Wenn die fünf Herren am Freitag in die „Sonne“ kamen, einem Gasthaus in Rielingshausen, mussten sie nicht mehr bestellen. Man wusste dort Bescheid: Kalte Saiten, Bauernbrot und Senf kamen unaufgefordert auf den Tisch. Die Herren ließen es sich schmecken, die Woche Revue passieren und spielten zudem die Skat-Variante „Schwarze Sau“. Zum ersten Mal stattgefunden hat dies 1973. Damals taten sich Wolfgang Schaal, Walter Binder, Klaus Lieb, Sieghardt Hägele und Dieter Hafner zusammen, um gemeinsam mit einer Fahrgemeinschaft die rund 25 Kilometer aus Backnang nach Ludwigsburg zurückzulegen. Und da es noch keine Gleitzeit gab und freitags pünktlich um 15 Uhr Arbeitsschluss war, bot es sich einfach an, noch schnell auf halber Strecke im „Halbwegshaus“ einzukehren. Warum erzähle ich Ihnen das? Weil es den Stammtisch „Ortsgruppe Backnang“ heute, also 43 Jahren später (!), noch gibt, wenn auch in weitgehend anderer Zusammensetzung und mit dem Zusatz Ortgruppe Backnang u. U. Darüber wollte ich natürlich mehr wissen und sprach mit den aktuellen Mitgliedern Günter Steiner, Sascha Bauer, Hans-Georg Fochler, Walter Binder und Georg Pencik.

Was bedeutet das u. U.?

Pencik (lacht): U. U. steht für „und Umgebung“. Das geht zurück auf das Jahr 2012. Damals haben wir Hans-Georg Fochler aufgenommen. Zuvor mussten wir darüber aber ausführlich und zeitintensiv diskutieren, denn er wohnte immerhin 20 Kilometer von Backnang entfernt. Als weltoffene Gemeinschaft haben wir dann aber einstimmig beschlossen, das Einzugsgebiet unserer Mitglieder kurzerhand um 20 Kilometer zu erweitern – und uns künftig Ortgruppe Backnang u. U. zu nennen.

Hat sich außerdem noch etwas geändert?

Binder: Vieles. Und immer wieder. Nach der Einführung der Gleitzeit im Oktober 1994 versucht wir etwa, den Freitagstreff weiterhin so gut wie möglich einzuhalten. Aber das klappte eben nicht mehr immer. Und nachdem Anfang 1999 das Gasthaus Sonne geschlossen wurde, beschlossen wir, uns in Zukunft in einer Besenwirtschaft zu treffen. Voraussetzung war, dass sie auf der Strecke liegen musste. Und so ging es nach Schwaikheim in den Besen Maier oder Escher, mal ins Gasthaus Traube in Großaspach und vor allem nach Weiler in den Besen Wagner, der so etwas wie unser Vereinsheim geworden ist.

Steiner: Wir haben uns einfach von einer Fahrgemeinschaft zu einem echten Stammtisch entwickelt … und eigentlich sogar zu mehr. Natürlich treffen wir uns regelmäßig in einer Besenwirtschaft. Aber wir sehen uns auch zu Geburtstagen und veranstalten ein jährliches Weihnachtsessen. Es ist einfach so, dass aus einer anfänglichen Zweckgemeinschaft enge Freundschaften entstanden sind, die ganz unabhängig von einer aktiven Beschäftigung von MANN+HUMMEL funktionieren. Wir sind einfach eine tolle Truppe.

Stammtisch MANN+HUMMEL sascha bauer

Aber MANN+HUMMEL ist dennoch ein Thema bei den Treffen?

Bauer: In dieser tollen Truppe ist Vertrauen, Erfahrung und Spaß vereint, was ich sehr schätze. Das spiegelt sich auch in den Themen wider. Unsere Pensionäre sind natürlich daran interessiert, was aktuell bei MANN+HUMMEL passiert – und haben auch immer eine spezielle Meinung dazu. Wir sprechen einfach über Gott und die Welt, philosophieren, diskutieren auch besonders Aktuelles um Backnang u.U. und haben einfach einen netten, geselligen Abend.

Steiner: Auf der anderen Seite vergeht kein Treffen, an dem nicht irgendwann der Satz: „Weißt du noch als …“ fällt – und dann liegt es an uns Aktiven, dies gern auch mal ein bisschen ironisch zu kommentieren. Da kann es auch sein, dass es wieder etwas später wird.

Gibt es ein Geheimnis für das lange Bestehen der Gruppe?

Pencik: Das Geheimnis ist vielleicht, dass wir alle in unterschiedlichen Abteilungen arbeiten oder gearbeitet haben. Wenn man sich bereits den ganzen Tag sieht, dann verlaufen abendliche Gespräche etwas schleppend, weil man ja schon alles weiß. Bei uns war und ist das nicht so. Es stimmt einfach.

Neue Mitglieder kann es also nicht geben?

Fochler: Aber natürlich. Ich habe 2012 einfach gefragt, ob ich zu der Ortsgruppe stoßen darf. Meine genauen Worte waren, glaube ich: „Darf ich euer Freund sein?“ Daraufhin bin ich zu einem Treffen eingeladen worden und habe meinen innigen Wunsch bekundet und ausgeführt, warum ich eine ideale Ergänzung bin. Am Ende wurde ich einstimmig aufgenommen. Nein – im Ernst: Wir sind per E-Mail erreichbar – und wer glaubt, zu uns zu passen, den laden wir gern mal ein. Alles Weitere wird sich dann zeigen.

Meine Herren, ich bedanke mich für das Gespräch.