In den 1950er Jahren stieg der Bedarf an Filterelementen parallel zur Entwicklung der deutschen und europäischen Automobilindustrie kontinuierlich an. Die Ludwigsburger Geschäftsführung plante daher in den Jahren 1960/61 den Bau eines neuen Werkes speziell zur Herstellung von Filterpatronen. Als Standort war zunächst Neckarweihingen, ein Vorort von Ludwigsburg, auserkoren. Da man jedoch mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf Schloss Warth  gute Erfahrungen machte und die Personalkosten im niederbayerischen Raum deutlich unter Ludwigsburger Niveau lagen, fiel die Entscheidung zum Ausbau der dortigen Kapazitäten auf dem Filterelementesektor.

Im Frühjahr 1962 hatten Adolf Mann und Dr. Erich Hummel die beiden Gebäude (Bau A und B) der in Konkurs geratenen Nudelfabrik Kaiser in Marklkofen, unweit von Schloss Warth, für circa 200 TDM gekauft. Am 4. September wurde dort die Fertigung mit zunächst 14 Mitarbeitern in Normalschicht aufgenommen. Anfangs montierte man nur Einbaupatronen für Opel-Wechselfilter am Montageband und lieferte sie nach Ludwigsburg. Kurz darauf kam in Bau A ein neues Montageband für Öl- und Kraftstoffpatronen hinzu.

Ich selbst trat am 1. April 1965 in das Filterwerk Mann + Hummel ein, absolvierte zunächst zwei Monate in Ludwigsburg, um das Unternehmen kennenzulernen, und wurde Ende Mai Fertigungsleiter in Marklkofen; im November 1970 übernahm ich die Werksleitung. Bis zu meinem Eintritt war das Werk durch Ludwigsburger Führungskräfte betreut worden, deren schwäbische Mentalität nicht so recht zu derniederbayerischen passen wollte. Der damalige Personalleiter, Andreas Hägel, meinte daher zu Herrn Mann: „Wir brauchen einen Bayern!“. Also inserierten sie in den vdi-nachrichten, und ich bewarb mich. Trotz meines anfänglichen Zögerns konnte mich Herr Mann überzeugen. Er sagte, er habe große Pläne für Marklkofen: „Wir werden den Betrieb ausbauen und eines Tages 600 bis 800 Leute beschäftigen“.

Enorme Entwicklung in knapp 28 Jahren

Dass Herr Mann nicht übertrieben hatte, zeigt die Entwicklung des Standortes, die ich 27 Jahre und neun Monate lang begleiten durfte. In dieser Zeit ist das Werk kolossal gewachsen: von 367 Beschäftigten (Ende 1964) auf 1713 (Ende 1992); von einer Produktionsleistung von 9,125 Millionen Wechselfiltern und Patronen auf 77,5 Millionen (davon 47,1 Millionen Wechselfilter, 18,4 Millionen Luftfilterpatronen, 12 Millionen Öl- und Kraftstoffpatronen).

Als ich Mitte 1965 nach Marklkofen kam, hatte man bereits mit dem Ausbau begonnen. Die sogenannten Shedhallen (shed = englisch für Wetterdach) waren in Baustufe 1 bis 3 realisiert; 1965 wurden sie mit Baustufe 4 bis zur Lagerhalle 1 verlängert. Weitere Lagerhallen sollten 1969 sowie in den 1970er und 1980er Jahren hinzukommen.

Mit der Zeit wurde immer mehr Produktion von Ludwigsburg nach Marklkofen verlagert: im Herbst 1963 die Montage der runden Pkw-Luftfilterpatronen mit PVC-Endscheiben; im April 1965 die Ford-Wechselfiltermontage, 1966 die ersten Exzenterpressen sowie die Stufenpresse „Klara“, die ein Jahr später Gesellschaft von „Karola“, „Dora“ und „Emma“ erhielt. 1966 begann somit nicht nur die eigene Teilefertigung in Marklkofen zur Versorgung der Montagebänder; wir fingen auch mit der gewerblichen Ausbildung von drei Lehrlingen (Werkzeugmacher und Maschinenschlosser) an.

1974 erstmals mehr als 100.000 Stück pro Arbeitstag

In den 1970er Jahren kamen immer mehr Montagebänder, Anlagen und Automaten hinzu. Manche Bänder wurden in dieser Zeit bereits modernisiert. Das Jahrzehnt war, was die Produktionsleistung angeht, sehr wechselvoll. Es gab Jahre mit Zuwachsraten von 17 bis 25 Prozent, solche mit geringen bis negativen Zuwächsen und solche, in denen wir aufgrund schlechter Auftragslage Kurzarbeit anmelden mussten. Doch solche Einbrüche waren nie von langer Dauer. Insgesamt zeigte die Kurve der Gesamtproduktion stets nach oben. 1974 überschritt die Produktion pro Arbeitstag mit 100.915 Stück erstmals die 100.000er-Marke.

Am 1. Juli 1973 wurde im Gesamtbetrieb Marklkofen und Warth die analytische Arbeitsbewertung  eingeführt und das Entlohnungssystem vom Prämienlohn auf Gruppenakkord umgestellt. In diesem Jahr fand auch das erste Mal ein „Tag der offenen Tür“ mit circa 5.000 Besuchern statt. 1982, zum 20-jährigen Jubiläum von Marklkofen, folgte ein zweiter mit der gleichen Besucherzahl, und 1987 feierten wir „25 Jahre Filterfertigung in Marklkofen“.

Anfang der 1980er Jahre gab es weitere Fertigungsverlagerungen aus Ludwigsburg: Im Februar 1980 die Rosettenmontage, im Sommer die Pico-Piclonmontage, im Herbst die Pkw-Rundpatronenmontage mit Endscheiben aus Polyurethan. Mit der Übernahme der Sonder- und Kleinfiltermontage sowie der Benzinfilterfertigung fand die Verlagerungsphase aus Ludwigsburg endgültig ihren Abschluss. Der weitere Aufbau der Fertigungskapazitäten erfolgte durch Direktinvestition im Werk Marklkofen.

Neuorganisation führt zu größerer Selbständigkeit der Werke

In den letzten beiden Jahren meiner beruflichen Tätigkeit bei MANN+HUMMEL – ich bin am 31.12.1992 ausgeschieden – begleitete ich für Marklkofen die Neuorganisation innerhalb der Unternehmensgruppe. Diese sah eine größere Selbstständigkeit und Kostenverantwortung der einzelnen Werke vor. Für uns bedeutete das die Übernahme vieler Verwaltungsarbeiten aus der Zentrale, so zum Beispiel der Aufbau eines Werkseinkaufs, Übernahme der Gesamtdisposition, der Arbeitsvorbereitung, Haustechnik und Werksplanung. Die Neuorganisation führte zu einem gewollten Personalaufbau im Angestelltenbereich, so dass Ende 1992 von den 1713 Beschäftigten 146 Angestellte in Marklkofen tätig waren.

Persönlich bin ich dankbar, dass ich aufgrund einer außergewöhnlichen Initiative von Adolf Mann in der Zeit vom 1. April 1965 bis 31. Dezember 1992 mit dabei sein konnte. Es waren für mich arbeitsreiche und verantwortungsvolle, aber auch schöne, erlebnisreiche Jahre im Filterwerk – ganz bestimmt aber die interessantesten Jahre meines beruflichen Lebens.