Als ich 2014 nach zweijähriger Elternzeit ins Unternehmen zurückkam, wurde ich mit einem neuen Thema betraut: Das Betriebliche Eingliederungsmanagement, kurz BEM. Bei MANN+HUMMEL wurde BEM im Zuge einer konzernweiten Standardisierung deutschlandweit vereinheitlicht. Ich hatte daher sehr viel Spielraum die Prozesse kreativ mitzugestalten und eigene Akzente bei der Erstellung der Abläufe zu setzen. Das war ein spannendes Jahr für mich, denn obwohl ich aus dem Personalbereich komme, habe ich erst einmal recherchieren müssen, was BEM eigentlich ist.

Betriebliches Eingliederungsmanagement – was ist das?

Mit BEM bieten wir Mitarbeitern, die mehr als 6 Wochen in den letzten 12 Monaten krankgeschrieben waren, eine Hilfestellung zur Eingliederung an ihren Arbeitsplatz an. Grundsätzlich sollen die Mitarbeiter wieder in den Bereich zurückkehren können, in dem sie auch vorher gearbeitet haben. Wenn das aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich ist, schauen wir, ob die Eingliederung in einen anderen Bereich in Frage kommt.
BEM ist ein Angebot – die Mitarbeiter können, müssen es aber nicht annehmen. Genauso können sie aber auch selbst auf uns zukommen. Weiß ein Mitarbeiter im Vorfeld, dass er infolge einer Operation eingeschränkt sein wird, können wir uns gemeinsam Gedanken machen: Ist es sinnvoll, ihn stufenweise wieder einzugliedern? Wie können wir sein Handicap schonend mit seiner Tätigkeit verbinden? Wie können wir seinen Arbeitsplatz unterstützend gestalten? Um diese Fragen zu beantworten, arbeiten wir eng mit der Führungskraft, dem Betriebsrat und auch externen Stellen wie z.B. dem Integrationsamt und der Rentenversicherung zusammen. So können wir beispielweise den Arbeitsplatz und die Arbeitsabläufe des Mitarbeiters unter die Lupe nehmen und Empfehlungen machen, wie sich der Arbeitsalltag am besten gestalten lässt. Ein klassisches Beispiel: Der höhenverstellbare Schreibtisch für Mitarbeiter mit Bandscheibenvorfall – eine simple, aber effektive Maßnahme.

Unterstützung für den, der mag – Hand in Hand mit Spezialisten

Der eigentliche Prozess des BEMs beginnt mit einem persönlichen Gespräch, an dem der Mitarbeiter, seine Führungskraft, ein BEM-Verantwortlicher und auch ein Betriebsrat oder ein Schwerbehindertenvertreter teilnehmen. Wir versuchen auf diesem Weg herauszufinden, wo die Ursachen der Erkrankung liegen. Der Mitarbeiter ist aber nicht dazu verpflichtet uns seine Erkrankung mitzuteilen. Wenn wir die Gründe kennen, ist es natürlich einfacher, konkrete Maßnahmen zu ergreifen. Wir bieten unter anderem Hilfe bei organisatorischen Dingen an, die im Zuge einer Krankheit auftreten. So helfen wir zum Beispiel bei der Suche nach passenden Therapeuten und unterstützen in schweren Krankheitsfällen beim Antragstellen einer Schwerbehinderung.

 Auf Tuchfühlung mit Einzelschicksalen

Alle Menschen sind unterschiedlich, einen konkreten Alltag oder ein Handeln nach Schema F gibt es im BEM nicht. Das ist sehr spannend, aber es verlangt auch eine Menge Fingerspitzengefühl. BEM ist eine vielschichtige Aufgabe, die immer wieder eine individuelle Lösung erfordert und mir oft auch sehr nahe geht. Ich hatte in den letzten Monaten tagtäglich mit Einzelschicksalen zu tun – vom gebrochenen Bein bis zur Krebserkrankung. Die Packung Taschentücher steht bei jedem Gespräch auf dem Tisch – und die braucht es auch immer wieder für alle Gesprächsteilnehmer. Inzwischen gelingt es mir gut, zwischen Distanz und Anteilnahme zu jonglieren. Unsere Aufgabe ist es, den Mitarbeiter möglichst schnell, unter Berücksichtigung seiner Gesundheit wieder in die Arbeit und Berufsleben zurückzuführen. Auf die ersten zwei Jahre können wir rückblickend sagen: BEM zahlt sich aus!