stellte Nigel sich selbst noch einmal genauer vor. Der aus Wales stammende Muttersprachler erzählte über sein bisheriges Berufsleben als PR-Berater und Creative Director in Werbeagenturen. Sein Weg führte ihn dabei über Asien nach Nordafrika bis nach Prag, wodurch er zahlreiche Erfahrungen im Umgang mit Geschäftsleuten aus aller Welt sammeln konnte. Heute ist er Lehrbeauftragter der Abteilung Sprachen an der Fakultät für Ingenieurwissenschaften der Tschechischen Technischen Universität Prag. Im Fokus seiner Lehre steht die Ausbildung der Kommunikationsfähigkeiten für Geschäfte mit Kommunikationspartnern aus anderen Nationen und Kulturen, was auch in unserem Workshop einen wesentlichen Bestandteil ausmachte. Im Anschluss an Nigels Vorstellungen bekamen auch wir und die anderen Studenten die Möglichkeit, aus dem eigenen Lebenslauf zu erzählen.

Learning by Speaking: Business Skills auf englisch

Inhaltlich war der Workshop in 5 große Themengebiete eingeteilt, die jeweils an einem Tag behandelt wurden.

Das erste Thema trug den Namen Cultural diversity and socialising. Dabei verdeutlichte uns Nigel wesentliche Verhaltensweisen bzw. Strategien, um zunächst eine Beziehung zu Geschäftspartnern aus anderen Ländern aufzubauen. Neben all den formalen und geschäftlichen Themen sollte man zu dem Gegenüber auch auf persönlicher Ebene einen „guten Draht“ entwickeln, ohne ihm dabei zu nahe zu treten.

Was sind dabei sogenannte No-Go’s? Abgesehen davon, dass es selten gut ausgeht, über politische oder religiöse Themen zu diskutieren, ist es sehr wichtig, sich im Vorfeld über spezielle gesellschaftliche Verhaltensweisen zu informieren. Laut Nigel sehen sich Japaner bei Gesprächen beispielsweise nie in die Augen, während bei einem Ägypter ein Handschlag mit Augenkontakt sogar auf „zweideutiges“ Interesse hinweisen könnte – nicht zwingend von Vorteil.

Die Themengebiete Telephoning, Presentations und Meetings, die in den drei darauffolgenden Tagen behandelt wurden, bezogen sich alle auf die effektive Gestaltung von Kommunikation im Projektmanagement. Dazu erarbeiteten wir wesentliche Techniken und Vorgehensweisen für Vorbereitung und die strukturierte Durchführung von Präsentationen und Meetings.

Wir lernten, dass Problemstellungen und Sachverhalte immer mit einem gewissen Unterhaltungswert veranschaulicht werden sollten, um die Aufmerksamkeit und Anteilnahme des „Publikums“ zu gewinnen. Damit wird die Grundlage für Diskussionen geschaffen. Durch die richtige Moderation der Gesprächsrunden können schließlich Schlussfolgerungen und Lösungsansätze als Voraussetzung für das Treffen von Entscheidungen gebildet werden.

Am letzten Workshop-Tag stand die Königsdisziplin auf dem Programm: Negotiations, das Führen von Verhandlungen.

Als Ausgangspunkt von Verhandlungen tritt häufig der unglückliche Umstand auf, dass jede Partei für sich das beste Ergebnis erzielen möchte, diese jedoch in der Regel nicht miteinander vereinbar sind. Nigel vermittelte uns Grundzüge für das richtige Handeln in solchen Konfliktsituationen und gab uns ein Gefühl dafür, wie man durch Feilschen Kompromisse eingehen kann, ohne dadurch größere Nachteile zu erfahren.

Abschließend galt es, die erlernten Strategien spielerisch umzusetzen. Wir sollten uns vorstellen, in einer Gruppe für mehrere Wochen auf einer unbewohnten tropischen Südsee-Insel ausgesetzt zu werden. An diesem Ort lauern unzählige Gefahren, beispielsweise durch wilde Tiere oder nächtliche Unwetter. Bedauerlicherweise dürfen insgesamt nur 10 Gegenstände für alle mitgenommen werden. Zunächst stellte jeder Teilnehmer eine Liste nach seinen eigenen Interessen und Bedürfnissen für sich selbst zusammen. Im nächsten Schritt sollten wir in einer 3er-Gruppe aus den verschiedenen Variationen eine gemeinsame Liste zusammentragen. Schon hier herrschte in einigen Punkten Uneinigkeit. Ziel war es dabei natürlich, möglichst viele Gegenstände aus der eigenen Liste einzubringen, aber gleichzeitig bei sinnvollen Gegenvorschlägen Abstriche zu machen. Mit dem gleichen Ziel mussten schließlich die Gruppen-Vorschläge zu einer finalen Lösung vereint werden. Während des „Spiels“ gab uns Nigel immer wieder Hinweise und Tipps, wie es uns gelingen kann, unsere Ideen dem Gegenüber besser zu verkaufen. Dabei schuf er eine Verbindung von diesem zunächst sehr praxisfern scheinenden Szenario zu betrieblichen Themen.

Im Dschungel ist beispielsweise ein trockenes Zelt zum Schutz vor der Wildnis ebenso essentiell wie die Berücksichtigung von HSE-Normen (Health, Safety & Environment) bei der Erstellung von Montagerichtlinien zum Schutz der Mitarbeiter.

Nigels Art zu unterrichten war für uns ein bisher einzigartiges Erlebnis. Seine Kombination aus Englischunterricht und dem Coaching sogenannter Business-Skills in sämtlichen Aspekten der Kommunikation ermöglichte uns einen weitläufigen Einblick in die internationale Geschäftswelt.

Zwar ist eine Woche bei Weitem nicht ausreichend, um sich zu einem perfekt englischsprechenden Business-Experten zu entwickeln, aber die Erfahrung, für längere Zeit auf seine Englischkenntnisse angewiesen zu sein, fördert dieses Ziel in jedem Fall.

Erst die Pflicht dann die Kür: Sightseeing in Prag

Die Tatsache, dass dieser Workshop in Prag stattfand, war natürlich auch ein angenehmer „Nebeneffekt“. Nach einem Workshop-Tag blieb noch genug Zeit übrig, um die vielseitige Moldaumetropole kennenzulernen. Idealerweise beinhaltete Nigels Coaching auch den inoffiziellen Punkt Prague Sightseeing. Neben weltweit bekannten Sehenswürdigkeiten konnten wir somit auch einige Geheimtipps ansteuern.

Prag bei Nacht

Sprachweiterbildung-Prag-Statue

Um nicht in Beschreibungen von unzähligen Eindrücken abzuschweifen, kommen hier einige Stichworte zu Prag, die uns im Gedächtnis bleiben werden: Karlsbrücke – Veitsdom – Gulasch – Schwarze Matrosen – Kafka – Petrin – Karlovy Lazne – Muzeum – Altstädter Ring.

An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal bei Frau Petra Waldinger und Herrn Ronny Löffler bedanken, die uns diese wunderbare Erfahrung ermöglicht haben. Dieser Workshop ist eines von unzähligen tollen Erlebnissen, wegen denen wir uns immer gerne an die Ausbildung bei MANN+HUMMEL zurückerinnern werden.