Fünf Jahre lang habe ich am KIT, dem Karlsruher Institut für Technologie, an meiner Doktorarbeit mit dem Titel „Numerische Simulation kolloidaler Partikelsysteme“ geschrieben.

Übergabe Doktorandenpreis KIT

Kolloidale Partikel sind Teilchen die kleiner als ein Mikrometer sind und  im Verhältnis zum Volumen eine sehr große Oberfläche besitzen. Die Eigenschaften dieser Oberfläche haben einen großen Einfluss auf das Verhalten der Partikel. Es kann sich zum Beispiel eine Ionenwolke bilden. Ich habe untersucht, wie diese Wolke die Bewegung der kolloidalen Partikel beeinflusst. Anschließend habe ich die Ergebnisse aus den Detailsimulationen im Rahmen einer Industriekooperation auf eine Größenordnung übertragen, in der auch industrielle Prozesse ablaufen. Insbesondere konnte ich meine Ergebnisse zur Berechnung von Beschichtungsvorgängen einsetzen, die z.B. bei der Emaillierung und der Elektrotauchlackierung bei Fahrzeugen zum Einsatz kommen. Diese Verfahren basieren auf den Prinzipien, die ich in meiner Doktorarbeit untersucht habe. Mein Ziel war dann die Entwicklung eines Modells, das die Schichtdicken bei Beschichtungsprozessen voraussagt und Optimierungspotentiale aufzeigt. Da geht es dann auch ums Geld, denn je mehr Material zum Beschichten verwendet wird, desto mehr muss der Hersteller auch bezahlen.

Als ich mit der Promotion fast fertig war, hat mein Professor die Arbeit für den Doktorandenpreis eingereicht. Große Hoffnungen habe ich mir nicht gemacht. Natürlich war ich überzeugt, gut geforscht und relevante Ergebnisse erzielt zu haben. Aber schließlich wird am KIT auch untersucht, wie man beispielsweise Lithium-Ionen-Batterien verbessern kann oder wie man aus Biomasse Kraftstoffe gewinnt – und das sind natürlich Themen die deutlich spannender wirken als meine kolloidalen Partikel.

Mit dem Dokotorandenpreis des KIT ausgezeichnet

Dass ich mit dem Doktorandenpreis des Karlsruher Instituts für Technologie ausgezeichnet werde, habe ich per Email erfahren. Ich saß im Wohnzimmer, hab mein Mailpostfach gecheckt und bin fast vom Sofa gefallen. Ich konnte es kaum fassen und musste erst einmal meine Frau rufen, damit sie mir die Mail nochmals in aller Ruhe vorliest. Die Auszeichnung ist eine große Ehre für mich – und das damit verbundene Preisgeld in Höhe von 2.000 Euro kommt auch wie gerufen, da wir im Februar Nachwuchs erwarten.

Neben mir wurden noch fünf weitere Doktoranden aus anderen Forschungsbereichen ausgezeichnet. Ich glaube für uns alle ist dieser Preis ein Lohn für die vergangenen Mühen. Insgesamt habe ich fünf Jahre für die Promotion geforscht; das war eine anstrengende Zeit, mit vielen Höhen, Tiefen und Nachtschichten. Man stößt an Grenzen, beißt sich an einem Punkt wochenlang die Zähne aus und kommt auch mit einem Zehn-Stunden-Arbeitstag nicht wirklich hin. Nach fünf Jahren war ich über den Schlussstrich doch sehr froh, schließlich zehrt es auch an den Nerven, über solch eine lange Zeit nur ein einziges Thema zu bearbeiten.

KIT Doktorandenpreis

Deshalb macht mir die Arbeit bei MANN+HUMMEL auch umso mehr Spaß: die Durchlaufzeiten sind viel kürzer und dank meiner Tätigkeit im Simulationsbereich erhalte ich Einblick in die verschiedensten Abteilungen. Das ist deutlich abwechslungsreicher als in der Forschung jahrelang ein einziges Thema zu bearbeiten.