Spezialist für LuftfiltrationWie passt der vor kurzem übernommene schwedische Luftfiltrationsspezialist Vokes Air eigentlich zu MANN+HUMMEL? Womit beschäftigt er sich? Lässt sich das Automotive-Know-how auch im industriellen Bereich nutzen? Und welche Chancen bietet das neue Engagement? Die Blog-Redaktion wollte es genau wissen und fragte nach bei Manfred Wolf, unserem Geschäftsführer für den Geschäftsbereich Automobil + Industrie, und Steffen Schneider, dem Leiter des Geschäftsbereichs Industriefiltration.

Herr Schneider, was bedeutet die große Einkaufstour nach Schweden für Sie und Ihre Kollegen in Speyer?

Steffen Schneider: Wir vom Geschäftsbereich Industrial Filtration freuen uns riesig über die neue Verstärkung und begrüßen die 400 neuen Kollegen von Vokes Air herzlich in der MANN+HUMMEL Familie. Ich denke, mit ihrer Unterstützung wird es uns gelingen, die vor einigen Jahren begonnene Ausweitung und Internationalisierung der Industriefiltration einen großen Schritt voranzubringen.

Möchten Sie mit Vokes Air ein universeller Filtrationsanbieter werden?

Manfred Wolf: Unsere Vision heißt ja ‚Leadership in Filtration‘. Damit sind wir nicht auf Filtration im Automobil festgelegt, sondern bleiben offen. Universell würde mir aber etwas zu weit gehen. Es ist heute sicher nicht unser Ansatz, alle Filtrationsaktivitäten abzudecken. Aber wir wollen sehr gezielt über das Automobilgeschäft hinausgehen und in Marktsegmenten aktiv werden, die uns attraktiv erscheinen und die zu uns passen.

Luftfiltration im industriellen Bereich ist daher der nächste logische Schritt. Wir freuen uns, dass Vokes Air für eine Übernahme offen war. Denn es hilft uns, ein zusätzliches Filtrationssegment deutlich schneller zu erschließen, als es durch andere Aktivitäten möglich wäre.

Könnten Sie unseren Blog-Lesern kurz erklären, in welchen Bereichen Vokes Air aktiv ist?

Steffen Schneider: Die Aufgaben sind sicherlich genauso reizvoll, wenn auch nicht so bekannt wie die Filtration im Auto. Um saubere und temperierte Luft geht es überall, wo sich viele Menschen aufhalten, zum Beispiel in Flughäfen, Hotels, Einkaufszentren, Museen oder Schiffen. Das ist der Bereich Heizung, Lüftung, Klimatechnik, auf neudeutsch Heating, Ventilation, Air Conditioning – kurz HVAC.  Daneben brauchen wir noch reinere Luft in Operationssälen von Krankenhäusern, oder auch in der Reinraumfertigung von hochempfindlichen Komponenten für die Automobilindustrie. Solche Reinraum-Fertigungen haben wir ja selbst auch. Dann geht es noch um Filtersysteme für Gasturbinen und die Abscheidung von Ölnebel in den Produktionshallen der Automobilindustrie. Es handelt sich, kurz gesagt, um Luftfilter für industrielle Anwendungen wie z.B. Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen sowie Reinraum- und Gasturbinentechnik.

Das Thema Luftreinhaltung bewegt uns in den Industriestaaten schon lange und wird nun auch in Ländern wie China zu einem drängenden Problem. Was tun Sie auf diesem Gebiet?

Steffen Schneider: Wir sehen natürlich die Notwendigkeit, mehr für die Luftreinhaltung zu tun. Die zunehmende Luftverschmutzung und das Anwachsen von Großstädten ist eine riesige Herausforderung, und zugleich ein Motiv für uns, auf diesem Gebiet aktiv zu werden. Hier gibt es noch viel mehr Anwendungen als die von Vokes Air, so zum Beispiel Air Pollution Control, mobile Geräte und vieles mehr. Auf diesem großen Gebiet werden wir uns engagieren, weil es eine große Zukunft hat.

