Fahrzeugerprobung Hagelsturm 2Heinz Müller arbeitete viele Jahre in der Entwicklung bei MANN+HUMMEL im Werk Ludwigsburg. In seinem Blogbeitrag erzählt er von einer Fahrzeugerprobung in Algerien und dem schlagartigen Abbruch durch einen Hagelsturm – eine der unzähligen Erfahrungen von Heinz Müller im Außendienst:

„Es war im Spätsommer 1979. Wie so oft war ich mit einem unserer Großkunden unterwegs, um die Luftfilter der Motoren zu testen und weiterzuentwickeln. Genauer gesagt ging es darum, zu erproben, wie die Autos auf Staub reagierten. Wo könnte man das besser herausfinden als in der Wüste?

Ich hatte die Aufgabe, eine passende Staubpiste ausfindig zu machen. Und so waren wir nach Biskra, Algerien gereist. Wir, das waren an die zehn Leute. Zehn Tage sollten die Versuche dauern, zehn Tage lang sollten die Fahrzeuge und die Filter dem Wüstenstaub ausgesetzt werden.

Da es tagsüber extrem heiß war, beschloss die Gruppe, die Versuche nachts durchzuführen. Jeden Tag brachen wir gegen 17 Uhr von unserem Hotel in Biskra aus auf. Mit unseren sieben Fahrzeugen ging es dann in der Kolonne etwa 30 Kilometer in Richtung Staubpiste – über die geteerte Verbindungsstraße, die durch ein trockenes Flussbett führte und weiter immer geradeaus.

Auf der Staubpiste angekommen stationierten wir am Startpunkt eine Pritsche mit angebautem Zelt. Zwar war die Temperatur jetzt angenehm, allerdings standen wir nun vor einem anderen Problem: Dunkelheit. Am Zelt hatten wir eine Lampe angebracht, die Kursstrecke von etwa 25 Kilometern war mit Wimpeln und Lichtern abgesteckt. Trotzdem war es sehr schwer, den Kurs zu halten – die Zeltlampe verlor sich schnell in der Weite der Wüste und die Lichter brannten nicht die ganze Nacht hindurch. Und manch einer, ich eingeschlossen, nickte im Auto ob der eintönigen Umgebung ein.

Ein Unwetter mit Folgen

Nach zwölf Stunden anstrengender Testfahrt ging es für uns jeden Morgen zurück nach Biskra. Auch am dritten Tag kamen wir gegen 7 Uhr in der Früh im Hotel an. Hundemüde fielen wir ins Bett – ohne jegliche Vorahnung, was dieser Tag noch bringen mochte …

Es fing ganz harmlos an: Kurz bevor wir wieder zur Staubpiste aufbrechen wollten, braute sich ein Unwetter zusammen. In der Luft wirbelte der Staub und es zogen Wolken auf. Und dann geschah etwas Seltsames: Der Himmel verfärbte sich gelb – und plötzlich „explodierte“ er!

Ein Hagelsturm brach los, wie ich ihn nie zuvor erlebt hatte. Die Hagelkörner waren riesig!

Fahrzeugerprobung Hagelschlag 2

Reihenweise zerschlugen sie die Fenster im Hotel. Und natürlich blieben auch die Autos nicht verschont.

Fahrzeugerprobung Hagelschaden 2

Das bisher trockene Flussbett, durch das wir am Morgen noch gefahren waren, füllte sich mit Massen von Wasser und riss alles mit, was in die Quere kam.

Nach einer guten Stunde endete der Hagelsturm. 15 Menschen wurden an diesem Abend Opfer dieser Naturgewalt – eine Tatsache, die uns alle zutiefst erschütterte.

Unser Team kam mit dem Schrecken davon. Nach einem kurzen Blick auf unsere Autos war klar: Mit den Fahrzeugen waren keine Versuche mehr zu machen.

Wir mussten zurück nach Deutschland reisen – doch dafür brauchten wir die Autos. Zwei Tage verbrachten wir damit, Plexiglas zu besorgen und die zerbrochenen Autoscheiben zu flicken. Denn eine Werkstatt war damals in Algerien nur sehr schwer zu finden.

Nach nur drei von zehn geplanten Versuchstagen traten wir die Rückreise an – enttäuscht vom erzielten Ergebnis, doch ungemein froh um unser Glück …“