Im zweiten Teil des Blogs zur Geschichte der Saugrohre berichten Heinz Bühl, Product Champion Saugrohre und Herbert Pietrowski, Senior Produktexperte Saugrohre, über die Konjunkturen beim Saugrohr und die glänzenden Perspektiven für die Zukunft.

Mehr Komplexität

Nach der Einführung der Schmelzkerntechnik (Ende der 1980er Jahre) und dem Übergang zur energiesparenden Mehrschalentechnik (Mitte der 1990er) folgte bei den Saugrohren als dritter Schritt die Phase der zunehmenden Komplexität. In die Komponente zogen zusätzliche Funktionen ein, wie zum Beispiel Kanallängenschaltungen und Ladungsbewegungsklappen, Eingeweihten auch als Tumble-Klappen bekannt.

Schaltsaugrohr für Audi mit Ladungsbewegungsklappen (2004)

Damit geben wir dem Kunden die Möglichkeit, die Frischluftladung im Zylinder zu beeinflussen und so die Emissionen zu verringern. Diese Klappen kommen in der Regel bei Ottomotoren zum Zuge. Bei den Dieselfahrzeugen arbeitet man mit einer Kanalabschaltung, bei der einer von zwei Zylinder-Einlasskanälen verschlossen werden kann. Damit erhöht sich die mögliche Drehzahlspanne des Motors. Das war ein entscheidender Punkt bei der Entwicklung der leistungsfähigen Dieselmotoren, wie wir sie heute kennen.

Saugrohr-Modul mit Kanalabschaltung für Ford (2003)

Von 2002 an häuften sich die Innovationen: Erstes Diesel-Schaltsaugrohr in Kunststoff mit AGR-Kühler, erstes Saugrohr mit integrierter Zylinderkopfhaube und Ölabscheider, erstes Zylinderkopfhauben-Modul mit integriertem Schaltsaugrohr (2003), weltweit erstes modulares Saugrohr, aktiv und passiv (2006), erstes Saugrohr mit Designoberfläche und unsichtbarer Schweißnaht (2007) und ein Saugrohr mit integrierter Aufnahmeplatte für das Steuergerät (2009).

In der Zeit um 2010 kam vor allem für die komplexeren Saugrohre eine schwierigere Phase. Es ist die Anfangszeit des Downsizings, in der die Turbomotoren aufkommen, für die man erst einmal keine variablen Sauganlagen mehr braucht. Die Sauganlage ist keine Sauganlage mehr, sondern lediglich ein Ladeluftverteiler, ganz einfach, ohne komplexe Schaltungen, nur noch zwei Schalen und fertig. Die Wertigkeit des Saugrohrs ging damals stark zurück, doch mittlerweile erleben wir eine Renaissance, denn in den letzten fünf Jahren hat sich erneut viel geändert.

Saugrohrfertigung in Sonneberg (Thüringen)

Renaissance der Schalttechnik

Mit der Abgasgesetzgebung von Euro 6, Euro 6.2 und Euro 7 ist auf einmal wieder mehr Variabilität im Ansaugstrang gefragt. Aktuell schauen wir uns nicht mehr bloß den Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) an, sondern gehen das Thema „Real Driving Emissions“ an. So hat das EU-Parlament Anfang 2016 die Einführung von Schadstoffmessungen auf der Straße und die Einführung eines neuen Prüfzyklus (WLTP) im Jahr 2017 beschlossen. Laut VDA-Präsident Wissmann ist die Entscheidung ambitioniert und stellt die Automobilhersteller und Zulieferer vor große technische und wirtschaftliche Herausforderungen.

Der Beschluss bedeutet, mein Motor muss die Anforderungen der Abgasgesetzgebung nicht nur im Zyklus erfüllen, sondern in jedem einzelnen Lastpunkt. Weniger CO2, weniger Verbrauch, weniger Emissionen, nicht nur im Test, sondern auch im realen Fahrbetrieb – das sind heute die Treiber in der Motorenentwicklung, nicht zu vergessen das Thema Low-End-Torque, das Drehmoment bei niedrigen Drehzahlen. Hier wird sich in den nächsten Jahren viel tun, die Anforderungen liegen auf dem Tisch und die Hersteller wissen, dass sie andere Produkte benötigen.

Das bedeutet, wir brauchen jetzt wieder Variabilität im Ansaugstrang. Wir können mit der Optimierung der Ansauganlage einen entscheidenden Beitrag zur Abgasverbesserung und zur CO2-Reduzierung leisten – und das zu einem für unsere Kunden attraktiven Preis. Deshalb sind wir in diesem Bereich wieder besser unterwegs. Im Kommen sind komplexere Saugrohre mit mehr integrierten Funktionen, wie zum Beispiel Ladungsbewegungsschaltungen oder integrierten Ladeluftkühlern.

Damit steigt auch die Wertigkeit der Anlagen und der Anteil der Entwicklung gewinnt wieder an Gewicht. Genau darin liegt unsere Stärke. Die Manpower in der Entwicklung ist eine unserer wichtigsten und größten Ressourcen, die wir haben.

Ein Beispiel für das Potenzial, das in Sauganlagen steckt, liefert unser aktuelles High-End-Produkt, das aktive Ansaugmodul mit integrierter Ladeluftkühlung, elektrischem Zusatzverdichter und Ladungsbewegungsklappen. Das ist kein Traum und keine Vision, sondern eine konkretes Produkt für die nächsten Jahre.