Könnten Sie erläutern, was unter Air Pollution Control zu verstehen ist?

Steffen Schneider: Der Begriff umfasst einen weiten  Bereich der Luftfiltration. Im Wesentlichen handelt es sich um die Filtration von Grob- und Feinstäuben in verschiedenen Bereichen der Schwerindustrie, wie zum Beispiel der Metall-, Stahl- oder Zement-verarbeitenden Industrie.

Können wir bei der Luftfiltration auf unser Know-how aus dem Automotive-Bereich zurückgreifen?

VokesAir2Manfred Wolf: Im Automobil ist saubere Luft im Innenraum in der Tat schon lange ein großes Thema, und es wird immer wichtiger. Dort ist übrigens die Luft selbst für Allergiker absolut okay, zumindest, wenn Innenraumfilter aus unserer Produktion an Bord sind.

Steffen Schneider: Ähnliche Filter und Filtermedien finden wir durchaus auch in Industriefahrzeugen und in Gebäuden. Den Unterschied macht vor allem die Anwendung, denken Sie an Flughäfen oder Einkaufzentren. Gemeinsamkeiten gibt es auch in der Produktion, so dass wir mit unserem Know-how die Fertigungsstandorte weiter verbessern können.

Wenn man daran denkt, wo überall gefiltert werden muss, ist die Filtration da nicht ein riesiger Markt?

Steffen Schneider: In der Tat geht es bei der Filtration um ein riesiges Potenzial. Verschiedene Schätzungen  sprechen von circa 40 Milliarden Umsatz weltweit. Je nach Arbeitsgebiet erwarten wir interessante Wachstumsraten, die bei etwa 5 bis 8 Prozent liegen könnten. Der Bereich HVAC, in dem Vokes Air aktiv ist, hat eine Größenordnung von knapp 15 Prozent. Daneben gibt es viele andere Anwendungsgebiete.

Wo sehen Sie die Wachstumschancen für MANN+HUMMEL?

Manfred Wolf: Wir können grundsätzlich in allen unseren Filtrationssegmenten weiter wachsen, sowohl rund ums Auto als auch bei der Industrie- und Wasserfiltration. Und wir erschließen uns zusätzliche Wachstumschancen mit Akquisitionen wie Vokes Air. Das Unternehmen ist in erster Linie in Europa aktiv.

Wie führen Sie Vokes Air in die MANN+HUMMEL Familie ein?

Manfred Wolf: Unsere neuen Kollegen arbeiten jetzt bei MANN+HUMMEL Vokes Air und sind Teil unseres Geschäftsbereichs Industriefilter. Nach unseren Erfahrungen aus Übernahmen der vergangenen Jahre haben wir ein Integrations-Team gebildet, das sich aus Mitarbeitern von Vokes Air und MANN+HUMMEL zusammensetzt. Es schaut sich alle Funktionsbereiche an, wie zum Beispiel Einkauf, Produktion bis hin zum Controlling, und prüft, wie stark die Integration möglich und nötig ist. Das von Vokes Air übernommene Management wird, mit Herrn Schneider an der Spitze, den Geschäftsbereich unverändert weiter steuern.

M+H_GF_WolfManfred Wolf, Geschäftsführer Geschäftsbereich Automobil + Industrie
Der Diplom-Betriebswirt (FH) studierte Betriebswirtschaft an der Fachhochschule in Pforzheim. Nach diversen Stationen bei der Robert Bosch Gruppe übernahm er 1995 die Position des Leiters des Geschäftsbereichs Service bei MANN+HUMMEL.1998 wurde er zum Geschäftsführer bestellt und verantwortet seither den Geschäftsbereich Automobil + Industrie.

 

S. SchneiderSteffen Schneider gehört MANN+HUMMEL bereits seit 1993 an, war in verschiedenen Funktionen in Vertrieb, Einkauf tätig und für Tochtergesellschaften in Spanien und Mexiko verantwortlich. Seit Anfang 2013 leitet er den Geschäftsbereich Industriefiltration.