Ölbadluftfilter waren in der Automobilindustrie einmal das Maß aller Dinge. Seit vielen Jahren findet man sie im Pkw-Segment allerdings kaum mehr, der Papierluftfilter hat sie seit den 1970er Jahren sukzessive ersetzt. Der Grund ist ganz einfach: Mit dem Umstieg auf den Papiereinsatz wurde der Staubabscheidegrad deutlich besser. Gleichzeitig bietet die Papiervariante weniger Strömungswiderstand, was der Motorleistung zugutekommt. Und dabei ist sie auch noch günstiger.

Bei MANN+HUMMEL begannen wir zu der Zeit natürlich auch, die ersten Luftfilter mit einem Papierelement und einem Kunststoffgehäuse zu entwickeln. Ich hatte das Glück, bei den Tests der ersten Papierluftfilter für den VW Käfer dabei zu sein, wobei Glück hier ein dehnbarer Begriff ist, denn damals waren die Tests echte Knochenarbeit. Aber dazu gleich mehr.

Testfahrten in Algerien 1971

Zur Erinnerung: Ölbadluftfilter wurden seinerzeit aus Stahlblech gefertigt und kamen auch im VW Käfer zum Einsatz. Volkswagen plante allerdings, das System auf Papierfilter mit Kunststoffgehäuse umzustellen. Geplant war, dann in Serie täglich mehr als 3.000 Stück zu produzieren. Für uns bedeutete das einen potentiellen Großauftrag, unser Lastenheft war also prall gefüllt.

Staubige Testfahrt in Algerien

Eine Herausforderung kommt selten alleine

Es galt zahlreiche Fragen zu beantworten und Lösungen für etwaige Probleme zu finden. Zum einen beschäftigten wir uns mit der Filtrationsleistung an sich. Hier stellen sich Fragen wie: Ist der Staubabscheidegrad ausreichend? Reicht die Aufnahmekapazität des Filters für ein Fahrzeug mit Heckmotor? Wo sollte die Leitung der Kurbelgehäuseentlüftung platziert sein? Und ist eine Vorerwärmung der Ansaugluft notwendig?

Hinzu kamen Fragen rund um die konstruktiven Eigenschaften: Welchen Kunststoff für das Gehäuse sollten wir verwenden? Wie sind die Dämpfungseigenschaften bei Kunststoff? Wie sieht es mit der Haltbarkeit aus? Viele Fragen, die die Entwicklung von MANN+HUMMEL über Monate beschäftigten.

Einer unter fünf

VW entscheid sich dann – zum ersten Mal überhaupt – einen groß angelegten Staubversuch mitten in der afrikanischen Wüste durchzuführen. Ziel war der Süden Algeriens, wohin sich damals noch kaum ein Tourist verirrte. Wir traten unsere Reise im September 1971 an, ohne jegliche Vorahnung, was uns eigentlich erwartete. Sechs VW-Mitarbeiter und fünf VW Käfer reisten über Frankreich, Spanien und Marokko nach Oran in Algerien. Ich, als einziger Vertreter von MANN+HUMMEL, hatte das Glück, direkt in die Küstenstadt fliegen zu können.

ein VW Käfer in Algerien 1971

Gemeinsam reisten wir dann weiter gen Süden und trafen schließlich in unserem Zielort El Golea ein. Wir übernachteten im ehemals französischen Hotel Grand Erg, ein Erlebnis der eher schlichten Art. Telefon und Fax gab es nicht, der Fernschreiber funktionierte auch nur ab und an – wir waren also von der Außenwelt abgeschnitten. Das Essen bestand aus Ziegenmilch und zwei Tagen alten Baguettes zum Frühstück sowie Hammel- und Ziegenknochen mit etwas Fleisch zum Abendessen. Aber wir waren alle noch jung, dynamisch und belastbar, sodass wir diese Härten als echte Herausforderung annahmen.

Motorinnenraum eines VW Käfers

Testversuche

Und so konzentrierten wir uns auf unsere Tests, die aus viele Staubfahrten auf unterschiedlichen Pisten bestanden. Zum Einsatz kamen Ölbadluftfilter, Papierluftfilter, jeweils mit und ohne Wärmeluftregulierung sowie mit und ohne Kurbelgehäuseentlüftung und so weiter.

Algerien 1971

Auch sonst waren die Versuche nicht arm an Herausforderungen: Wer jemals in der Wüste und ohne große Hilfsmittel komplette Federbeine oder Bowdenzüge direkt im Sand ein- und ausgebaut hat, wird verstehen, mit welchen Problemen wir zu kämpfen hatten. Denn eine Werkstatt mit Hebebühne gab es nicht. Aber unser Team hielt zusammen und gemeinsam schafften wir alle Hürden. Und wir stellten schnell fest, wie einfach ein Papierelement zu wechseln ist – und wie „übel“ es im Vergleich dazu ist, den „angepichten“ Schmutz im Unterteil des Ölbadluftfilters mit Schraubenzieher und Hammer zu entfernen.

Insgesamt waren wir 32 Tage dort. Braun gebrannt von der Sonne und gegerbt vom Wind kamen wir anschließend zurück. Mit ein paar Kilogramm weniger auf den Rippen (der Rekord lag bei zwölf) und vielen Erfahrungen mehr im Gepäck. Das Wichtigste aber: Wir hatten bewiesen, dass die erzielten Ergebnisse hinsichtlich des Papierluftfilters mit Kunststoffgehäuse nicht nur in der Theorie, sondern vor allem auch in der Praxis positiv waren. So lief 1972 dann auch der erste Käfer mit einem Papierluftfilter im Kunststoffgehäuse von MANN+HUMMEL vom Band.