Nach dreijähriger Arbeit bei MANN+HUMMEL China in Changchun, einer Acht-Millionen-Einwohner-Stadt, in der ich erstaunlicherweise der einzige Franzose weit und breit war, zog ich im August 2015 nach Thailand. Thailand ist für seine touristischen Attraktionen und als „Land des Lächelns“ bekannt, doch es lohnt sich, genauer hinzusehen.

Der erste Eindruck, den ich bei meiner Arbeit gewann, war die Leichtigkeit der Kommunikation mit den meisten Kollegen, obwohl ich bis dahin lediglich grundlegende Thai-Kenntnisse erworben hatte, um mich in Alltagssituationen verständlich machen zu können. Im Vergleich zum Chinesischen wirkt die thailändische Sprache zunächst sogar noch schwieriger: Sie besitzt fünf Töne, Mandarin nur vier, doch im Gegensatz zu den Chinesen sind die Thailänder an Ausländer („Farang“) gewöhnt, die Schwierigkeiten mit der Aussprache haben, und sind darauf eingestellt.

Vincent Legoupil

Die Mitarbeiter von MANN+HUMMEL Thailand beeindrucken mich immer wieder mit ihrer hervorragenden Ausbildung und ihrer Fähigkeit, trotz fehlender Klimaanlage in der Werkstatt bei Temperaturen von teils über 35 Grad zu arbeiten. Das Qualitätsbewusstsein war bereits auf allen Ebenen sehr gut ausgeprägt, sodass wir unsere Teile ohne qualitative Beanstandungen und mit sehr gutem Service an unsere beiden Hauptkunden Ford und Nissan ausliefern können. Damit sind die Grundlagen für Wachstum und Kundenzufriedenheit gelegt. MANN+HUMMEL Thailand produziert vor allem Lufteinlasssysteme für die Pick-ups Nissan Navara, Ford Ranger und Ford Everest. Thailand ist das Land der Pick-up-Fahrzeuge, die auch 60 Prozent der heimischen Produktion ausmachen, und wer schon einmal in Thailand war, kennt die berühmten Pick-up-„Tuk-Tuks“, die hier in vielen Städten unterwegs sind. Pick-ups werden von den meisten Thailändern – abgesehen von den Bewohnern großer Städte wie Bangkok – sehr kreativ genutzt, oft für mehrere Zwecke gleichzeitig.

Was ich an Thailand ganz besonders mag, sind die Menschen mit ihrer positiven Einstellung, die Großzügigkeit und Toleranz ausstrahlt: „Sa bai sa bai“, wie man hier sagt. Thailänder hupen selbst im längsten Stau nicht, und nichts scheint sie aus der Ruhe bringen zu können – zumindest merkt man es ihnen äußerlich nicht an, denn sie haben immer ein Lächeln auf den Lippen. Die Großzügigkeit der Menschen zeigt sich beispielsweise darin, dass kein Mitarbeiter von MANN+HUMMEL Thailand je einen Snack kaufen würde, ohne ihn mit seinen Kollegen zu teilen. Von den Thailändern können wir Westeuropäer mit unserer stärker aufs Eigeninteresse ausgerichteten Mentalität noch einiges lernen!

experience abroad

Die vielleicht wichtigste Erfahrung, die ich aus Thailand mitbringen werde, ist die Toleranz. In einer Welt, in der Toleranz zunehmend rar wird, stellen die Thailänder mit ihrer vom Buddhismus geprägten Kultur eine große Ausnahme dar. Wenn sich ausländische Touristen schlecht benehmen – und ich habe dergleichen schon oft beobachtet –, wird man nie einen Thailänder erleben, der darauf schroff reagiert. Die Einheimischen bleiben immer freundlich, selbst wenn sie innerlich betroffen sind. Die einzige Ausnahme: Majestätsbeleidigung.

Loyalität gegenüber dem König gehört in Thailand zum guten Ton. Während der Staatstrauer für den Ende 2016 verstorbenen Vorgänger des amtierenden Monarchen organisierten wir daher eigens einen Shuttle-Service, damit unsere Mitarbeiter eine Minute am königlichen Grab beten konnten. Für diese Minute standen sie um zwei Uhr morgens auf und kamen abends um neun zurück nach Hause. Diese lange Zeit erklärt sich neben der zweistündigen Fahrt nach Bangkok durch die lange Wartezeit, die nötig ist, um am Königsgrab eine Minute lang beten zu dürfen.