Geschlechtergerechte SpracheKatrina, Sandy, Dolly – Klingt doch nach einer Gruppe sehr netter Damen, oder? Aber weit gefehlt, handelt es sich doch um die Namen dreier Wirbelstürme, die in den USA für Millionenschäden gesorgt haben. Was die Damen noch unsympathischer macht: Wirbelstürme, die diese oder andere Frauennamen tragen, verursachen im Durchschnitt weit mehr Zerstörung als solche, die nach Männern benannt werden. Das haben Wissenschaftler einer geschlechtergemischten Gruppe der University of Illinois herausgefunden.

Die Forscher begründen diese Tatsache damit, dass man Frauennamen automatisch mit einem sanften, gewaltfreien Wesen assoziiert. Männer hingegen werden aufgrund historischer und gesellschaftlicher Gründe eher mit härteren Eigenschaften in Verbindung gebracht. So lassen sich weniger Menschen evakuieren und unterschätzen die Wirbelstürme mit weiblichem Namen eher, als sie es bei Stürmen wie Tarzan oder Wotan tun würden. (Weder den einen noch den anderen gibt es wirklich. Würde es sie allerdings geben, hätte ich persönlich ziemlich große Angst vor ihnen.)

Warum ich Ihnen hier Forschungsergebnisse über Wirbelstürme präsentiere? Nun, in Medien, Verbänden und Universitäten hört man oft von hitzigen Diskussionen über geschlechtergerechte Sprache. Die Unsicherheit, ob man nun zum Beispiel „Liebe Mitarbeiter…“ oder „Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ schreiben muss, kommt auch in Unternehmen recht häufig vor. Als Kommunikationseinheit werden wir deshalb oft darauf angesprochen, was denn nun bitte richtig sei und ob es einen konkreten Regelkatalog gibt, mit dem man Konflikten hier aus dem Weg gehen kann.

Ehrliche Antwort? Nein, gibt es nicht.

Das Beispiel der Wirbelstürme allerdings habe ich nicht nur gewählt, weil Sie den Text hoffentlich bis hierhin lesen, um endlich herauszufinden, worauf die verrückte Autorin denn nun bitte hinausmöchte. Sondern weil es mich bezüglich einer geschlechtergerechten Sprache eine ziemliche klare Aussage treffen lässt: Versetzen Sie sich in Ihren Leser oder Zuhörer hinein.

Was soll er sich vorstellen, wenn er Ihnen zuhört – was nicht? Wozu wollen Sie ihn bewegen, was soll der Text in ihm auslösen? Könnten sich Bewerberinnen eventuell nicht angesprochen fühlen, wenn Sie nur von Bewerbern sprechen und Ihre Stellenausschreibung deshalb ignorieren? Oder ist eine Unterscheidung für Ihren Text vielleicht sogar nachteilig? Weil ein Satz dadurch zu lang, zu umständlich und dadurch nicht verständlich wird? Sollte es Autor/innen denn nicht am Wichtigsten sein, dass der/die Leser/in seine Botschaft versteht und dass Kolleg(en)/innen und Mitarbeiter/innen dadurch bestimmte Informationen erhalten? Ich hoffe, Sie verstehen den kleinen Wink des letzten Satzes.

Als „Kommunikationstanten und –onkel“ raten wir auch zum Wohle der Sprache stets zu Pragmatik und Respekt. Denn wenn Sie sich meine Überschrift ansehen, fällt Ihnen hoffentlich auf, wie grausam die männliche Form der Giraffe und die weibliche des Krokodils klingen. In diesem Beitrag passt das vielleicht, vielmehr habe ich mir diese Grausamkeiten sogar zu Nutze gemacht. Bei anderen Texten sollten Sie allerdings stets den Leser und Ihre Botschaft im Auge haben: Wie können Sie ihm das Lesen erleichtern und Ihre Botschaft mit Hilfe einer passgenauen Sprache herüberbringen, statt von dieser abzulenken? Sicherlich nicht, indem Sie Satzverrenkungen erfinden und aus Überkorrektheit heraus Ihre Kernbotschaft verloren geht.

Abschließen möchte ich, ohne groß in politische Diskussionen übergehen zu wollen, noch eines loswerden: Für mich als Frau gibt es heutzutage wirklich kritischere Themen in Bezug auf die Benachteiligung von Frauen in der Gesellschaft als die Frage, ob man nun „Liebe Kolleginnen und Kollegen“ oder schlicht „Liebe Kollegen“ schreibt – und ich kann mir gut vorstellen, dass ich mit dieser Aussage nicht ganz allein dastehe.