Der Beitrag über die erlebten Auslandserfahrungen in China gehört zu den meistgelesenen und meistkommentierten hier im Blog. Es besteht also offenbar Interesse an den Erfahrungen, die Mitarbeiter von MANN+HUMMEL im Rahmen von Auslandsaufenthalten sammeln. Das ist für mich Grund genug, meine Erfahrungen in einem Land zu schildern, das zuweilen erstaunlich exotisch wirkt, obwohl es keine zwei Flugstunden entfernt ist: Die Rede ist vom „Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland“ – hierzulande ebenso oft wie streng genommen unzutreffend England genannt. Womit ich gleich bei der ersten kleinen Überraschung bin, die man als Neuling auf der Insel erlebt: Vor Ort bezeichnen die meisten ihr Heimatland als „UK“ (gesprochen „Juu Keh-i“), der Abkürzung von „United Kingdom“. Von „Great Britain“ spricht kaum jemand, von „England“ allenfalls, wenn es tatsächlich um den betreffenden Landesteil geht.

Very british lebt sichs gut

Klischees aus Großbritanntien mit Wahrheitsgehalt

Doch auch abgesehen von solchen Äußerlichkeiten bietet „Juu Keh-i“ aus deutscher bzw. schwäbischer Sicht durchaus Eigenheiten. Und die gehen über Klischees wie die (tatsächlich vorhandene) Begeisterung für Fish & Chips oder die vorbildliche Disziplin beim Schlangestehen hinaus. Ob die jedoch gravierender sind als die Eigenheiten, die Deutsche aus britischer Sicht besitzen, ist meiner Meinung nach fraglich: Ich bin auf jeden Fall froh, dass sich die Mitarbeiter von MANN+HUMMEL UK schon bei meinen Vorgängern auf die Eigenheiten deutscher Manager einstellen konnten. Dank dieser Erfahrung werden Begriffe wie Termintreue, Zielorientierung und Konsequenz auch an den Standorten Wolverhampton und Chard, zumindest teilweise, recht „deutsch“ interpretiert.

Einfache Eingewöhnung

Generell kann ich schon nach knapp drei Monaten in Großbritannien feststellen, dass die Eingewöhnung für mich persönlich nicht allzu schwierig war bzw. ist. Dazu trägt sicher bei, dass ich allein durch meine letzte Tätigkeit mit weltweiter Vertriebsverantwortung solide Englischkenntnisse und eine gewisse Übung im Umgang mit unterschiedlichen Kulturen mitbringe. Für meine Frau und speziell meine Kinder, die erst seit wenigen Wochen in Großbritannien leben, ist die Eingewöhnung dagegen schwieriger. Das liegt zum einen natürlich an der für sie weniger gewohnten Sprache. Meine Kinder müssen sich darüber hinaus auf ein Schulsystem einstellen, das sich deutlich von unserem unterscheidet. Die Unterschiede betreffen einerseits Äußerlichkeiten wie das Verbot von offenen Haaren und das obligatorische Tragen der Uniform – zwei Punkte, die meiner 16-jährigen Tochter weniger behagen. Viel wichtiger ist jedoch das deutlich andere, ganzheitlichere Bildungskonzept: Nach meinem Dafürhalten wird auf der Insel ungleich mehr Wert auf die Entwicklung der gesamten Persönlichkeit gelegt, während unser Schulsystem den akademischen Aspekt betont. Auch das Thema Disziplin und die Werteerziehung genießen einen wesentlich höheren Stellenwert. Was besser und was schlechter ist, will ich an dieser Stelle gar nicht bewerten. Es gibt eine Vielzahl an staatlichen Schulen und Privatschulen. Es ist schön die Wahl zu haben, aber nicht einfach, die richtige zu treffen.

Kleinigkeiten machen in Großbritannien den Unterschied

Welche Unterschiede erleben meine Kinder, meine Frau und ich denn nun im Alltagsleben? Letztlich sind es viele Kleinigkeiten, aber kaum Dinge, die wirklich zählen oder gar das Leben schwierig machen würden: Dass viele Briten ihr Land eher nicht als Teil von Europa betrachten, sondern von „UK and Europe“ sprechen? Geschenkt! Dass uns manche Zusammenstellung von typischen Speisen vielleicht etwas seltsam vorkommt? Egal, denn bei der großen Auswahl an lokalen und internationalen Restaurants kann jeder etwas finden, das ihm schmeckt. Dass man als Ausländer zurückhaltend sein sollte, wenn das Gespräch auf die Themen Fußball oder Königshaus kommt? Kein Problem! Meine Familie und ich fühlen uns auf jeden Fall willkommen und wohl in Großbritannien. Wir spüren keinerlei Ressentiments gegenüber Deutschland und den Deutschen, im Gegenteil! Vielmehr genießen wir den feinen Humor und die große Liebenswürdigkeit der Menschen, mit denen wir tagtäglich zu tun haben. Dass wir Maultaschen privat importieren und die Cricketregeln nicht verstehen, stört uns kein bisschen: Ein paar kleine kulturelle Unterschiede machen das Leben schließlich erst interessant und unseren Aufenthalt in „UK“ zur Bereicherung.