Der Besuch einer Messe in Hannover ist schon etwas Besonders, schließlich ist das dortige Messegelände das größte der Welt. Es bietet 24 Hallen und Pavillons, die insgesamt eine Fläche von über 450.000 Quadratmeter umfassen. Hinzu kommen noch einmal rund 58.000 Quadratmeter Freifläche. Ich habe das Glück, öfter mal dort zu sein. Das letzte Mal war es Ende des vergangenen Jahres zur Agritechnika, der bedeutendsten und größten Messe für Landtechnik. Wenn sie in der niedersächsischen Hauptstadt zu Gast ist, dann ist alles belegt. Nicht nur für mich ist das immer wieder ein faszinierender Anblick, was es auf dieser Leitmesse zu sehen gibt. Gleiches gilt auch für meinen nächsten Besuch: Ende September lädt die IAA Nutzfahrzeuge. Aber der Reihe nach …

Für MANN+HUMMEL sind beide Messen Pflichttermine. Immerhin sind wir ein wichtiger Anbieter von Filtrationslösungen für Branchen, die besondere Anforderungen an ihre Arbeitsgeräte stellen. So zeigten sich die Besucher während der Agritechnika überaus fasziniert von unseren Innovationen, die wir in Hannover erstmals einem großen Publikum präsentiert haben. Das wird auf der IAA Nutzfahrzeuge nicht anders sein. Ein Produkt aber fand und findet sicher besonderes Interesse – und das, obwohl es noch nicht einmal filtern kann. Sein Name: Senzit. Worum handelt es sich dabei?

Es ist oft die Regel, den Luftfilter vorsorglich zu wechseln

Lassen Sie mich dafür ein wenig ausholen: Jedes Luftfilterelement muss einmal gewechselt werden. Den richtigen Zeitpunkt zu erkennen, ist allerdings eine echte Herausforderung für Betreiber von Land- und Baumaschinen oder Lastwagen, die auf schwierige Einsatzbedingungen zugeschnitten sein müssen, wie zum Beispiel im Baustellenverkehr oder in bestimmten Regionen der Welt. Es gibt zwar Angaben zu Wartungsintervallen, Standzeiten und Empfehlungen für den Tausch. Doch im Gegensatz zum privaten Pkw bewegen sich Industriemaschinen unter sehr unterschiedlichen Einsatzbedingungen.

Landmaschinen auf der Agritechnika

Die Fahrt zum Feld oder der Transport über die Landstraße belasten einen Filter kaum. Der Einsatz beim Dreschen oder auf einer staubigen Großbaustelle hingegen bedeutet für jedes Filtersystem Schwerstarbeit. Doch wer weiß schon genau, wann welches Fahrzeug wo und wie lange im Einsatz war und wie viel Staub dabei tatsächlich angefallen ist? Deshalb ist es beispielsweise bei Lohnunternehmen durchaus Usus, vor einem intensiven Einsatz die Filter auszubauen, zu kontrollieren, gegebenenfalls auszublasen oder vorsorglich ganz zu wechseln, um das nicht später auf dem Feld machen zu müssen. Denn damit verlieren sie wertvolle Zeit und Geld. Natürlich gibt es auch Anzeigen, wann ein Filter „voll“ ist. Doch wenn man gerade mitten in der Ernte ist, hilft einem das wenig. Besser wäre es doch, vorher zu wissen, ob der geplante Einsatz noch durchführbar ist oder nicht. Und damit kommen wir zurück zu Senzit.

Senzit Filter für Landmaschinen

Senzit weiß genau, wann der Filterwechsel notwendig ist

Senzit ist ein neues digitales „Filter“produkt von MANN-FILTER speziell für Off-Highway-Fahrzeuge. Genauer gesagt ist es ein Smart Device, also ein intelligentes Gerät, das direkt am Serviceport des Luftfiltergehäuses installiert wird. Mehrere intelligente und robuste Sensoren erfassen dort den Beladungsstatus des Luftfilters. Dieser wird kontinuierlich in Echtzeit analysiert. Dabei werden auch Änderungen der Umgebungsbedingungen wie beispielsweise die Fahrt auf der Landstraße, der Einsatz auf der Baustelle oder Wetterbedingungen und -umschwünge berücksichtigt.

Senzit auf der IAA

Aus allen Messdaten errechnen intelligente Algorithmen fortlaufend eine genaue Prognose für die Restlaufzeit des Luftfilters. Die Ergebnisse werden anschließend über eine mobile App oder ein Webportal an den Nutzer übermittelt. Er erhält dadurch jederzeit und überall Zugriff auf die verständlich aufbereiteten Statusinformationen. Neben der Restlaufzeit des Filters erfährt er so auch, welches Fahrzeug gerade in Betrieb ist, und wo es sich befindet. Alles in allem können bei den vernetzten Fahrzeugen die Wartung von Filterelementen, aber auch von weiteren Maschinenkomponenten exakt geplant werden. Das macht die manuelle Überprüfung von Luftfiltern unnötig, verringert Maschinen-Stillstand, schützt den Fahrzeugmotor und verhindert unnötige Filterwechsel.

Nach der Agritechnika nun die IAA Nutzfahrzeuge

Auf der Agritechnika stieß Senzit auf großes Interesse, zumal es mit einer Vielzahl von Luftfiltern kompatibel und nachträglich in eine noch größere Zahl von Fahrzeugen einbaubar ist. Kurz nach der der Agritechnika kam das System dann auf den Markt. Doch nicht nur Endkunden, auch Fahrzeughersteller und Erstausrüster waren sich an dem System interessiert. Dabei war die gezeigte, komplett autarke Lösung für sie allerdings nicht hundertprozentig ideal, da moderne Fahrzeuge einen Teil der in Senzit integrierten Sensorik bereits an anderer Stelle verbaut haben. MANN+HUMMEL wäre aber nicht MANN+HUMMEL, wenn wir nicht auch dafür eine Lösung finden würden.

Die entsprechenden Entwicklungsarbeiten laufen jedenfalls. Jetzt stellen wir Senzit auch auf der IAA Nutzfahrzeuge einem erweiterten Publikum vor: Während die Agritechnika sich vor allem an die Land- und Forstwirtschaft sowie den Garten- und Landschaftsbau wendet, hat die IAA Nutzfahrzeuge die gesamte Nutzfahrzeugbranche im Fokus – mit entsprechendem Potenzial für unser Unternehmen.