Ein rosa Jogging-Anzug mit einer kleinen, gelben Sonne auf dem Bauch. Das war mein „Outfit“, als ich das erste Mal die Berliner Mauer sah – oder besser gesagt, das was davon übrig war. Kurz nach diesem bedeutenden Ereignis, wollten auch wir, meine Eltern, mein großer Bruder und ich, unseren Teil leisten, um die letzten Zeichen von Diktatur und Zwang einzureißen.

Mauerfall: Menschen gehen über die Grenze

Bewaffnet mit kleinen Hämmern, schlugen wir auf die harten, kalten Steine ein. Inzwischen waren diese meist nicht mehr grau und beängstigend, sondern bunt und chaotisch aufgetürmt. Denn bis wir endlich die Möglichkeit hatten, vom beschaulichen Dresden mit unserem brandneuen Trabant in die Hauptstadt zu tuckern, hatten die Menschen bereits die Zeit genutzt, um die Mauer zu bemalen, zu besprühen und die bunten Trümmer so zu einem Symbol für die neue Freiheit zu machen.

Seit dem Mauerfall im Jahre 1989 sind nun 25 Jahre und ein Tag vergangen. Seitdem scheinen die Uhren plötzlich anders gestellt. Die Zeit dreht sich in rasanter Geschwindigkeit und mit ihr ein Strudel von Veränderungen, der alle Verbindlichkeiten dieser Welt zu lockern, ihnen die Wurzeln zu kappen scheint. Der auch vor dem Arbeitsalltag des Einzelnen nicht Halt macht.

Nicht nur, dass es keine Mauer mehr gibt und mein Bruder keinen Vokuhila-Haarschnitt (Vorne kurz, hinten lang) mehr trägt. Nein, in dieser verhältnismäßig kurzen Zeit hat sich im rasanten Takt von Freiheit und Globalisierung eigentlich alles verändert. Gestern noch wurde ich in ein Land der Grenzen hineingeboren und wäre beruflich wahrscheinlich einfach das geworden, was man mir eben erlaubt oder zugeteilt hätte. Heute schon bin ich Teil eines globalen Unternehmens, tausche mich im Minutentakt mit Kollegen aus dem „Westen“ und aus aller Welt aus. Ob ich aus West- oder Ostdeutschland stamme spielt für meine Kollegen bei MANN+HUMMEL dabei keine Rolle.

Zwar habe ich als Dreijährige recht wenig von dieser „alten“ Welt mitbekommen. Trotzdem bin ich mir dessen bewusst, dass die heutige Arbeitswelt kaum mehr etwas mit der damaligen zu tun hat – und das diese mit zahlreichen Herausforderungen einhergeht. Herausforderungen nicht nur in Bezug auf fachliches Wissen. Sondern mit Blick auf die eigene Arbeitsmentalität und Flexibilität.

Die Flexibilität, eigene Ideen in Frage zu stellen und für die der anderen offen zu sein. Denn besonders im Bereich der Kommunikation ist die Fähigkeiten zur Anpassung Grundlage, um im Strudel der Veränderungen nicht zu ertrinken – sondern sich diesen vielmehr zu Nutze zu machen. Das bedeutet nicht, auf die Welle eines jeden Trends aufzuspringen. Sondern sich schlichtweg nicht zu verschließen und Neuem neutral gegenüberzutreten, alle persönlichen Befindlichkeiten an den Rand des Bewusstseins schiebend.

Denn auch die Zeit der starren Eitelkeit ist vorbei. In einer Welt, die nicht still steht, sondern sich ungeduldig und quecksilberartig wandelt, zählen Ideen und Lösungen. Unzeitgemäßes oder starre Arbeitsprozesse haben kaum mehr Platz, auch wenn man sie aus alter Treue noch so sehr zu halten versucht. Zumindest nicht bei dem, der zuerst den gemeinsamen und erst dann den individuellen Erfolg sieht.

Der eine mag das als Bedrohung sehen. Zwar verstehe ich das, schließlich kann Neues sehr beängstigend sein. Trotzdem kann ich gar nicht vehement genug widersprechen. Denn Veränderung bedeutet nicht nur „Verlust“ des Alten. Veränderung heißt auch Freiheit. Nämlich die Freiheit gemeinsam etwas Neues zu schaffen und damit nicht nur das eigene Unternehmen voranzubringen. Sondern vielleicht sogar ein winzig kleines Stück Welt zu verändern. Denn, dass durch gemeinsame Ziele und Träume und Ideen Alles möglich und Nichts unüberwindbar ist – das haben uns die letzten 25 Jahre und nicht zuletzt der Fall der Berliner Mauer gezeigt.