Die Firmenhistoriker, ein Team aus Geschichts- und Archivexperten, sichteten anlässlich des bevorstehenden 75. Firmenjubiläums von MANN+HUMMEL drei Monate lang Dokumente, Fotos und Erinnerungsstücke aus dem Pressearchiv. Im Rahmen unserer Tätigkeiten besuchten wir natürlich auch das Filtermuseum, in dem die Schätze aus der Vergangenheit aufbewahrt werden. Als Teamleiter erzähle ich, Roman Krüger, Ihnen heute von den schönsten Fundstücken, auf die wir bei unserer Arbeit im Keller von MANN+HUMMEL stießen.

Das Filtermuseum ist eine wahre Schatzgrube, die jedoch nur wenige Besucher und Mitarbeiter bisher gesehen haben. Im Zuge unserer Arbeit bei MANN+HUMMEL wurden alle Dokumente wie Bilder, Zeichnungen, Bestellungen und Prospekte aus dem Museum und einem zugehörigen kleineren Archiv in das Pressearchiv umgelagert, wo sie auch katalogisiert und archiviert wurden. Die Exponate sind weiterhin im Filtermuseum zu finden und werden später in das neue Museum des gerade im Bau befindlichen Technologiezentrums umziehen. Dank mehrerer engagierter Mitarbeiter, die das Museum über viele Jahre hinweg aufgebaut und gepflegt haben, sind diese Schätze sicher für die Zukunft bewahrt. Hier ein Auszug der schönsten Fundstücke:

Die Aktentasche

Versteckt unter Staub in einer Ecke des Kellers liegend, fanden wir eine Ledertasche. Wie sich herausstellte, handelte es sich dabei um ein Accessoire mit Geschichte – nämlich um das Lieblingsstück des Firmengründers Adolf Mann. Viele Jahre lang begleitete sie ihn täglich, transportierte wichtige Unterlagen und wurde so zu seinem Markenzeichen. Dank des Symbolwerts hat die Tasche die Jahre überlebt – zum Glück, denn sie stellt eine emotionale Verbindung zum 1971 verstorbenen Firmengründer her.

Singende Geschichte

Wir stießen im Keller von MANN+HUMMEL auf vieles, was man so nicht zwischen Dokumenten und Akten erwartet hätte. Dazu zählte etwa ein feines chinesisches Geschirr-Service, vermutlich ein Gastgeschenk von einem Geschäftspartner. Noch exotischer war eine Sammlung alter Schallplatten. Sie stammten zwar nicht aus dem fernen Ausland, dafür enthielten sie Originalaufnahmen des Werkschors. Die Schallplatten sind inzwischen digitalisiert und so können die MANN+HUMMEL Stars der Vergangenheit auch in Zukunft noch viele Zuhörer erfreuen.

Die Maultaschen-Fabrik

Die jüngeren Mitarbeiter kennen diese Episode aus der Geschichte von MANN+HUMMEL wahrscheinlich nur aus Erzählungen. Doch Roland Hagmann, der ehemalige Küchenchef der damals hausbetriebenen Kantine, erinnerte sich noch gut an die „Maultaschen-Freitage“. Wir interviewten ihn als Zeitzeugen im Rahmen der Buchrecherche. Bis in die 90er Jahre stellte MANN+HUMMEL neben Filtern und anderen Produkten für die Automobil-Branche auch serienmäßig Maultaschen her. Schon donnerstags bereiteten die Kantinen-Mitarbeiter die schwäbische Spezialität vor. Die Mitarbeiter konnten sogar Maultaschen für den Eigenbedarf vorbestellen. Kein Wunder, dass es für Aufruhr sorgte, als dieser Service eingestellt wurde.

Das Textilwerk

Eine der schönsten Bilderserien aus dem umfangreichen Fotoarchiv stammt aus der Zeit, als das Filterwerk MANN+HUMMEL mit dem Textilwerk noch in der Textilbranche tätig war. Die damals hergestellten Filzhüte sind bekanntermaßen noch heute beliebte Accessoires. Ab dem Ende der 40er Jahre brachte das Unternehmen unter dem Markennamen ‚Pamina Mann‘ auch ganze Modekollektionen auf den Markt, natürlich ganz im Stil der damaligen Zeit. Die Mitarbeiter funktionierten die Werksräume kurzerhand zum Laufsteg um und führten unter Applaus des Publikums die neusten Modelle vor.

Die Fotos liefern wunderschöne Momentaufnahmen dieser Zeit. MANN+HUMMEL verkaufte zwar die Mode-Sparte im Jahr 1974 an Schiesser, dennoch ist ‚Pamina Mann‘ ein Teil der Vergangenheit und damit auch der Identität des Unternehmens.

Denn die Geschichte, und das zeigt die Arbeit der Firmenhistoriker jedes Mal aufs Neue, ist mehr als Papier und Fotos. Die Geschichte bringt ein besseres Verständnis der gewachsenen Strukturen, sie kann Grundlage sein für erfolgreiche Werbekampagnen, Quelle für spannende Firmenhistorien und sie liefert vertrauensbildende Informationen für Kunden. Leider verlassen viele Erfahrungen mit den Menschen die Firma, Erinnerungen verblassen und wertvolles Wissen geht verloren. Im Pressearchiv und der Chronik von MANN+HUMMEL ist die Geschichte nun konserviert – und wird auch in vielen Jahren noch lebendig sein.

 Die Firmenhistoriker danken für den herzlichen Empfang, die Unterstützung und Hilfsbereitschaft während der umfangreichen Archiv-Arbeiten in Ludwigsburg. Wir wünschen der Firma MANN+HUMMEL schöne Jubiläumsfeierlichkeiten im Jahr 2016 und auch für die Zukunft viele neue Archivordner voller schöner Erinnerungen und Erfolgsgeschichten!

Weitere spannende Blogbeiträge zur Geschichte und Entwicklung von MANN+HUMMEL folgen im Rahmen der Blogserie „MANN+HUMMEL früher und heute“.