„MANN+HUMMEL verkauft das Werk 1 an der Hindenburgstraße“ – als ich diese Überschrift in der Zeitung las, gingen meine Gedanken unweigerlich zurück. Weit zurück. Bis ins Jahr 1951. Damals lernte ich den historischen Backsteinbau als Schüler des Mörike-Gymnasium in Ludwigsburg zum ersten Mal kennen.

Um mir ein Taschengeld zu verdienen, arbeitete ich von März 1951 bis März 1952 an zwei Nachmittagen pro Woche im damaligen Chemischen Labor Fischer in der Karlstraße. Das Labor untersuchte zu dieser Zeit für MANN+HUMMEL unter anderem die Ölproben der Ölfilter, die bei diversen Dauerläufen eingesetzt wurden. Auch ich durfte im Laufe dieses Jahres Untersuchungen durchführen, beispielsweise Öl auf Eisenanfall prüfen. Die untersuchten Proben samt Ergebnisse brachte ich dann mit dem Fahrrad zur Versuchsabteilung von MANN+HUMMEL in die Hindenburgstraße. Ich hatte dort mit den Herren Gaiser und Ling zu tun, ab und an auch mit Herrn Basilico, dem damaligen Versuchsleiter.

Einige Jahre später sollte meine Beziehung zum Werk 1 eine ganz neue Qualität bekommen: Im Sommer des Jahres 1958 – die Schule hatte ich längst beendet und Ausbildung und Weiterbildung erfolgreich abgeschlossen – bewarb ich mich im Umkreis von Ludwigsburg um eine neue Stelle. Auch MANN+HUMMEL hatte ich angeschrieben, mit Erfolg. Ich bekam die Stelle und fing im Herbst des gleichen Jahres in der Versuchsabteilung an – eben in jenem Gebäude, dass ich als Schüler bereits kennengelernt hatte. 40 Jahre habe ich dann dort gearbeitet, bin innerhalb des Hauses hin- und hergezogen, habe die vielen Umbauten und Veränderungen hautnah erlebt. Das verbindet natürlich.

Wobei: Wenn ich ehrlich bin, war ich gar nicht wirklich 40 Jahre im Werk 1 aktiv, sondern meist außer Haus tätig. Sehr zum Leidwesen meiner Frau, die oft auf mich verzichten musste, mir aber immer den Rücken freigehalten hat. Ohne sie hätte ich meine Aufgaben bei MANN+HUMMEL niemals bewältigen können. Das muss man auch in einem Unternehmensblog einmal sagen dürfen.

In meinen Anfangsjahren landete über die verschiedenen Versuchsabteilungen und die Erzeugniskonstruktion in einer kleinen Abteilung, die Großabnehmer wie Daimler-Benz, Ford, Opel, Audi und viele mehr mit Versuchen vor Ort unterstützte. Ich bekam es schließlich mit Volkswagen in Wolfsburg zu tun. Eine besondere Erinnerung, denn damals gab es noch den legendären VW Käfer und den VW Bulli. Bestückt waren die Motoren der beiden Modelle mit Ölbadluftfitern. Da die Leistung der Motoren über die Jahre stets gesteigert wurde, entstanden ständig neue Herausforderungen. Leistungsmessungen auf dem Motorprüfstand, Versuche zur Ölbenetzung des Filtereinsatzes in der Praxis und andere Tests waren da angesagt. Dafür musste ich oft nach Wolfsburg. Nun gab es zu dieser Zeit noch keine „Rhönautobahn“, ich musste also über Frankfurt nach Hannover und dann ab Seesen über die Landstraße fahren. Das waren echte Tagestouren – nicht wie heute nur gute vier Stunden.

Oft nutzte ich auch die Bahn, abends ab Bietigheim über Nacht nach Hannover, wo ich dann von jemandem aus der damaligen MANN+HUMMEL Vertretung, dem Büro Roller, abgeholt wurde. Geschlafen wurde im Drei-Bett-Schlafabteil. Irgendwann wusste ich schon vorher an der Bettennummer, ob ich später im Abteil oben, in der Mitte oder unten liegen würde. Es folgten vermehrt auch Flugreisen, da ich mit dem Umstieg von den Ölbadluftfiltern auf Luftfilter mit Papiereinsatz immer öfter und verstärkt auch im Ausland tätig war.

Und dennoch war ich meinem Werk 1 immer verbunden. Es hatte einen ganz eigenen Charme, man kam irgendwie nach Hause, zu den Kollegen, zu einer Firma, die mich immer unterstützt hat und hinter mir stand. Jetzt, 2015, ist das Werk 1 In der Hindenburgstraße also verkauft. Natürlich trauere ich ihm etwas nach, aber die Zeit bringt eben auch Veränderungen mit sich. Geblieben ist meine Freude am Reisen. Allerdings nicht mehr für MANN+HUMMEL, sondern privat mit meiner Frau – eine Veränderung, die ich überaus positiv finde.