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Als die RMS Titanic am 2. April 1912 ihren Dienst aufnahm, war sie nicht nur das größte Schiff der Welt – sie sollte auch eine neue Ära der Passagierschifffahrt einläuten. Ihr tragischer Untergang nur zwölf Tage spä­ter gehört noch heute zu den größten Katastrophen der Seefahrt. Zum Jahrestag des Untergangs sprach ich mit Holger Steinke, Key Account Manager Heavy Engines im Geschäftsfeld Industriefiltration.

Birgit Schwegmann: Herr Steinke, was hat der Untergang der Titanic mit unserem Produktprogramm zu tun?

Holger Steinke: Der Untergang der Titanic im Jahr 1912 war die Initialzündung des internationalen Abkommens zum Schutz des menschlichen Lebens auf See, genannt SOLAS (‚Safety of Live at seas‘).

Dieses Abkommen hatte zum Ziel,  Mindeststandards für die Sicherheit auf Schiffen festzulegen und wird heute von der IMO (International Maritime Organisation), einer Unterorganisation der UNO, getragen. SOLAS bildet die Grundlage für die detaillierten Klassifikationsvorschriften der Klassifizierungsgesellschaften wie Germanischer Lloyd oder Bureau Veritas, die in Ihrer Gesamtheit als eine Art „Schiffs-TÜV“ fungieren.

Diese Gesellschaften überprüfen, ob ein Schiff die nötigen Sicherheitsvorschriften einhält. Ist dies nicht der Fall, kann das Schiff nicht versichert und damit auch nicht in Betrieb genommen werden.

Dadurch greift SOLAS konkret in unsere Produktentwicklungen ein, denn es werden auch Mindestanforderungen für Filter gestellt.

Birgit Schwegmann: Wie genau sehen die SOLAS Anforderungen für Filter aus?

Holger Steinke: Gemäß  SOLAS müssen alle Filterköpfe umschaltbar ausgeführt sein um die Manövrierfähigkeit eines Schiffes auch beim Filterwechsel zu gewährleisten. Um beispielsweise den rechten Wechselfilter auszutauschen, schaltet man einfach auf den linken Wechselfilter um, sodass für die Zeit des Wechsels der komplette Kraftstoff nur darüber geleitet wird. So kann der Filterwechsel durchgeführt werden ohne den Motor abstellen zu müssen.

Auch die Materialauswahl wird durch SOLAS eingeschränkt. So dürfen beispielsweise keine Metalle mit einem Schmelzpunkt unter 925°C verwendet werden, wodurch beispielsweise für den obengenannten Filterkopf Aluminium als Werkstoff ausscheidet.

Darüber hinaus kommen erhöhte Sicherheitsfaktoren bei der Auslegung der Filter zum Einsatz, was sich in der verwendeten Blechstärke des Filtertopfes niederschlägt.

Birgit Schwegmann: Haben wir denn bereits SOLAS konforme Filter in unserem Produktprogramm?

Holger Steinke: Vereinzelt findet man in unserem Produktportfolio schon SOLAS kompatible Filter aus vergangenen kundenspezifischen Entwicklungen. Unser Kraftstoffvorfilter Marine PreLine 1201 besitzt zum Beispiel ein Type Approval, also eine Betriebserlaubnis des Germanischen Lloyd. Er basiert größtenteils auf bei uns bereits vorhandenen Komponenten.

Zudem entwickeln wir derzeit in Kooperation mit führenden Motorenherstellern als Pilotkunden einen Filterkopf für unsere Wechselfilter der Größe 13 sowie eine SOLAS kompatible Zentrifugen-Baureihe.

Außerdem haben wir zahlreiche weitere Aktivitäten gestartet, um unser Produktprogramm für den Marine-Bereich zu erweitern und abzurunden – hier ein Überblick:

Herr Steinke, vielen Dank für diesen spannenden Einblick in unser Produktportfolio.